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Kobe Bryant-Dirk Nowitzki-Carlos Boozer-All-Star Game 2008-Kabine
2008 liefen Carlos Boozer (r.), Kobe Bryant (l.) und Dirk Nowitzki zusammen im All-Star Game auf © getty

München und Los Angeles - Lakers-Center Carlos Boozer spricht mit SPORT1 über Kobe Bryant, seine Verbindung zu Deutschland und ein Essen mit Dirk Nowitzki.

Von Alisha Pälmke

Und plötzlich war Schluss.

Im Sommer entließen die Chicago Bulls Carlos Boozer mit Hilfe der sogenannten Amnestie-Klausel. Von 2010 bis Juli 2014 stand der am 20. November 33 Jahre alt gewordene beim sechsmaligen NBA-Champion unter Vertrag (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

"Das war ziemlich hart für mich", gibt der in Aschaffenburg geborene US-Amerikaner im Interview mit SPORT1 zu. Inzwischen ist das Thema "für mich aber auch zu".

Denn: Der einst so große Rivale Los Angeles Lakers hat zugeschlagen. Boozer spielt jetzt an der Westküste.

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Mit Dirk Nowitzki war er auch schon Schnitzel essen. "Ich bewundere ihn sehr", sagt Boozer über den Deutschen. Im SPORT1-Interview spricht der Center über seine Verbindung zu Deutschland, die Zusammenarbeit mit Legende Kobe Bryant und Vorbilder.

SPORT1: Mister Boozer, Sie sind in Deutschland geboren. Haben Sie eigentlich noch Kontakt nach Deutschland?

Carlos Boozer: Nein, ich kenne dort keinen mehr, ich war ja auch erst acht Monate alt. Aber als ich 2004 in Köln gegen Deutschland spielen durfte, bin ich in Restaurants gegangen und habe Wiener Schnitzel gegessen. Dirk Nowitzki, der damals im deutschen Team war, hat Tim Duncan, Gregg Popovich und mir diese Läden gezeigt. Das war cool.

SPORT1: Hat es geschmeckt?

Boozer: Oh ja, sehr! Mein Vater ist vor kurzem 60 Jahre alt geworden. Mein Koch hat ihm dann ein paar Wiener Schnitzel gemacht. Deutsches Bier haben wir auch getrunken. Oder ist Heineken kein deutsches Bier?

SPORT1: Nein, das ist aus den Niederlanden.

Boozer: Oh. Egal, es hat uns trotzdem geschmeckt.

SPORT1: Haben Sie sich von Dirk Nowitzki etwas abgeschaut, als Sie 2002 in die NBA kamen?

Boozer: Dirk ist ein großartiger Spieler. Er ist einer der besten Basketballer aller Zeiten. Er hat eine beeindruckende Arbeits-Einstellung und ist schon ewig dabei - und trotzdem spielt er richtig gut. Ich bewundere ihn sehr.

SPORT1: Wer waren sonst Ihre Vorbilder in der NBA?

Boozer: Im College war ich ein riesiger Fan von Kobe und Shaq (O' Neal, Anm. d. Red.). Mein Vater hat in den 80ern Magic Johnson und Byron Scott bewundert.

SPORT1: Sie haben Ihren Traum von einer Basketball-Karriere in Alaska begonnen. Dort spielten sie zuerst auf einem Platz, der eher ungewöhnlich war.

Boozer: Es war alles ein wenig anders dort. Es gab ein Fitnesscenter, aber da durfte ich nicht rein, weil ich neun oder zehn Jahre alt war. Mein Vater hat dann eine Grundschule gefunden, in der im Hinterhof ein geschützter Bereich zum Basketballspielen war. Die Seiten waren allerdings offen, Wind und Schnee peitschten über das Feld. Noch dazu hat meine Mutter sehr darauf geachtet, dass ich meine Hausaufgaben mache. Sie sagte immer: 'Bevor du irgendetwas machst, machst du deine Hausaufgaben!' Also, ab nach Hause, Hausaufgaben, und dann sind mein Vater und ich zur Schule. Da haben wir erst den Schnee vom Platz geschippt. Dann hat mich mein Vater trainiert. Werfen, dribbeln, rennen, Tricks. Ich erzähle jedem, wie viel Glück ich hatte, dass meine Eltern mich meinen Traum verfolgen ließen. Wenn du das Vertrauen und die Unterstützung von Mutter und Vater nicht hast, wird es schwer. Egal, wer du bist und was du tust: Du erreichst nichts alleine. Du brauchst Leute, die an dich glauben und dir helfen.

