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Steph Curry (l.) und seine Golden State Warriors jagen im Westen NBA-Champion San Antonio Spurs und Tim Duncan

München - Stephen Curry soll als Weltmeister Golden State beflügeln. Die Clippers haben endlich Ruhe. SPORT1 checkt die Western Conference.

Schon eine Woche vor dem Saisonstart in der NBA wird in Oakland gefeiert.

Nicht ein, sondern gleich zwei Meisterschaftsbanner werden von den Golden State Warriors unter die Decke der Oracle Arena gezogen.

Ein Tribut an längst vergangene Zeiten, als die Warriors - damals noch in Philadelphia beheimatet - 1947 und 1956 den Titel holten (Ab dem 28. Oktober, die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

WM-Titel in Spanien

Die letzte und bis heute einzige Meisterschaft der Warriors in der Bay Area datiert aus dem Jahr 1974.

In diesem Sommer durften Stephen Curry und Klay Thompson immerhin mit dem Team USA den Titelgewinn bei der WM in Spanien bejubeln - jetzt sollen die "Splash Brothers" auch an der Pazifikküste für neue Höhenflüge sorgen.

Die Stars von Titelverteidiger San Antonio werden nicht jünger, die Oklahoma City Thunder müssen in den ersten Wochen den Ausfall von Kevin Durant verkraften und auf einmal scheint für die Golden State Warriors in der traditionell starken Western Conference alles möglich.

Gerade Thompson hat bei der WM Selbstvertrauen ohne Ende getankt.

"Wenn ich mit den Jungs im Team USA mithalten kann, dann kann ich das gegen jeden in der gesamten Liga", sagte der 24-Jährige nach dem Titelgewinn.

Neuer Trainer in der Bay Area

Das will Thompson jetzt auch bei den Warriors beweisen, bei denen er gemeinsam mit seinem kongenialen Partner Curry die Liga schon in der vergangenen Saison verzückte (Alles zur NBA auch bei SPORT1 im Free TV - Do. 18 Uhr "Inside US Sports").

Beide versenkten mehr Dreier als jeder andere NBA-Spieler - und mit dem neuen Trainer Steve Kerr bekommen die beiden jetzt auch noch den perfekten Lehrmeister zur Seite gestellt.

Der Ex-Profi und ehemalige TV-Experte hält seit der Saison 1994/95 den Rekord für die beste Dreierquote (52,4 Prozent), lernte einst als Spieler bei den Chicago Bulls unter dem elfmaligen Meistercoach Phil Jackson und bringt zudem Erfahrung als General Manager eines NBA-Teams mit in die Bay Area.

Zusätzlicher Vorteil: Kerr findet in Oakland eine eingespielte Truppe vor, die unter seinem Vorgänger Mark Jackson bereits 51 Siege einfuhr und in der ersten Playoff-Runde nur denkbar knapp an den Clippers scheiterte.

Die Warriors-Rookies dürfen sich mit Gesang und Kostüm den Fans vorstellen:

"Wir können auf unsere Erfahrungen aus dem letzten Jahr aufbauen", sagt auch Curry, der sich vehement dafür eingesetzt hatte, den Kader beisammen zu halten: "Personelle Veränderungen im Kader sind schwerer zu verkraften als ein Trainerwechsel."

Der Superstar hat seinen Willen bekommen. Mit Curry, Thompson, Andre Iguodala, David Lee und Andrew Bogut hat Golden State eine ebenso eingespielte wie schlagkräftige Starting Five zur Verfügung.

Das einzige dicke Fragezeichen scheint die Verletzungsanfälligkeit einiger Spieler zu sein.

Bogut, Lee und Neuzugang Shaun Livingston mussten in der Vergangenheit häufiger pausieren, auch Currys Knöchel bereitete des Öfteren Sorgen.

Bleiben die Warriors aber von größeren Verletzungen verschont, muss am Ende deutlich mehr herausspringen, als der sechste Platz aus dem Vorjahr.

SPORT1 wirft vor dem Saisonstart einen Blick auf die Teams der Western Conference:

San Antonio Spurs

Sie sind zu alt, zu morsch, zu satt.

Jedes Jahr aufs Neue zählen mindestens die Hälfte aller NBA-Experten die San Antonio Spurs an. Und jedes Jahr schlägt das Spurs-Murmeltier mit breitem Grinsen zurück.

Gregg Popovich und seine Rentner-Gang gehen als amtierender NBA-Champion in die Saison und werden nichts lieber machen, als alle negativen Prophezeiungen zu widerlegen.

Tim Duncan, Tony Parker und Manu Ginobili haben die Rollatoren schon in Position gebracht und sind bereit für eine weitere Saison.

"Pop" wird das Trio wahrscheinlich gezielter einsetzen, damit noch mehr "Restgate"-Fälle heraufbeschwören und am Ende doch wieder die beste Bilanz im Westen liefern.

