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Aldridge Lillard Stotts
Die Gesichter des Blazers-Erfolgs: LaMarcus Aldridge, Damian Lillard und Coach Stotts © getty

München - Portland kämpft bei den L.A. Clippers um die Spitze der NBA. Ungeahnte Stärke und ein Mavericks-Mastermind machen die alte Zeit vergessen.

Damon Stoudamire, Rasheed Wallace, Ruben Patterson, Zach Randolph: Einst ruinierten sie als "Jail Blazers" den Ruf der NBA-Franchise aus Portland - heute sind die Trail Blazers eines der heißesten Teams der NBA.

Portland hat einen erstaunlichen Wandel vollzogen, sich von den Schatten der Vergangenheit gelöst, kämpft um die Spitze der NBA - und fliegt trotzdem noch immer ein wenig unter dem Radar.

Während sich die meisten Augen auf Ligaspitzenreiter Golden State Warriors und die "Splash Brothers" Steph Curry und Klay Thompson richten, hat sich Portland als Zweiter zum Titelanwärter gemausert.

Einer der Erfolgsgaranten dabei: Das Offensiv-Genie des Championshipteams der Dallas Mavericks von 2011.

Jail Blazers sind Geschichte

Dabei herrschte noch zu Beginn der 2000er Jahre das komplette Chaos in Portland. Während Rasheed Wallace vor allem mit Wutausbrüchen auf dem Feld "glänzte", gerieten seine Mitspieler reihenweise mit der Justiz in Konflikt.

So bekannte sich Ruben Patterson 2001 schuldig, versucht zu haben, die Babysitterin zu vergewaltigen, wurde wegen häuslicher Gewalt verhaftet und ist registrierter Sexualstraftäter.

Stoudamire wurde mehrfach mit Marihuana erwischt, nicht nur am Steuer, sondern auch, als er versuchte, mit 42 Gramm durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen zu kommen.

Selbst Randolph, heute bei dem Memphis Grizzlies rehabilitiert, brach Patterson bei einer Trainingsschlägerei die Augenhöhle und wurde ebenfalls wegen Fahrens unter Rauschmitteleinfluss verhaftet.

Doch das ist jetzt alles Geschichte - obwohl das Pech dem Team, das einst Sam Bowie vor einem gewissen Michael Jordan draftete, auch bei den Verletzungen der Franchise-Spieler Brandon Roy und Greg Oden treu blieb.

Eingespieltheit ist Trumpf

Damian Lillard, LaMarcus Aldridge, Nicolas Batum, Wes Matthews - das sind die Namen, die heute Blazers-Fans verzücken und die Liga rocken.

Seit "Rookie of the Year" Lillard 2012 gedraftet wurde, startet das Quartett mit wenigen Ausnahmen zusammen, alle vier reißen mit fast 35 Minuten im Schnitt ein Riesenpensum ab.

Lillard und Matthews haben diese Saison alle 38 Spiele absolviert, Aldridge 34 und Batum 32.

Die Eingespieltheit der Leistungsträger trug in Portland von Jahr zu Jahr mehr Früchte, und nachdem die Blazers nach dem Megastart in der letzten Saison noch einbrachen, soll 2015 geerntet werden.

Point Guard Lillard ist trotz seiner Monstersaison mit 22,2 Punkten, 6,3 Assists und 4,8 Rebounds im Schnitt immer noch der vielleicht unterschätzteste Star der NBA.

Big Man Aldridge liegt mit 22,9 Punkten und 10,5 Rebounds ebenfalls stramm auf All-Star-Kurs.

Dazu haben alle vier Dauerstarter den Distanzwurf im Repertoire und bereiten jedem Gegner damit große Probleme.

Mavs-Mastermind hat die Zügel in der Hand

Orchestriert wird die Offensive der Blazers, die im Ligavergleich auf dem sechsten Platz steht, von einem alten Bekannten aus Dallas.

Terry Stotts war vor seinem Wechsel auf den Cheftrainerposten der Blazers 2012 Assistent bei den Dallas Mavericks unter Rick Carlisle. Als Offensivkoordinator machte er die Mavs um Dirk Nowitzki zu einem der effektivsten Teams der NBA und trug damit entscheidend zum Titel 2011 bei.

Der Beton wird angerührt

Der größte Schlüssel zu Portlands Erfolg in diesem Jahr ist aber die Defensive. Die Blazers lassen so wenig Punkte zu wie kein anderes Team der NBA (nur 96,4 pro Spiel).

Zudem erlaubt niemand dem Gegner schlechtere Quoten bei den Dreiern, bei der erlaubten Quote aus dem Feld sind die Blazers Zweiter.

Auch unter dem Korb gibt es gegen Portland nichts zu holen: Die Blazers sind mit 46,5 Rebounds im Schnitt die besten Glasputzer der Liga.

Kaman glänzt als Rollenspieler

Daran hat auch der deutsche Nationalspieler Chris Kaman seinen Anteil. Der passionierte Jäger spielt mit 9,6 Punkten und 6,6 Rebounds in nur 19,5 Minuten eine klasse Saison und polstert gemeinsam mit Steve Blake endlich die in den vergangen Jahren so schwache Blazers-Bank auf.

Seit dem Ausfall von Robin Lopez (Handbruch) vertritt Kaman den Defensiv-Anker ebenfalls ordentlich, bringt als Starter sogar 9,3 Punkte und 8,8 Rebounds.

Ein eingespielter Kern, eine Top-Defense und ein Offensiv-Genie am Taktikbrett - das sind die Trail Blazers 2015. An die Jail Blazers denkt in Portland niemand mehr.

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