SPORT1: Jetzt sind Sie in Los Angeles. Wie ist die Stimmung im Team aufgrund der aktuell schlechten sportlichen Situation?

Boozer: Meine gesamte NBA-Karriere habe ich gegen diese Mannschaft gespielt, jetzt bin ich ein Teil dieses Mythos. Das macht mich stolz. Es ist ein hartes Jahr. Wir hatten einige Verletzungssorgen, vor allem in der Vorbereitung. Julius (Randle, Anm. d. Red.) verletzte sich gleich im ersten Saisonspiele so schwer, dass er das gesamte Jahr ausfällt. Swaggy P. (Nick Young) hat die ersten Partien gefehlt. Xavier (Henry) hat sich vor kurzem die Achillessehne gerissen, Steve Nash fehlt die komplette Saison. Man darf auch nicht vergessen, dass Waynes (Ellington) Vater getötet wurde. Die Stimmung im Team ging rauf und runter, wir mussten in der kurzen Zeit schon viel verarbeiten - und die Stimmung ist so wichtig in der NBA. Aber die besseren Tage liegen noch vor uns. Für Nash springt jetzt eben Jeremy (Lin) ein und wir harmonieren immer besser.

SPORT1: Liegt deswegen noch mehr Druck auf Superstar Kobe Bryant?

Boozer: Auf jeden Fall, immerhin ist das sein Team. Er ist unser Anführer. Ich verstehe nicht, warum die Medien ihn so kritisieren und schreiben, er nehme sich zu viele Würfe. Wissen Sie, Kobe ist ein Shooter. Er punktet seine gesamte Karriere durch. Einmal hat er 81 Punkte gemacht. Er will immer gewinnen. Das tolle an Kobe ist, dass er uns immer mehr vertraut und uns mehr ins Spiel miteinbezieht. Wir wachsen - sogar Kobe. Er mag Druck, ich mag Druck. Wir kommen mit dieser Situation klar.

SPORT1: Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zu Bryant?

Boozer: Ich kenne Kobe schon sehr lange, er ist seit zehn Jahren so etwas wie mein großer Bruder. Wir haben schon lange, bevor ich zu den Lakers kam, über Basketball gesprochen. Er will allen beweisen, dass er der Beste ist. Beeindruckend ist auch, was für einen hohen Basketball-IQ er hat. Und er ist so erfahren, er hat so viele Titel gewonnen. Er sieht das Spiel fast aus einer Lehrer-Perspektive. Alles, was Kobe sieht, sieht er aus einer Champions-Perspektive. Deswegen hören wir ihm alle zu. Er ist wie ein Mentor und kann uns Erfahrungen weitergegeben wie kein Zweiter. Denn er war schon auf dem Gipfel - da, wo wir hinwollen.

SPORT1: Sehen Sie Veränderungen in seinem Spiel?

Boozer: Als ich in der NBA angefangen habe, hat er gedribbelt, gedribbelt, gedribbelt, ist an dir vorbeigegangen, hat über die hinweg gedunkt. Jetzt ist der Jump Shot seine stärkste Waffe, seine Beinarbeit ist überragend. Er ist trotz seiner 36 Jahre sehr athletisch, weil er noch mehr seinen Kopf einsetzt, noch mehr Wurftäuschungen benutzt. Als Distanzschütze ist er für uns sehr wertvoll, weil wir davon gar nicht so viele haben. Was uns besonders hilft, ist seine Fähigkeit, sich für uns aufzuopfern. Wenn er die Defensive auf sich zieht, passt er immer häufiger zum freien Mann. Das bringt uns auf das nächste Level.

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