Sollten Kawhi Leonard und Danny Green den nächsten Schritt machen, dann wird es noch unangenehmer, gegen die Spurs zu spielen. Die größten Veränderungen nahmen die Spurs bei den Coaches vor. Europas Star-Coach Ettore Messina und Ex-WNBA-Spielerin Becky Hammon werden Popovich zukünftig assistieren.

Los Angeles Clippers

"Der verrückte Onkel" Donald Sterling (Zitat: Blake Griffin) ist endlich Geschichte in Los Angeles, eine neue Ära soll beginnen.

Aber schaut man sich Steve Ballmer, den neuen Besitzer der Clippers, an, beschleicht einen des Öfteren das Gefühl, dass der Ex-Microsoft-Chef ebenfalls ein ganz spezieller Typ ist, allerdings positiv-verrückt.

Angefangen von der kuriosen Antrittsrede bis hin zum frenetischen Jubel bei einem unwichtigen Preseason-Spiel - Ballmer lebt die Los Angeles Clippers mit jeder Faser seines Körpers.

Ein Gesundheitscheck vor den Playoffs könnte vielleicht hilfreich sein, denn mit mehr Ruhe im Klub könnte es in dieser Saison ein längerer Sommer für die Stars Chris Paul, DeAndre Jordan und Griffin werden.

Ein Spiel sieben um die NBA-Finals könnte Ballmers Lebenszeit dramatisch verkürzen.

Head Coach Doc Rivers hat alle Leistungsträger auch 2014/15 zur Verfügung und wird sich mit den ebenfalls tief besetzten Golden State Warriors in der Pacific Division um Platz eins streiten.

Oklahoma City Thunder

Oklahoma City ist ein interessantes Projekt, Kevin Durants unglückliche Preseason-Verletzung hin oder her.

Und doch schwebt über dem Klub nach wie vor die Frage des "Was wäre wenn?"

Was wäre möglich gewesen, wenn James Harden ein kleineres Ego gehabt hätte?

Was wäre gewesen, wenn Russell Westbrook und Serge Ibaka gesund geblieben wären?

Was wäre möglich gewesen, wenn Durant 2014/15 komplett fit gewesen wäre?

Die letzte Frage ist zwar in die Zukunft gerichtet, aber der Ausfall des Stars ist in der dicht gedrängten Western Conference ein herber Rückschlag und wird unweigerlich gestellt werden, sofern der Titel nicht wider Erwarten doch bei OKC landet.

Es ist nicht ganz klar wie lange Head Coach Scott Brooks ohne "Durantula" arbeiten muss, bei Nets-Center Brook Lopez zog und zieht sich die gleiche Verletzung extrem lange hin. Die Thunder-Saison steht und fällt mit der Gesundheit des MVP 2014, Westbrook kann das Team allein nicht tragen.

Portland Trail Blazers

Das Team um die Superstars LaMarcus Aldridge und Damian Lillard ist so etwas wie die junge Ausgabe der San Antonio Spurs - und das bezieht sich nicht nur auf die schwarzen Trikots.

Zusammen mit Nicolas Batum und Wesley Matthews zelebrieren die Portland Trail Blazers ein feines Teamplay und ziehen den Extrapass dem eigensinnigen Basketball vor.

Head Coach Terry Stotts, der unter Mavs-Trainer Rick Carlisle 2011 Meister wurde, hat in Oregon eine zukunftsträchtige Truppe zusammengestellt, jetzt gilt es, den nächsten Schritt zu machen.

Die Bank ist schon mal ein bisschen tiefer geworden, denn mit Chris Kaman und Steve Blake haben zwei verlässliche Routiniers mit Erfahrung den Weg nach Portland gefunden.

Sollte OKC länger ohne Durant auskommen müssen, dann ist Portland in der Northwest Division die klare Nummer eins. Suit up Mister Lillard, Challenge accepted.

Dallas Mavericks

Dirk Nowitzki kann sich wirklich auf die kommende Saison freuen. Zwar ging den Dallas Mavericks kein ganz großer Fisch ins Netz, aber alle Verstärkungen des Sommers haben Hand und Fuß und dürften den NBA-Champion des Jahres 2011 weiter bringen.

Center Tyson Chandler entlastet "Dirkules" in der Defense, Ex-Rocket Chandler Parsons verschafft Dirk im Angriff ein paar ruhige Minuten ohne Druck.

Die Folge: Der Basketball-Flamingo aus Würzburg kann sich seine einbeinig eingesprungenen Würfe für die entscheidenden Momente aufheben und dürfte in den Endphasen der engen Spiele auch mit 36 Jahren noch Luft für Heldentaten haben.

War es letzte Saison noch ein knappes Rennen um die Playoffs, sollten die Mavs 2015 einen deutlich entspannteren April verleben und mindestens auf Platz sechs in die Postseason reiten.

