München - Die Atlanta Hawks spielen eine Saison für die Geschichtsbücher, doch sind sie auch reif genug für den NBA-Titel? Trotz der jüngsten Niederlagen ist das Schröder-Team keine Eintagsfliege.

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Die NBA reibt sich verwundert die Augen.

Denn die beste Bilanz nach gut zwei Dritteln der Regular Season hat nicht etwa Meister San Antonio zu bieten. Auch nicht die Golden State Warriors um Stephen Curry und Klay Thompson, und schon gar nicht die Cleveland Cavaliers mit dem titelträchtigen Dreigestirn LeBron James, Kyrie Irving und Kevin Love.

An der Spitze thronen die Atlanta Hawks. Das Team, das sich in der Vorsaison mit gerade einmal 38 Siegen nur aufgrund der Schwäche des Ostens in die Playoffs gemogelt hatte und dort in der ersten Runde die Segel strich. Die Franchise, die seit sie in den 1960er Jahren nach Georgia gezogen ist, keinen einzigen Titel mehr gewinnen konnte.

Zuletzt zwei Niederlagen

Allerdings bleibt gerade angesichts der in den vergangenen Jahren notorischen Playoff-Schwäche Atlantas die Frage: Sind die Hawks gefestigt genug für die Postseason?

Schon jetzt hat das Team von Dennis Schröder mehr Siege auf dem Konto (42) als in der gesamten Spielzeit 2013/2014. Doch der einmalige Januar mit historischen 17 Erfolgen in 17 Spielen ist Vergangenheit. Im Februar setzte es zwei Niederlagen binnen acht Tagen gegen zwei Playoff-Anwärter der Western Conference (New Orleans und Memphis).

Vor allem die Grizzlies haben gezeigt, wie man den Hawks weh tun kann: Mit gesunder Härte und einer konsequente Defense nahmen sie Forward Paul Millsap und Center Al Horford aus dem Spiel. Ausfälle, die Atlanta nicht kompensieren konnte.

Kein Star in Sicht

Coach Mike Budenholzer setzt im Stile seines langjährigen Chefs Gregg Popovich (San Antonio Sours) auf Team-Basketball und kann neben der Starting Five, die im Osten zum MVP des Monats Januar gewählt wurde, auf eine gute Bank zurückgreifen. Einen Mann, der ein Spiel im Alleingang entscheiden kann, sucht man im Hawks-Kader jedoch vergeblich. Niemand war je Starter eines All-Star Games. Bezeichnenderweise wird sich das selbst in diesem Jahr nicht ändern.

Doch gerade in engen Playoff-Serien macht oft ein erfahrener Go-to-Guy den Unterschied zwischen Sieg oder Niederlage aus. Schon gegen die Grizzlies versagten den Hawks mit Fehlwürfen und Turnovers in der engen Schlussphase kollektiv die Nerven.

Cleveland kommt ins Rollen

Zudem kommt die Konkurrenz im Osten langsam ins Rollen: Cleveland hat die Schwächephase des Jahresbeginns überwunden und verlor nur eines der vergangenen 14 Spiele. Nicht zuletzt weil die Big Three immer besser harmonieren.

Toronto zeigte mit dem Sieg gegen die Spurs, dass die Kanadier auf konsequenten Team-Basketball eine Antwort haben. Auch die Chicago Bulls könnten im Osten ein gehöriges Wörtchen mitreden, wenn sie rechtzeitig zu den Playoffs Konstanz in ihr Spiel bringen. Noch haben sie dafür Zeit.

"Sie haben sie alle geschlagen"

Atlanta Hawks
Die Atlanta Hawks sind das Team mit der besten Bilanz der bisherigen NBA-Saison © getty

Dennoch müssen sich die Hawks vor keinem verstecken: Das Team ist eingespielt und hat von Budenholzer ein klares Konzept an die Hand bekommen. Das Vertrauen in die eigene Stärke ist riesig, und auch die Gegner glauben inzwischen daran. "Atlanta hat gegen alle möglichen Spielstile gespielt, und sie haben sie alle geschlagen", zollte Mike Conley von den Grizzlies Respekt.

Die Defensive, bis Thanksgiving noch die große Schwäche der Hawks, ist inzwischen eine der besten der Liga. Nur drei Teams haben ihren Gegnern weniger Punkte erlaubt als Atlanta.

Dass die Truppe an Reife dazugewonnen hat, zeigte sie zuletzt beim furiosen 124:116 gegen die Golden State Warriors. In einem Spitzenspiel mit Playoff-Charakter trafen gleich sieben Hawks zweistellig und rangen so den Spitzenreiter des Westens nieder. Da zog auch Warriors-Coach Steve Kerr den Hut: "Sie waren gut. Sie waren besser als wir."

Atlanta keine Eintagsfliege

Nicht nur die Warriors bekamen die neue Stärke zu spüren: Eine beeindruckende Bilanz von 14:4 Siegen gegen Teams des starken Westens zeigt, dass Atlanta weit mehr als ein Nutznießer der ungleichen Conferences ist.

Von den NBA-Finals mag Budenholzer dennoch nicht träumen. "Daran denke ich keine Sekunde", sagte der Coach zuletzt. Wenn seine Hawks so weiter machen, kommt er bald nicht umhin, sich damit zu befassen.

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