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Der amerikanische Superstar James Harden (r.) spielt seit 2012 in Houston

Von Florian Pertsch

München - Lakers, 76ers, Celtics und Jazz - eher Opfer statt Gegner.

Die Houston Rockets fegten über das Quartett hinweg und starteten mit vier Siegen in Serie in die Saison.

Aber was ist der Auftakt wert, sind die Texaner wirklich so gut? (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM)

Gut geölte Maschine

Nach dem fünften Sieg - diesmal mit 108:91 über Vizemeister Miami - gibt es eine erste valide Antwort auf die Frage.

Die Rockets stehen zu Recht an der Spitze der Western Conference, die Rädchen in Texas greifen perfekt ineinander. Und wieder einmal zeigt sich, dass Houstons General Manager Daryl Morey ein ziemlich ausgefuchster Hund ist.

In der Offseason schickte der Statistik-Fanatiker Center Ömer Asik und Small Forward Chandler Parsons nach New Orleans respektive Dallas, das Werben um Knicks-Star Carmelo Anthony lief ins Leere.

Stattdessen bekam Head Coach Kevin McHale einen bunten Strauß Dreierschützen in allen Größen und Altersklassen für seine Raketen.

Routinier Jason Terry, Dirk Nowtzkis Ex-Teamkollege und NBA-Champion 2011, Rookie Nick Johnson und Euro-Import Kostas Papanikolaou erfüllen Moreys Anforderungen und enttäuschen bislang nicht.

Ariza wischt Zweifel weg

Der vierte Zugang aber sorgt in Houston für ein zufriedenes Dauergrinsen: Trevor Ariza. (Alles zur NBA auch bei SPORT1 im Free TV - Do. 18 Uhr "Inside US Sports").

Sechs Klubs in elf Jahren, der Small Forward hat viel gesehen und ist bereits zum zweiten Mal in Houston.

Nach der sensationellen Saison mit den Washington Wizards 2013/14 zog es den 29-Jährigen wieder nach Texas (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Morey stattete Free Agent Ariza mit einem Vier-Jahres-Vertrag über 32 Millionen Dollar aus und schnell kamen die Fragen auf:

Hat sich der clevere Salary-Cap-Jongleur diesmal verzockt? War die außerordentliche Dreierquote (40,5 Prozent) nur eine Ausnahme?

60 Prozent der Würfe

Nach den ersten fünf Spielen steht Morey als Genie da. Ariza trifft bei durchschnittlich sieben Versuchen pro Spiel 60 Prozent seiner Würfe und hat mit 17,6 Zählern die beste Punktausbeute seiner Karriere.

"Ich denke gar nicht groß darüber nach", meint er über seinen Lauf: "Ich arbeite einfach jeden Tag hart an mir, alles andere zählt für mich nicht."

Coach McHale sieht aber noch mehr in ihm: "Er hatte gegen Miami auch sieben Assists, bewegt also auch den Ball sehr gut für uns."

Um das Sorglospaket abzurunden, nahm Ariza zuletzt Heat-Star Dwyane Wade aus dem Spiel. Er stellt nunmehr an der Seite von Center Dwight Howard und James Harden die aktuell drittbeste Verteidigung (91,4 zugelassene Punkte) der Liga.

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Das Moreysche Konzept

Hinten nichts zulassen und vorne gnadenlos das Moreysche Konzept ausspielen. Leicht überspitzt zusammengefasst: Dunking oder Dreier.

Harden, der nach seinem WM-Titel in der Defense verbessert wirkt, ist der Kreativposten im Kosmos der Rockets, "Superman" Howard lauert unter dem Korb und ansonsten machen es sich die Schützen auf ihren Lieblingspositionen bequem.

Diese hochexplosive Mischung führt in den ersten Partien zu 105,6 Punkten pro Spiel, im Schnitt erzielt Houston 14,5 Punkte mehr als der Gegner.

Nüchtern und unbeirrt

Stoiker McHale bleibt trotz des großen Hypes um sein Team gelassen und wehrt Fragen, ob die Liga die Entwicklung in Houston verschlafen habe, nach dem Spiel in Miami locker ab. (

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"Ich gehe in 45 Minuten ins Bett, das ist der einzige Schlaf, um den ich mich gerade kümmere", sagte die Celtics-Legende der Presse: "Es interessiert mich nicht, was andere Leute denken. Als ich noch gespielt habe, was hat es mich da interessiert, was ihr gedacht habt. Für mich ist nur wichtig, was in meiner Umkleide mit meiner Mannschaft passiert."

Diese Geisteshaltung ist auch bei Harden und Co. angekommen. Unbeirrt nach vorn und hinten dicht machen.

Liga ist gewarnt

"Meine Teamkollegen und ich sind mit sehr viel Selbstvertrauen ins Spiel gegangen", schilderte Harden. "Als Miami im letzten Viertel herankam, hat das Team toll reagiert. Die Defense war stark und wir haben die Schüsse bekommen, die wir wollten."

Nach den fünf Siegen, vier davon in fremder Halle, haben die Rockets also bereits für eine überrascht hochgezogene Augenbraue gesorgt.

Miami als erster Härtetest lief vielversprechend, und wenn die beiden nächsten Heimspiele gegen Meister San Antonio und Golden State ebenfalls gewonnen werden, dann dürfte die Liga hellwach und alarmiert sein. Spätestens dann.

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