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München - Bei den Knicks kämpfen Rookie-Coach Derek Fisher und Präsident Phil Jackson mit der Abwehr-Allergie. Melo wirkt aber gereift.

Offense gewinnt Spiele, Defense Meisterschaften.

Die New York Knicks wären in dieser NBA-Spielzeit schon froh, wenn ihnen ihre Defense ein paar Siege einbringen würde.

Denn eines ist schon vor dem Saisonstart relativ klar: ein New York Knickerbocker wird in diesem Jahr eher nicht im All Defensive Team der NBA landen (Alles zur NBA auch bei SPORT1 im Free TV - Do. 18 Uhr "Inside US Sports").

Kollaps gegen die Bucks

Zu groß ist die Ansammlung offensiv orientierter Spieler, zu heftig die Abneigung gegen ordentliche Verteidigung.

Bestes Beispiel ist das letzte Preseason-Spiel gegen die Grünschnabel-Truppe aus Milwaukee.

Zu Beginn des letzten Viertels liegen Carmelo Anthony und seine Knicks mit 93:94 hinten.

Es ist eine offene Partie, aber New York kommt ohne seine verletzten Leistungsträger Jose Calderon und Andrea Bargnani gut zu recht.

Die Triangle Offense sickert langsam ins Bewusstsein der Spieler, doch in der Defense herrscht zu oft Chaos.

Fisher und Jackson gefordert

Gefährliche Dreierschützen werden frei stehen gelassen, der Weg in die Zone ist für Milwaukee ein Spaziergang wie auf dem roten Teppich.

Und so kassieren die Knicks dank eines 14:26-Viertels am Ende doch eine 107:120-Pleite im heimischen Madison Square Garden.

Es dürfte nicht der letzte Defense-Kollaps der Knicks gewesen sein.

Rookie-Coach Derek Fisher und Präsident Phil Jackson müssen in solchen Situationen die Zähne zusammenbeißen, schließlich haben sich die beiden Ex-Knicks in ihrer aktiven Karriere primär über die Defense definiert.

Paradoxerweise spiegelt sich das Defense-Mantra nicht im aktuellen Kader wieder.

Sehr kleiner Handlungsspielraum

Durch Melos Vertragsverlängerung (5 Jahre, 122 Millionen Dollar) und die Hammergehälter von Amar'e Stoudemire (23,4 Millionen) und Bargnani (11,5 Millionen) besaßen die Knicks einen sehr eingeschränkten Handlungsrahmen.

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Jose Calderon, Samuel Dalembert, Quincy Acy, Shane Larkin, Jason Smith, Travis Outlaw plus die Rookies Travis Wear und Langston Galloway lassen die anspruchsvollen Fans im Big Apple nicht gerade ohnmächtig werden vor Ekstase.

Einzig "Cookie Monster" Acy und Dalembert sind zumindest ordentliche Verteidiger, die aber auch nicht alle Löcher der Defense-Verweigerer J.R. Smith, Bargnani, Anthony stopfen können.

Defense-Rotation noch mangelhaft

Hinzu kommt, dass mit Calderon und Pablo Prigioni oft ein in die Jahre gekommener Point Guard die Fäden in der komplexen Triangle Offense ziehen muss.

Die Hilfe der Kollegen ist also noch mehr gefordert, und sollten die Rotationen wie in der Preseason weiterhin zu spät erfolgen, sind Foulprobleme oder einfache Punkte für den Gegner programmiert.

Es liegt also viel Arbeit vor Fisher, der zwar als Spieler 18 Jahre Erfahrung und fünf Titel vorweisen kann, sich seine Meriten als Head Coach aber erst noch verdienen muss.

Und so wird Fisher gerade am Anfang mit der Frage leben müssen: Wer coacht das Team wirklich? Fisher oder Jackson?

Glanzzeit der Knicks

Der Zen-Meister hat als Trainer der Bulls und Lakers elf NBA-Titel gewonnen und als Spieler die goldenen Jahre der Knickerbockers erlebt.

Jackson holte 1973 an der Seite von Walt Frazier, Willis Reed und Earl "The Pearl" Monroe eine von zwei NBA-Meisterschaften der New Yorker, beim Titelgewinn 1970 fehlte Jackson mit einer schweren Rückenverletzung.

Einer, der das Team neben Anthony anführen könnte, ist Routinier Stoudemire.

"STATS" ist nach eigenen Angaben "so fit wie schon lange nicht mehr" und "hat wieder Spaß am Basketball".

Einen maßgeblichen Anteil daran sollen die etwas skurril anmutenden Weinbäder (News) haben, doch am Ende wird Coach Fisher wohl nach dem Motto leben: der Zweck heiligt die Mittel.

Ego wird hinten angestellt

Vinotherapie hin oder her, am Ende des Tages dreht sich die Welt der Knicks ums zwei Dinge: Stabilität in der Defense und die Laune Melos.

Stand jetzt will sich Anthony in den Dienst der Mannschaft stellen. "Im neuen System muss ich nicht mehr jeden Wurf nehmen, das Spiel kommt ganz von selbst zu mir", erklärt Melo die Offense: "Ich werde immer ein Scorer sein, aber es müssen nicht mehr jeden Abend 30 Punkte sein."

Klingt nach einem weise gewordenen Superstar, der zuerst an das Team denkt.

Sollten aber gleich zu Anfang der Saison die Siege ausbleiben, kann sich die Einstellung Melos ganz schnell wieder ändern.

Damit das nicht passiert, müssen Fisher und Jackson den Knicks aber erst mal ihr Defense-Mantra einimpfen.

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