Boston - Dennis Schröder spricht über den Höhenflug der Hawks, sein Leben in Atlanta, seinen Kampf um einen Stammplatz und Genugtuung.

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Von Heiko Oldörp

Dennis Schröder ist mit den Atlanta Hawks auf einem historischen Höhenflug (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Der 105:91-Erfolg bei den Boston Celtics, zu dem der Braunschweiger vier Punkte und zwei Vorlagen beisteuerte, war der zehnte in Folge - die längste Siegesserie der Hawks seit 17 Jahren (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Auch für Schröder selbst geht es in dieser Saison steil aufwärts. Hinter Jeff Teague hat sich der 21-Jährige als zweiter Spielmacher etabliert, erhält durchschnittlich knapp 18 Minuten Einsatzzeit.

Ziel ist die Starting Five

Doch damit gibt sich Schröder noch lange nicht zufrieden und setzt sich im SPORT1-Interview (auch bei SPORT1 im Free TV - Do. 18 Uhr ) einen Platz in der Startfünf zum Ziel.

Außerdem spricht der Sohn einer gambischen Mutter über die Gründe für den derzeitigen Erfolg, sein Leben in Atlanta und seinen Buzzerbeater, bei dem er abdrehte, noch bevor der Ball in den Korb fiel.

SPORT1: Ganz Amerika und auch Europa reibt sich verwundert die Augen: Die Atlanta Hawks sind die Nummer 1 im Osten. Wie erklären Sie sich den Höhenflug Ihres Teams?

Dennis Schröder: Ich denke, wir spielen sehr gut als Team zusammen, machen da in der Offensive und auch defensiv einen super Job. Zwölf Spieler vom letzten Jahr sind noch hier. Wir haben drei Leute dazubekommen, die sich sehr gut integrieren.

SPORT1: Wie sehen Sie Ihre eigene Entwicklung gegenüber der Rookie-Saison?

Schröder: Jeder, der mal gespielt hat, weiß wie schwer es ist, seine erste Saison bei einem guten Team zu spielen. Ich habe immer an mich geglaubt. Auch meine Familie hat immer gesagt: "Du wirst es schaffen. Du wirst es schaffen. Dein zweites Jahr wird besser." Ich habe immer viel trainiert und viel an mir gearbeitet, um in diesem guten Team auch meine Minuten zu bekommen. Es läuft auf jeden Fall sehr gut.

SPORT1: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Schröder: Meine Freundin ist jetzt bei mir in Atlanta. Mit ihr verbringe ich viel Zeit. Ansonsten habe ich jetzt auch ein paar Freunde in Atlanta gefunden. Ich gehe gern in Malls und verbringe Zeit mit meinen Leuten.

SPORT1: Können sie noch unerkannt durch Atlanta gehen?

Schröder: Es ist schon schwierig. Immer, wenn ich durch die Mall oder essen gehe, erkennt mich jemand, aber das ist auch eine gute Sache für dich. Aber manchmal willst du natürlich auch deine Ruhe haben mit deiner Familie. Damit muss man leben.

SPORT1: Im Spiel gegen die Wizards haben sie sich, nachdem Sie mit der Sirene einen Dreier abgefeuert haben, weggedreht - noch bevor der Ball durch den Ring flog. Machen Sie das jetzt öfter - wie einst Larry Bird?

Schröder: Nee, ich habe das nur einmal getan, weil ich das mit Jeff Teague immer vor dem Aufwärmen mache. Der Wurf sah auf jeden Fall von Anfang an sehr gut aus. Da habe ich das einmal gemacht.

SPORT1: Wie kann man sich so ein NBA-Leben vorstellen? Leben Sie immer noch Ihren Traum oder hat mittlerweile die Realität eingesetzt?

Schröder: Wenn du daran denkst, wo du herkommst, ist das natürlich ein Traum. Und ich versuche so viel wie möglich darüber nachzudenken, wo ich herkomme. Aber wenn du jeden Tag den gleichen Ablauf hast, dann wird's irgendwann einfach zum Tagtäglichen.

SPORT1: Sie haben ihrem Papa ja damals versprochen, dass sie es in die NBA schaffen. Welchen Stellenwert hat die Tatsache, dass sie dieses Versprechen eingelöst haben?

Schröder: Es bedeutet mir und meiner Familie sehr viel. Die haben gesagt: "Egal was für einen Sport du machst, du wirst auf jeden Fall ganz oben ankommen und immer in der besten Liga spielen." Sie haben mich von Anfang an unterstützt und deswegen habe ich es auch hierher geschafft.

SPORT1: Vermissen Sie Ihre Heimat?

Schröder: Ja, meine Familie vermisse ich. Deutschland auch, aber hier ist mein Job, den ich bis zum Ende der Saison so gut wie möglich zu machen versuche. Und dann geht's wieder rüber nach Deutschland.

SPORT1: Sie haben Ende November gegen die Spurs einen krachenden Dunking gemacht. Es gibt ein Videospiel, in dem Dennis Schröder das nicht kann. War es eine Genugtuung, das Gegenteil zu beweisen?

Schröder: Das haben mir hier auch alle gesagt, dass ich einfach mal zeigen soll, dass ich dunken kann und sie das auf jeden Fall updaten. Vier Tage später konnte ich dann auch in dem Videospiel dunken. Jetzt ist alles gut.

SPORT1: Was sind Ihre kurzfristigen und langfristigen Ziele?

Schröder: Jetzt erst mal weiter so spielen und auf jeden Fall weiter kommen als letztes Jahr. Und langfristig, dass ich irgendwann den Starting Spot bekomme. Dafür werde ich alles tun.

SPORT1: Ihr Team hat nun an zwei aufeinanderfolgenden Abenden mit verschiedenen Startaufstellungen gespielt und trotzdem jeweils klar gewonnen. Was sagt das über diese Mannschaft aus?

Schröder: Dass jeder spielen kann. Egal ob Al Horford, Kyle Korver oder Jeff Teague fehlen, wir können das jedes Mal ausgleichen, durch unsere Defense und dadurch, wie wir den Ball nach vorne pushen.

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