Houston Rockets

Dreier oder Dunking - diese Devise wird auch in der kommenden Spielzeit das Spiel der Houston Rockets kurz und knackig beschreiben.

Ohne Parsons und mit den Gegnern auf die bevorstehenden Gefahren gefasst, droht den Texanern eine Leistungsdelle. Zwar verpflichtete GM Daryl Morey mit Trevor Ariza namhaften Ersatz für Parsons, doch ob der Ex-Wizard bei den Rockets genauso funktioniert wie in Washington, ist noch längst nicht geklärt.

Es wird also zu Beginn der Saison erstmal von Weltmeister James Harden und Center Dwight Howard abhängen. Harden hat auch in Spanien eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie egal ihm Defense ist und wird weiter jeden Wurf oder Drive zum Korb als beste Option betrachten. "Superman" Howard wird nach wie vor mehrmals die Nacht aufwachen und schweißgebadet vor sich hinmurmeln: "Bitte nicht an die Freiwurflinie, bitte, bitte nicht."

Die Playoffs sind Kevin McHales Mannschaft kein Problem, aber eine lange Postseason sollte es nicht werden.

Phoenix Suns

Das Überraschungsteam der vergangenen Saison hat sich im Sommer mit Isaiah Thomas ordentlich verstärkt.

Zusammen mit Goran und Zoran Dragic sowie Eric Bledsoe ist das ein sehr interessanter Backcourt, der zusätzlich von Head Coach Jeff Hornaceks Erfahrung als Spieler profitieren wird.

So tief der Kader bei den Guards besetzt ist, so sehr könnten die Phoenix Suns auf den großen Positionen Probleme bekommen.

Miles Plumlee und Alex Len sind maximal Ligadurchschnitt, P.J. Tucker bleibt auch in Zukunft so hoch wie breit. Bleiben noch die Morris-Zwillinge als Power Forwards, doch auch hier wird in Zukunft keine All-Star-Nominierung in der Geschäftsstelle der Suns landen.

Der Rest vom Schützenfest

Für die Memphis Grizzlies und die New Orleans Hornets geht es allein darum, den Phoenix Suns den achten Playoff-Platz abzujagen.

Die vielversprechenderen Chancen dürften dabei die Hornets mit All-Star-Center Anthony Davis haben.

Ryan Anderson ist wieder fit, Center Ömer Asik kann der "Monobraue" hin und wieder eine Pause verschaffen.

Dazu Eric Gordon, Tyreke Evans und Jrue Holiday auf den Guard-Positionen und fertig ist die Laube. Memphis hat im Gegensatz dazu einfach zu viele Kilometer auf dem Tacho.

Der Fluch der Western Conference

Zach Randolph reitet dem Sonnenuntergang seiner Karriere mit einem panierten Hähnchenschenkel in der Hand entgegen und die Verpflichtung von Vince Carter ist auch nicht gerade die personifizierte Frischzellenkur. Bleibt noch Marc Gasol, der seine Stärken nach wie vor aber in der Defensive hat. Gerade die ertickende D wird die Bären aber im Rennen halten.

Für die Denver Nuggets wird die Western Conference zum Fluch, denn im Osten würde sich das Team um den wieselflinken Point Guard Ty Lawson und "Manimal" Kenneth Faried locker für die Playoffs qualifizieren.

Ähnliches gilt für die Minnesota Timberwolves, die durch den Love-Trade die Top-Picks Andrew Wiggins und Anthony Bennett in den Kader gespült bekommen haben.

Zusammen mit Ricky Rubio und Nikola Pekovic ist das Team von Flip Saunders solide, ein echter Anführer fehlt den Wolves aber.

Das folgende Trio wird seinen Fans schlaflose Nächte bereiten und zumindest eine Franchise ist diesen Kummer nicht gewöhnt.

Die Los Angeles Lakers leiden weiter unter Kobe Bryants Monstervertrag und können neben dem Superstar nur Einäugige oder Rentner bezahlen.

Steve Nash fällt mit Rückenproblemen die komplette Saison aus und mutiert zum Dollar-Grab. Jeremy Lin sollte schleunigst an seiner Defense arbeiten, denn sonst frisst in die "Mamba" zum Frühstück - gleiches gilt für Carlos Boozer.

Rookie Julius Randle wird schlicht und ergreifend keine Bälle sehen, der Rest der Lakers ist unterirdisch.

Die Utah Jazz werden in der kommenden Spielzeit viel Lehrgeld bezahlen, haben aber zumindest einen Kader für die Zukunft.

Sacramento setzt einmal mehr alles auf eine Karte und legt sein Schicksal in die Hände von DeMarcus "Boogie" Cousins. Alle Verantwortlichen der Kings hoffen auf den Weltmeister-Effekt beim Big Man - ob und wie er sich dann zeigen wird ist die große Unbekannte in Sacramento.

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