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James, Love und Irving verdienen in dieser Saison zusammen ca. 44 Millionen Dollar

James und Cleveland stecken vor dem Washington-Spiel in der Krise. Die Probleme sind vielfältig und erinnern an "Miami Thrice".

Kraft ist nichts ohne Kontrolle.

Wer die Pferdestärken nicht auf die Straße bekommt, der kommt nicht vom Fleck.

Und sollte es doch mal nach vorne gehen, ist ohne Bremse der Crash vorprogrammiert (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Was wie das rudimentäre Einmaleins für angehende Autoingenieure im ersten Semester klingt, ist auch auf ein Basketball-Team anzuwenden.

Die Cleveland Cavaliers verfügen in dieser Saison mit LeBron James, Kevin Love und Kyrie Irving über Offensivpower ohne Ende ? mehr als durchdrehende Reifen und viel Rauch bringen die Cavs aber oft nicht zustande.

Erschwert wir die Mission "Titel für Cleveland" beim großen Favoriten der Eastern Conference durch eine lausige Defense (Alles zur NBA auch bei SPORT1 im Free TV - Do. 18 Uhr "Inside US Sports").

In der Endabrechnung bedeutet das für das Starensemble der Cavaliers nur sechs Siege aus 13 Spielen, Platz sieben im Osten.

Was läuft also falsch bei der neuesten NBA-Variante des Big-3-Modells?

Dass wohl eklatanteste Problem, das die Cavs vor dem nächsten Spiel gegen die Washington Wizards (1 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und LIVESTREAM) haben, ist die Verteidigung.

Cleveland lässt im Schnitt 100,5 Punkte zu und befindet sich damit im unteren Drittel der Liga.

Der Wert ist nicht berauschend, doch mit einem Trio wie James, Irving und Love sollte es theoretisch eigentlich möglich sein, diesen Wert zu überbieten.

"Wir sind eine sehr zerbrechliche Mannschaft"

Doch wie heißt es schön: Grau ist alle Theorie.

Eine zweite Statistik erklärt warum. Die Cavs gestatten dem Gegner um den Korb herum eine Wurfquote von 65,3 Prozent ? der zweitschlechteste Wert in der Liga.

"Wir sind eine sehr zerbrechliche Mannschaft, das waren wir vom ersten Tag an", erklärte James nach der Pleite gegen Toronto: "Jeder noch so kleine Widerstand lässt uns zerbrechen."

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Und dieser Defense-Knacks setzt sich rasend schnell in die Offense fort.

Denn dadurch wird Cleveland einer seiner größten Waffen beraubt: dem Fastbreak.

Keine Outlet-Pässe in Lichtgeschwindigkeit durch Love, heißt keine leichten Punkte für LBJ und Irving, heißt Setplay und die Gewöhnung an das neue System von Rookie-Coach David Blatt.

Ab hier geht es auf die Meta-Ebene eines Basketball-Teams 

Denn die großen Drei sollen im "Read and React"-System des erfahrenen Euroleague-Trainers ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten beim Passspiel und Scoren relativ frei auf dem Feld anwenden.

Doch wie das eben so ist ? und Kobe Bryant kann ich Los Angeles ein wenig aufatmen ? ohne Vertrauen bringt so eine Offense nichts.

Love könnte als einer der vielseitigsten Big Man der Liga als Dreh und Angelpunkt des Angriffs dienen, bekommt aber von Irving und James zu selten den Ball.

Stattdessen nimmt das Duo oft schwere Würfe und bringt die Offense zum Kollabieren.

Zusätzlich ist es für Point Guard Irving eine große Umstellung, dass er nicht mehr der alleinige Chef auf dem Feld ist.

Oft bringt LBJ selbst den Ball, wie er es in Miami auch gemacht hat. Das ist für Irvings Rollenverständnis vorerst schwer zu schlucken ? und auch Love hat an der Situation zu knabbern.

Der Ex-Timberwolve bekommt in dieser Saison durchschnittlich sechs Würfe weniger, 16,2 statt 26,1 Punkte springen für ihn aktuell heraus.

Dass mit drei All-Stars die Zahlen runtergehen, dürfte aber hoffentlich jedem Mitglied des Trios klargewesen sein.

Jetzt kommt es auf Blatt an, der seinen Ausnahmespielern diesen einen essentiellen Gedanken einpflanzen muss.

Den eigenen Erfolg für das große Ganze zurückstellen.

Doc Rivers gelang dies in Boston mit Kevin Garnett, Paul Pierce und Ray Allen. Damals wurde der "Ubuntu"-Mythos geboren.

Respekt, Uneigennützigkeit, Teilen und Gemeinschaft stehen über allem und brachten den Celtics 2008 den Titel.

Für "King James" ist die Situation in Cleveland nicht wirklich neu, bereits 2010 musste er in Miami mit Chris Bosh und Dwyane Wade eine harte Eingewöhnungsphase durchleben.

"Ich habe das in Miami alles schon erlebt. Ich bin nicht besorgt", erklärte James gebetsmühlenartig nach den ersten Pleiten: "Das ist keine schwarze Phase für uns. Ich habe schwarze Phasen erlebt und für mich sieht das hier gerade sehr positiv aus."

In Miami mündeten die Startschwierigkeiten (9 Siege, 8 Niederlagen) in vier Finals-Teilnahmen in Folge und zwei Meisterschaften.

Ob Cleveland ähnlich erfolgreich sein kann wird sich zeigen, denn in Miami hatten die erfahrenen Bosh und Wade irgendwann verstanden, worauf es ankommt.

Dieser Schritt könnte Irving (22) und Love (26) etwas länger dauern.

Was ist also drin für die Cavs in ihrer ersten Saison?

Eine gute Platzierung für die Playoffs wird trotz aller Startschwierigkeiten kein Problem sein, doch sollte Cleveland die Defense und die Rollenverteilung nicht in den Griff bekommen, gibt es gegen ein gestandenes Team aus dem Westen in den Finals nichts zu holen.

Und ob die Big 3 dann ein weiteres Jahr existieren, wird sich zeigen.

Schließlich haben James und Love eine spielerseitige Ausstiegsklausel für die kommende Saison.

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