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Marc Gasol (l.) und die Memphis Grizzlies mischen die Liga auf

Toronto und Memphis dominieren die NBA mit einem alternativen Ansatz. Teamchemie und Nachhaltigkeit statt Stars und Neuaufbau.

Von Florian Pertsch

München - Spitzenspiel in der NBA.

Kamerateams ohne Ende und Journalisten in heller Aufruhr.

Was nach Meister San Antonio Spurs zu Gast bei Superstar LeBron James und seine Cleveland Cavaliers klingt, spielt sich nach gut einem Achtel der NBA-Saison ganz woanders ab.

Denn der Mittelpunkt der NBA liegt derzeit in Toronto, respektive Memphis (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Die beiden Underdogs dominieren die Eastern und Western Conference und überraschen damit die ganze Liga.

Denn vor der Saison waren sich die Experten einig: Die Toronto Raptors und Memphis Grizzlies sind nicht schlecht, aber für einen Spitzenplatz dürfte es in Ost und West nicht reichen.

Weder das Team aus Kanada noch die Mini-Franchise aus "Elvis-Town" konnten vor der Spielzeit namhafte Spieler verpflichten und mussten zusehen, wie der Rest der Liga fleißig aufrüstete.

Vor allem Toronto schien von den neuen und alten Großmächten des Ostens in die Enge getrieben (Alles zur NBA auch bei SPORT1 im Free TV - Do. 18 Uhr "Inside US Sports").

Cleveland sicherte sich LeBron James und Kevin Love, Chicago schnappte sich Pau Gasol aus Los Angeles als Unterstützung für den widergenesenen Derrick Rose.

Und in Toronto? General Manager Masai Ujiri konzentrierte sich lieber darauf, seinen Kader zusammenzuhalten (

).

Kyle Lowry erhielt einen Vier-Jahres-Vertrag über 46 Millionen Dollar, Jonas Valanciunas, DeMar DeRozan und Terrence Ross werden ebenfalls für die nächsten Jahre in Kanada die Schuhe schnüren.

Ähnlich verlief die Sommerpause auch am mächtigen Mississippi.

Die großen Spieler machten auch vor der Saison 2014/15 einen großen Bogen um Memphis und so erhob der neue GM Chris Wallace die Not zur Tugend.

Die verschworene Grizzlies-Truppe um Center Marc Gasol, Big Man Zach Randolph und Point Guard Mike Conley rückte noch enger zusammen und setzt mehr denn je auf knallharte Verteidigung und schnörkellosen Basketball.

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Dass die Politik der ruhigen Hand sehr wohl zum Erfolg führen kann, zeigt der Saisonauftakt.

Toronto hat neun seiner elf Spiele gewonnen, und erzielt im Schnitt 9,1 Punkte (105,1 zu 96) mehr als der Gegner (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

In Memphis kann Head Coach David Joerger die überschaubare Punktausbeute (97,9) des Angriffs verkraften, denn die Grizzlies stellen die zweitbeste Defensive (91,8) der Liga.

Das Verteidigung nicht langweilig und abschreckend wirkt, beweist eine Umfrage von "USA Today" bei der Memphis zum attraktivsten NBA-Standort aus Fan-Perspektive gewählt wurde.

Was für die Fans in Memphis die beliebte Ausgehmeile "Beale Street" ist, machen die Raptors mit geschicktem Marketing wieder wett.

Unter Ujiri wurde die Kampagne "We the North" ins Leben gerufen, die bei den Anhängern in Toronto mehr als gut ankommt.

Pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum des Klubs steigt die Beliebtheit in der Eishockey-Metropole Toronto in ungekannte Höhen und lockt zunehmend Stars und Sternchen auf Courtside-Plätze im Air Canada Centre.

Rapper Drake war während der vergangenen Saison mit den knackigen Playoff-Duellen gegen Brooklyn Stammgast in der ersten Reihe, neuerdings gesellt sich auch Tennis-Beauty Genie Bouchard dazu.

Mittwoch kam es dann in Kanada zum Duell der Überraschungsteams, doch leider wurde es ein Kräftemessen unter ungleichen Voraussetzungen.

 

Memphis, durch einen Magen-Darm-Virus erheblich geschwächt, musste sich mit 92:96 geschlagen geben.

Am 21. Januar kommt es zur Revanche im FedEx Forum, ob es dann erneut ein Duell der Tabellenführer wird, bleibt abzuwarten.

Eine erste Erkenntnis lässt sich aber dennoch aus dem guten Saisonstart der beiden Teams ziehen.

Es müssen nicht immer die ganz großen Superstars sein, die den Erfolg bringen.

Auch mit Teamchemie und kontinuierlicher Kaderplanung lässt es sich in den NBA-Nischen in Ost und West ganz erfolgreich leben.

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