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Derrick Rose von den Chicago Bulls sitzt auf der Bank
Derrick Rose wurde 2011 als jüngster Spieler der NBA-Historie zum MVP gewählt © Getty Images

München und Chicago - Die nächste Knieverletzung von Derrick Rose lässt eine ganze Stadt verzweifeln. Viele NBA-Stars wünschen Glück, aber die Karriere steht auf der Kippe.

Nichts weniger als der legitime Nachfolger von Michael Jordan sollte er werden.

Doch statt die Chicago Bulls zu alter Größe zu führen, verkommt Derrick Rose aufgrund seines beispiellosen Verletzungspechs zum tragischen Helden seiner Heimatstadt.

Nach der dritten schweren Knieverletzung in gut zweieinhalb Jahren stellt nicht nur die Chicago Sun Times die Karriere des jüngsten MVP der NBA aller Zeiten in Frage. Denn noch schwerer als die medizinischen Folgen des zum zweiten Mal gerissenen Meniskus im rechten Knie wiegen die psychologischen Auswirkungen.

Andere NBA-Superstars wie LeBron James oder der selbst langzeitverletzte Paul George melden sich bereits mit aufmunternden Wünschen via Twitter zu Wort.

Bitter für Grübler Rose

Ob sie ihm helfen werden, ist fraglich. Rose ist ein introvertierter Superstar, ein Grübler. Ihm fällt es schwerer, Rückschläge zu verarbeiten als beispielsweise dem hyperehrgeizigen Kobe Bryant oder einem Joakim Noah, der sich sofort wieder ins Geschehen schmeißt.

"Derrick geht es nur ums Gewinnen. Dafür arbeitet er 24 Stunden am Tag. Entsprechend macht er sich auch über Verletzungen extrem viele Gedanken. Manchmal wäre es sicher besser, wenn er das einfach abhaken und drauf los spielen könnte", sagte sein Berater B.J. Armstrong schon im Herbst.

Titelseite der Chicago Sun Times zu Derrick Rose
© SPORT1

Armstrong holte als Point Guard an Michael Jordans Seite die ersten drei von sechs Meisterschaften der Bulls in den 90er Jahren. Sein Schützling war von Fans und Medien dazu auserkoren, an diese goldene Ära anzuknüpfen.

Aufstieg und Schicksal Chicago Bulls

Bereits zu Beginn seiner High-School-Zeit galt der stille Junge aus einem der gefährlichsten Teile der berüchtigten South Side Chicagos als großer Hoffnungsträger einer gesamten Stadt.

Es folgten zwei Staatsmeisterschaften - die erste sicherte Rose im United Center mit dem entscheidenden Wurf - und ein Jahr College in Memphis. Dort kassierte er erst im NCAA-Endspiel gegen Kansas seine einzige Niederlage.

Später wurde den Tigers dieser Erfolg zwar aberkannt, weil Rose akademisch nicht qualifiziert für die Uni war, aber als die Bulls trotz der Lotterie-Chance von 1,7 Prozent die erste Auswahl im NBA-Draft 2008 ergatterten, schien das Schicksal der "Windy City" ihren Messias beschert zu haben.

"Ein solcher Spieler kommt nur alle 20 Jahre in die Liga", sagte damals Legende Magic Johnson.

Verdammter Tag im April 2012

Was folgte war ein kometenhafter Aufstieg des athletischsten Spielmachers, den die NBA vielleicht jemals gesehen hat - gekrönt von der Auszeichnung zum wertvollsten Spieler 2011 mit gerade einmal 22 Jahren.

"Es war immer mein Traum, für die Bulls zu spielen und Meisterschaften zurück nach Chicago zu bringen", sagte Rose einmal. Die Zukunft schien ihm zu gehören - bis zu jenem verfluchten Tag im April 2012.

Damals riss sich D-Rose im Playoff-Spiel gegen Philadelphia das linke Kreuzband. Es folgten endlose Reha und das mediale Drama um seine immer wieder verschobene Rückkehr.

Kritik wegen später Comebacks

Die Ärzte hatten Rose schon im Februar 2013 wieder für spielfähig erklärt, er kehrte aber erst zur folgenden Saison zurück. Über die Gründe wurde viel spekuliert. Erstmals bekam Rose auch von den Fans Kritik zu spüren - wegen seiner angeblichen Weigerung, früher wieder einzusteigen.

Nach nur zehn Spielen traf den Pechvogel dann im November 2013 der nächste Schock: Meniskusriss im rechten Knie. Seine Comeback-Saison war jäh beendet. Damals sprach er auch über die Gesundheit nach der Karriere, und ihm wurde erneut  die Leidenschaft abgesprochen.

Nun also die Wiederholung der Geschichte. Vielleicht spürte Rose schon damals etwas, vielleicht war der erste Riss nie richtig verheilt. Allmählich entsteht der Eindruck, dass Rose' Körper der Knochenmühle NBA auf Dauer nicht standhält - oder seinem eigenen extrem aufreibenden Spielstil.

Karriere in Gefahr?

Zwar sagt der Arzt und ehemalige Football-Spieler Mark Addickes bei "ESPN", dass er "nach sechs Wochen wieder spielen könnte", aber mit Blick auf die Historie des mittlerweile 26-Jährigen dürfte das Saisonaus feststehen.

Titelseite der Chicago Tribune zu Derrick Rose
© SPORT1

Auch seine weitere Karriere steht mehr denn je auf der Kippe. Die Knie sind für sein Spiel noch wichtiger als für andere Athleten. Immer neue Eingriffe helfen da nicht gerade.

Umso tragischer ist die Geschichte, da Rose nach dem WM-Titel 2014 als Aufbauprogramm und einer bisher unspektakulären Saison gerade sein altes Selbst wiederzufinden schien. In den 14 Spielen vor dem All-Star Game sammelte der Rookie des Jahres 2009 im Schnitt 22,6 Punkte pro Spiel.

Nach sechs Siegen aus den vergangenen sieben Partien schienen sich auch die Bulls als Team zum Titelkandidaten zu reifen.

Ohne Rose bleibt das Chicagos großerWunschtraum, den der tragische Held eigentlich erfüllen sollte.

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