München - Der Wechsel von Rajon Rondo zu den Dallas Mavericks bringt Dirk Nowitzki dem zweiten Titel näher. Doch der Trade birgt Risiken.

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Es ist ein sportliches Erdbeben, das die Dallas Mavericks in der NBA ausgelöst haben.

Rajon Rondo kehrt seinen Boston Celtics nach über acht Jahren den Rücken und verstärkt ab sofort die Mannschaft um Dirk Nowitzki.

Der vielleicht beste Korbvorbereiter der Liga stößt zu ihrem ohnehin schon angriffslustigsten Team (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Für Dallas könnte der Coup der entscheidende Schritt vom Playoff-Team zum Titelaspiranten werden. Doch der Trade-Hammer birgt auch Risiken.

Rondo: "Etwas Besonderes aufbauen"

"Ich freue mich darauf, in Dallas etwas Besonderes aufzubauen", sagte Rondo zu seiner neuen Aufgabe. Und auch Dallas-Forward Chandler Parsons ist begeistert: "Einen Kerl wie Rondo zu bekommen ist unglaublich."

Die Vorfreude ist verständlich: Der drahtige 28-Jährige aus Louisville, Kentucky hat sich in acht Jahren bei den Celtics als Meisterspielmacher erwiesen.

Ein spielintelligenter Besessener

Gedraftet an Position 21 und als Ersatzguard eingeplant - Rondo galt auf dem College als schwieriger, weil überehrgeiziger Charakter - wurde der gezähmte Besessene in Boston zur prägenden Figur des Teams.

2008 holte er mit den Celtics den Titel. 2010 führte er sie in die Finals und 2012 in die Conference Finals (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Besonders seine Spielintelligenz und Antizipationsfähigkeit sind gefürchtet. "Wo andere addieren und subtrahieren, betreibt er Differenzialrechnung", pries ihn einst ein Radio-Experte.

Qualitäten, die die Mavericks in dieser Saison gut gebrauchen können. Bislang gingen alle direkten Duelle gegen besser platzierte Teams im Westen verloren. Kein gutes Omen für kommende Playoff-Serien.

Versprechen an Nowitzki

Der Rondo-Trade bekräftigt nun die Ansprüche in Texas. Gut ist nicht mehr gut genug. Und er ist die Einlösung eines Versprechens an Nowitzki.

Der verzichtete im Herbst seiner Karriere auf viel Geld, um Dallas den Aufbau eines Top-Teams um ihn herum zu ermöglichen. Mit der Verpflichtung des 28 Jahre alten Point Guards trägt das nun Früchte.

Auch auf dem Court wird Nowitzki profitieren. Denn dort hat er nun einen begnadeten Vorbereiter neben sich. 2012 und 2013 gelangen Rondo die meisten Assists der NBA. Selbst in dieser Saison, in der die komplett umgebauten Celtics nur aufgrund der Schwäche des Ostens mit bislang neun Siegen noch Playoff-Chancen haben, kommt er auf starke 10,8 Assists pro Spiel.

Gute Voraussetzungen also, um die noch immer klaffende Lücke nach Jason Kidds Abgang 2012 auszufüllen.

(Alles zur NBA auch bei SPORT1 im Free TV - Do. 18 Uhr "Inside US Sports")

Free Agency 2015 als Ansporn

Doch auch für die Defensive ist Rondo trotz seiner nur 1,85 Meter ein Gewinn. 2010 holte er die meisten Steals der NBA. Gemeinsam mit Monta Ellis stellt er bei Fast Breaks eine ungeheure Gefahr für gegnerische Teams dar.

Zudem ist Rondo nach dieser Saison Free Agent. Er spielt um einen neuen Vertrag und damit um viel Geld. Keine schlechten Voraussetzungen für Dallas: Selbst wenn sich Rondo als Missverständnis herausstellen sollte, wäre das im Sommer kurz und schmerzlos beendet.

Neuer Rhythmus bei Dallas?

Denn der Deal hat durchaus seine Risiken: Die Offense der Mavericks lief bislang wie geschmiert. Nowitzki und Ellis verstehen sich blind und stellen ihre Gegner mit Pick-and-Rolls immer wieder vor Probleme.

Mit Rondo ist Ellis zwar im Spielaufbau entlastet, allerdings erhält so das gesamte Angriffsspiel einen neuen, womöglich langsameren Rhythmus. Entscheidend wird sein, ob Ellis ohne Ball noch so wertvoll wie bisher ist. Geht das Experiment Rondo schief, berauben sich die Mavericks selbst ihrer größten Stärke.

Bei aller Klasse ist Rajon Rondo in seiner Spielweise limitiert: Mit dem viermaligen All-Star holt sich Dallas einen Wackelkandidaten beim Wurf in die Starting Five. Aus der Distanz ist Rondo harmlos, seine Freiwurfquote ist in dieser Saison mit 33 Prozent unterirdisch.

Wright-Abgang als Problem

Zudem verliert Dallas mit Trade-Masse Brandan Wright einen verlässlichen Vertreter für Tyson Chandler. Die Center-Position könnte so zur Achillesferse in einer langen Saison werden.

Gut möglich, dass Besitzer Mark Cuban noch einmal tätig wird und einen Backup-Center verpflichtet. Ein heißer Kandidat dafür ist Free Agent Jermaine O'Neal, mit dem die Mavericks laut Medienberichten schon Gespräche führen.

Trotz aller Risiken, Rondos Verpflichtung ist ein Fingerzeig. Schlägt er ein, könnten sich die Kräfteverhältnisse im Westen verschieben.

"Er kann den Unterschied ausmachen", lobte Parsons seinen neuen Teamkollegen: "In der Kombination mit unserem bisherigen System und unseren Spielern um ihn herum wird das etwas Besonderes."

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