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Jahlil Okafor (l.) tritt in der NCAA für die Duke Blue Devils an © getty

München - Dukes Jahlil Okafor könnte die abgestürzten New York Knicks oder Los Angeles Lakers retten - wie legendäre Center zuvor. Mit jeder Pleite steigt die Chance.

Heilsbringer, Supertalent, Job-Retter.

Jahlil Okafor ist erst 19 Jahre alt, doch auf dem Teenager mit dem Körper eines Mannes liegen bereits die Hoffnungen mehrerer NBA-Klubs.

Der Center der Duke University ist der offensiv talentierteste Big Man der vergangenen zehn, vielleicht sogar 20, Jahre. Viele Experten sagen ihm bereits eine Dominanz in Korbnähe voraus, wie sie einst Hakeem Olajuwon oder Patrick Ewing ausübten.

"Meine Erwartungen an mich sind größer als die von irgendjemandem sonst. Ich will alle Erwartungen übertreffen. Dafür arbeite ich jeden Tag, und ich traue es mir zu", sagt Okafor.

Die Manager der abgestürzten Ex-Meister L.A. Lakers, New York Knicks oder Philadelphia 76ers werden genau hinschauen, wenn Okafor mit seinen Blue Devils in Richtung March Madness marschiert.

Lob von NBA-Center Andre Drummond

Schließlich hat der designierte Top-Pick im Draft 2015 das Potenzial, einem dieser am Boden liegenden NBA-Team zu neuem Glanz zu verhelfen.

Es ist also die große Frage des kommenden Sommers: Welchen General Manager, Coach und Klub rettet Jahlil Okafor?

Und schon jetzt geht es in den Niederungen der NBA darum, wer sich durch möglichst viele Niederlagen in die Pole Position bringt.

Chance von 25 Prozent auf den Hauptgewinn

Denn das Team mit der schlechtesten Bilanz der regulären Saison hat die besten Chancen auf den Pick - in Zahlen 25 Prozent.

Jeder vierte Ping-Pong-Ball in der Lostrommel gehört dem miesesten Team, 19,9 Prozent bekommt der Zweitschlechteste. Anschließend sinken die Chancen von 15,6 auf 11,9 bis hin zu einer Erfolgschance von 0,5 Prozent als Vierzehnter.

2012 NBA Draft Lottery
DIe Lostrommel der NBA-Draft-Lottery © Getty Images

Welche Auswirkungen ein perfekter Center-Pick im Draft haben kann, zeigt wohl San Antonios Tim Duncan am besten. 1997 in die NBA gekommen, führte er den texanischen Klub gleich in seiner ersten Saison zu 36 Siegen mehr als in der Spielzeit zuvor.

Zwischen 1999 und 2014 holte Duncan an der Seite von David Robinson, Tony Parker und Manu Ginobili fünf Meisterschaften.

Erst Turnaround, dann Titeljagd

Auch die New York Knicks erlebten mit ihrem Nummer-1-Pick von 1985, Patrick Ewing, nach einer Anlaufphase von vier Jahren den Turnaround. 1994 und 1999 führte der elfmalige All-Star die Knickerbocker in die Finals.

Ein Jahr vor Ewing kam Hakeem Olajuwon als Hauptgewinn der Draft in die NBA und hievte die Houston Rockets innerhalb von zwei Jahren von 28 auf 51 Siege. Zwei Meisterschaften krönten die NBA-Karriere des in Nigeria geborenen Centers.

Okafor ein Center der alten Schule

Jetzt soll Okafor, der ebenfalls nigerianische Wurzeln hat, in diese großen Fußstapfen treten.

Der 2,11-Meter-Riese ist ein eleganter Big Man der alten Schule mit bereits erstaunlich ausgereiften Bewegungen am Brett.

Selbst die mittlerweile in der NBA dominierenden DeMarcus Cousins oder Anthony Davis waren in diesem Alter nicht so weit.

Durchschnittlich 18,2 Punkte und 9,3 Rebounds sammelt er für Duke pro Spiel - und das in rund 30 Minuten Einsatzzeit. Zudem zeichnet ihn für seine Größe eine exzellente Übersicht aus.

Das Potenzial ist gigantisch, auch wenn Okafor noch an seiner Abwehrarbeit und der Freiwurfquote (58 Prozent) arbeiten muss.

Schonend für den Salary Cap

Den einstigen NBA-Größen aus Los Angeles und New York dürften solche Einwände herzlich egal sein.

Zu sehr sehnen sich die darbenden Klubs nach frischem Talent, das die Franchise ohne Millionen-Investment und gesprengter Gehaltsobergrenze wieder nach vorne bringt.

Schließlich dürfen die Jungprofis während der Laufzeit ihres ersten NBA-Vertrag nur einen für Leistungsträger moderaten Scheck einstreichen.

Okafors Familie feiert den Youngster

In New York wird der Kader systematisch leergeräumt. Center Samuel Dalembert wurde bereits freigestellt, Amar'e Stoudemire hat sich während des All-Star Breaks aus seinem Vertrag heraus gekauft.

Italo-Flop Andrea Bargnani muss sich als kommender Free-Agent mit großer Wahrscheinlichkeit auch einen neuen Verein suchen.

Die restlichen Center- und Power-Forward-Positionen sind aktuell mit Alibispielern besetzt, damit überhaupt irgendwer im Madison Square Garden auf dem Parkett steht.

Lakers räumen auf

Auch bei den Lakers wird mit dem großen Schrubber durch den Locker-Room gefahren.

Carlos Boozer ist nach dieser Saison Free Agent, und auch über Jordan Hills Zukunft kann per Teamoption im letzten Vertragsjahr flexibel entschieden werden. Sollte Okafor tatsächlich in Kalifornien landen, könnte er mit dem bis dahin hoffentlich wiedergenesenen Julius Randle ein junges und sehr beeindruckendes Big-Men-Duo bilden.

Die Top-Picks und ihre Wahrscheinlichkeit für die entsprechenden Klubs © Andrea Tagliabue, DensityDesign Research Lab/Wikipedia

Die Sehnsucht nach Okafor ist also verständlich und zugleich unendlich groß, allein die Bilanz der beiden einstigen Großmächte muss stimmen – oder eben nicht.

Und dann heißt es im Juni Daumendrücken, wenn die NBA alljährlich das große Los aus der Kugel und das Schicksal einer Franchise vielleicht zum Besseren wendet.

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