München und Dallas - Die Dallas Mavericks vermöbeln L.A., Dirk Nowitzki glänzt als eiskalter Teilzeitarbeiter. Kobe Bryant zieht die Lakers runter.

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140 Punkte! Das hat gesessen.

Mit einer grandiosen Offensivleistung haben die Dallas Mavericks von Dirk Nowitzki in der NBA Kobe Bryant und seine Los Angeles Lakers mit 140:106 (68:59) aus dem American Airlines Center geschossen und beim sechsten Sieg in Serie erneut Bestmarken purzeln lassen.

Nicht nur, dass sich die Mavs zur höchste Punktausbeute seit dem 140:116 gegen die Phoenix Suns am 5. April 2009 schossen, auch 62 Prozent Wurfquote und 37 Assists waren neue Saisonbestleistungen.

Und während die Ersatzspieler der Mavs im letzten Viertel die Reste der Lakers vom Feld fegten, durfte Nowitzki und die restlichen Starter das Schauspiel von der Bank aus verfolgen und sich für den Texas-Showdown gegen die Houston Rockets schonen.

Nowitzki gnadenlos effektiv

Gerade der Deutsche, den sie in den USA "The Work" nennen, hatte seine Arbeit schon vorher verrichtet - und das gnadenlos effektiv.

23 Punkte in 21 Minuten, 80 Prozent aus dem Feld, 100 Prozent von der Dreierlinie, fünf von sechs Freiwürfen verwandelt: Aus der immer besser funktionierenden Offensive von Coach Rick Carlisle ragte der 36 Jahre alte Nowitzki ebenso heraus wie Monta Ellis, der neben seinen 20 Punkten von 10 Assists servierte.

Mit perfektem Teamplay fand das beste Offensiv-Team der Liga (108,9 Punkte im Schnitt) immer wieder den noch besseren Wurf und ließ 18 Dreier regnen.

"Oh Mann, sie haben echt einen Haufen Schützen", lamentierte Bryant und schob martialisch nach: "Das war wie ein Blitzkrieg."

Die Lakers dagegen agierten hilflos und untermauerten eindrucksvoll, warum in LaLa-Land mit 112,5 erlaubten Punkten das All-you-can-score-Buffet jeden Abend geöffnet hat.

Unschön natürlich, wenn mit Dallas dann ein Team als Gegner auf dem Parkett steht, das gegen die Philadelphia 76ers (123:70) oder die Minnesota Timberwolves (131:117) seine Colts schon ordentlich hat rauchen lassen.

Sieben Punkte in 5,9 Sekunden

Wie bitter der Abend für die Lakers laufen sollte, zeigten die letzten Sekunden des 1. Viertels.

Zwei verwandelte Freiwürfe von Dirk Nowitzki, danach schmeißt Lakers-Backup-Center Robert Sacre Jae Crowder den Ball beim Einwurf direkt in die Hände, foult den Mavs-Forward beim erfolgreichen Korbleger auch noch, den verworfenen Bonusfreiwurf tippt Richard Jefferson raus zu JJ Barea, der mit der Sirene von der Dreierlinie zum 38:27 für Dallas einnetzt.

Ganze 5,9 Sekunden sind dabei von der Uhr gelaufen, die Mavs machen sieben Punkte und der Wille der Lakers ist da eigentlich schon gebrochen.

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Bryant zieht die Lakers runter

Während bei den Mavs dank Teamplay acht Spieler zweistellig punkteten, lief bei den Lakers und der Kobe-Show wenig bis nichts.

Der alternde Superstar verfehlte seine ersten acht Würfe aus dem Feld, schoss insgesamt nur 6 von 22 - der Rest seines Teams dagegen starke 60,3 Prozent.

Trotz ordentlicher sieben Assists suchte die "Black Mamba" gegen die starke Defense von Dallas' Neuzugang Chandler Parsons zu oft den schwierigen Wurf am Mann. Ein Umstand, der dem 36-Jährigen nicht erst seit gestern vorgeworfen wurde.

Parsons dagegen verdiente sich ein Sonderlob von Coach Carlisle. "Er war sehr fokussiert, hat den Ball gut bewegt und großartige Defense gespielt und Kobe aus dem Konzept gebracht", sagte er den "Dallas Morning News".

Mit 20 Punkten war der Kobe-Stopper auch noch zweitbester Werfer der Mavs. Bryant sammelte dennoch 17 ein, Topscorer des gestürzten Ex-Meisters war aber Jeremy Lin mit 18 Punkten. Arbeitstier Jordan Hill legte mit 16 Zählern und zehn Rebounds ein Double-Double auf.

Deutlichster Sieg seit dem Meister-Sweep

Die Lakers durften zur Halbzeit noch einmal leise hoffen, nachdem sie das 2. Viertel sogar mit 32:30 gewannen ? diese Hoffnung wurde nach der Pause aber krachend zerschmettert.

Mit 42 Zählern allein im 3. Viertel rauschten die Mavs L.A. davon und schalteten danach in den Autopilot zum vierten Sieg gegen die Lakers in Folge.

Passenderweise war es der deutlichste Triumph seit dem 122:86 im 4. Spiel der Playoff-Serie 2011, mit dem Dallas auf dem Weg zum Meistertitel den 4:0-Sweep perfekt machte.

Revanche für Parsons

Dallas verbessert durch den Sieg in Serie seine Bilanz auf zehn Siege bei drei Niederlagen und festigt Platz 3 in der Western Conference.

L.A. (3:10) bleibt dagegen als Vorletzter tief im Keller und nur dank einer Pleite weniger vor den Oklahoma City Thunder.

Für die Mavs geht es nun gegen die Rockets, das Ex-Team von Parsons, welches den Forward im Sommer bereitwillig ziehen ließ.

"Es wird sicher emotional", blickte der 26-Jährige voraus und konnte sich einen Seitenhieb auf seine Ex-Kollegen James Harden und Dwight Howard, die sich eher gleichgültig zum Verlust des Flügelspielers geäußert hatten, nicht verkneifen: "Ich komme mit großartigen Teamkollegen dort hin und wir haben einen echten Lauf."

Nachdem bei Houston Defensiv-Anker Howard mit Knieprobleme höchstwahrscheinlich ausfällt und weit und breit kein auch nur annähernd adäquater Ersatz bereitsteht, ist die Bühne bereit für Dallas' nächstes Offensivfeuerwerk und eine spektakuläre Revanche für Parsons.

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