München - Dirk Nowitzki überholt Moses Malone, doch der Würzburger will Titel statt Rekorde. Das Fundament dafür hat er selbst gelegt.

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Dirk Nowitzki zeigte sich einmal mehr als Meister des Understatements.

Eben noch eroberte er durch den letzten Korb im Spiel seiner Dallas Mavericks bei den Brooklyn Nets Rang sieben in der ewigen Scorer-Liste der NBA - mit nun insgesamt 27.412 Punkten überholte er Moses Malone.

Doch selbst in der Stunde dieses persönlichen Meilensteins dachte Nowitzki zunächst an andere: "Moses war ein unglaublicher Spieler. Es ist eine Ehre, all diese Größen zu überholen. Es ist eine Belohnung für harte Arbeit, aber auch für all meine großartigen Teamkollegen und Coaches."

Erfolg wichtiger als Rekorde

Wichtiger sei ihm allerdings die Erfolgsserie mit seinen mittlerweile seit sechs Spielen ungeschlagenen Mavericks.

"Im Moment jage ich vor allem Siege. Momentan macht das Gewinnen wieder Spaß. Für mich ist es wichtiger, dass wir ein gutes Team sind, das jeden Abend mithalten und gewinnen kann", so Nowitzki: "Alles andere ist im Nachhinein schön, wenn meine Karriere zu Ende ist."

Nun wartet Shaq

Dann könnte Nowitzki sogar der sechstbeste Scorer aller Zeiten sein. Zu Shaquille O'Neal fehlen ihm noch 1184 Punkte. Bei Nowitzkis aktuellem Punkteschnitt wäre Shaq in der kommenden Saison fällig.

Allerdings kommen von hinten gleichzeitig die Punktemonster LeBron James (derzeit 23.901 Punkte) und Kevin Durant (15.145) angerauscht.

Doch Nowitzki arbeitet ohnehin nicht auf individuelle Rekorde hin. Sein Ziel ist der zweite NBA-Titel nach 2011. Und dem ordnet er auch sich selbst unter (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Nowitzki als Teamplayer

Die Rolle als Top-Scorer bei Dallas vertraut Nowitzki inzwischen Monta Ellis oder Chandler Parsons an. Dafür lässt der Deutsche seine Mitspieler besser aussehen, schafft Räume und erleichtert so etwa Neuzugang Rajon Rondo den Einstieg.

"Es hat sich schon in der Vergangenheit gezeigt, dass Spieler nach Dallas kamen und mit Dirk Nowitzki einfach besser spielten, weil er für mehr Platz sorgt. Das zeigt sich auch hier", lobt Dallas-Coach Rick Carlisle den Einfluss des Routiniers (Alles zur NBA auch bei SPORT1 im Free TV - Do. 18 Uhr "Inside US Sports").

Cuban: Rondo-Trade gehört Dirk

Dass der viermalige All-Star Rondo überhaupt seit Dezember für die Mavericks aufläuft, ermöglichte erst Dirk Nowitzkis Verzicht auf knapp die Hälfte seines früheren Gehalts bei der Aushandlung seines Vertrags bis 2017.

"Dieser Trade gehört Dirk. Ohne Dirks Verzicht wären wir nie in der Lage gewesen, das durchzuziehen", stellt Mavericks-Besitzer Mark Cuban im "CBS Sports Radio" klar.

Zuschauer und Ersatz-Center

Nowitzki nimmt sich zurück. Auch wenn das für ihn bedeutet, Spiele komplett auszusetzen oder sich wie gegen die Oklahoma City Thunder als Vertreter für Center Tyson Chandler unter den Körben aufreiben zu müssen.

Die Mannschaftsdienlichkeit zahlt sich aus: Die Mavericks sind mit 26 Siegen in 36 Spielen auf Playoff-Kurs. Kein NBA-Team erzielt in dieser Saison im Schnitt mehr Punkte. Mann des Spiels ist Nowitzki dabei kaum noch. Die Last der Verantwortung verteilt sich längst auf mehrere Schultern.

Nowitzki von Mitspielern begeistert

"Das ist definitiv eines der bestbesetzten Teams meiner Karriere. Es gab Jahre, in denen ich viel kämpfen musste, um zum Wurf zu kommen. Dieses Jahr nehme ich die offenen Würfe. Und wenn kein Platz ist, spiele ich eben ab", preist Nowitzki die neue Vielseitigkeit seines Teams: "Auch auf der Bank haben wir Jungs, die das Spiel machen können."

Das zeigte sich auch gegen die Nets, als die 41 Punkte von der Seitenlinie den Unterschied ausgemacht haben.

Nowitzki als Anti-Bryant

So sind Nowitzkis Dallas Mavericks der Gegenentwurf des Teams um den erfolgreichsten noch aktiven Schützen der NBA-Geschichte: Kobe Bryant, Dritter der ewigen Bestenliste, ist bei den Los Angeles Lakers Alleinunterhalter und mit großem Abstand Gehaltsposten Nummer eins.

Zwar knackte Bryant in der Scorer-Liste im Dezember "His Airness" Michael Jordan, bei den Playoffs wird er jedoch nur zuschauen.

Dirk Nowitzki hat andere Pläne.

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