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Shaquille O'Neal und Hassan Whiteside
Hassan Whiteside (r.) könnte der nächste große Center bei den Miami Heat werden © Getty

München - Hassan Whiteside scheitert im ersten Anlauf an der NBA. Im Ausland erfindet er sich neu, Miami gibt ihm eine Chance. Das Super-Schnäppchen begeistert auch Dwyane Wade.

Luxusleben National Basketball Association: Privatjets, Villen und millionenschwere Verträge.

So kann das Leben eines NBA-Profis aussehen. Es geht aber auch ganz anders (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Klinken putzen, um Probetrainings betteln und mit Zehn-Tages-Verträgen abgespeist werden.

Center Hassan Whiteside weiß genau, wie sich das anfühlt. Die Ungewissheit des nächsten Gehalts, die Enttäuschung über die nächste Absage.

Kein NBA-Team wollte zuletzt etwas von ihm wissen, nicht mal vorspielen durfte er. Desinteresse überall, außer bei den Miami Heat.

Und der Vizemeister hat es bislang nicht bereut (Alles zur NBA im Free-TV auf SPORT1: Do., 18 Uhr: Inside US Sports).

Die heißeste Neuentdeckung der NBA

Whiteside ist aktuell die heißeste Neuentdeckung der NBA, seine explosive Mischung aus Dunkings und Blocks verzückt die Fans vom South Beach mit jedem Spiel aufs Neue.

Seit Ende November steht der 25-Jährige in Miami unter Vertrag und pulverisierte mal eben im Vorbeigehen den Block-Rekord von Heat-Legende Alonzo Mourning.

Zwölf Würfe prügelte Whiteside gegen die Chicago Bulls aus der eigenen Zone, oben drauf packte der 2,13-Meter-Hüne mit dem sanften Blick noch 14 Punkte und 13 Rebounds.

Außer Whiteside schafften nur drei andere NBA-Spieler in den letzten 25 Jahren den 12+ Dreierschlag.

Shawn Bradley 1997-98 für die Dallas Mavericks, Shaquille O'Neal (1993-94, Orlando Magic) und Dikembe Mutombo (1992-93, Denver Nuggets).

Whitesides Statistiken gehen durch die Decke

Erstes Triple-Double der NBA-Karriere eingefahren, den Schmerz über Lebron James' Abschied in Miami gelindert, und die größte Cinderella-Story seit Jeremy Lin bei den New York Knicks gestartet.

"Es ist verrückt. Vor drei Monaten stand ich noch alleine in der Halle, und kein Team hat sich für mich interessiert. Manchmal passieren einfach unglaubliche Dinge", so der Center.

Whiteside liefert seit der Chicago-Partie Double-Doubles am Fließband ab, zuletzt 24 Punkte und 20 Rebounds. Dazu in den letzten sechs Partien immer mindestens drei Blocks. (Die Tabellen der NBA)

Wie immer im Sport wird natürlich sofort verglichen. Wem ähnelt Whiteside, wie gut kann er werden?

Aktuell wechseln die Vergleiche zwischen Shaquille O'Neal und Alonzo Mourning – und das diese gar nicht so weit hergeholt sind, bestätigt Dwyane Wade.

"Ich habe mit Alonzo als einem der besten Shotblocker aller Zeiten zusammengespielt. Hassan und er haben die gleiche Einstellung", lobte "Flash" den neuen Teamkollegen.

Stolperstart in Sacramento

Nicht die schlechteste Gesellschaft für einen Spieler, der eigentlich schon als gescheitert galt und den Glitzerbetrieb NBA sang und klanglos durch die Hintertür verlassen musste.

2010 draften die Sacramento Kings Whiteside in der zweiten Runde an Nummer 33.

Der Masterplan: Der Rookie soll von DeMarcus Cousins und Samuel Dalembert lernen.

Whitesides Statistiken an der Marshall University (13,1 Punkte, 8,9 Rebounds und 5,4 Blocks) sind ein Versprechen auf die Zukunft, mehr aber auch nicht.

Und bevor die Karriere überhaupt los geht, verletzt sich der Youngster schwer am Knie – ein mageres Spiel absolviert er in seiner Rookie-Saison.

Es folgen 18 Kurzeinsätze im Sophomore-Jahr, die Ochsentour durch die D-League beginnt.

D-League-Champion mit Tim Ohlbrecht

Reno Bighorns, Sioux Falls Skyforce, Rio Grande Valley Vipers - die Stationen sind so abenteuerlich wie die Teamnamen klingen.

Immerhin springt 2013 an der Seite von Tim Ohlbrecht der D-League-Titel mit den Vipers heraus, doch die Reise ist für Whiteside noch nicht zu Ende.

Im Wechsel spielt der schüchterne Junge aus Gastonia/North Carolina im Libanon und in China - ein Kulturschock.

Schafsinnereien zum Mittagessen, Wächter mit automatischen Waffen beschützen das Team. Whiteside hätte alles hinschmeißen können, doch statt einzuknicken, wächst er daran und entwickelt sich zum Mann.

Harte Arbeit, nie der direkte Weg, es zieht sich wie ein roter Faden durch Whitesides Karriere, aber mittlerweile hat er sich damit abgefunden.

Eine Karriere unter dem Radar

"Es war noch nie anders. Am Ende haben sich immer alle die Frage gestellt: Wo kommt dieser Junge auf einmal her?", erklärt er trocken nach dem Spiel gegen Chicago.

Und auf seine Ziele angesprochen, backt er erst einmal ganz kleine Brötchen - wenn auch mit viel Humor.

"Ich will fürs erste, dass mein Rating beim Videospiel NBA 2k hoch gesetzt wird."

Wenn Dennis Schröder umgehend die Fähigkeit zum Dunking auf den virtuellen Leib programmiert werden kann, sollte dieser Wunsch längst in Erfüllung gegangen sein.

Und im nächsten Schritt klappt es dann auch mit dem süßen Leben eines NBA-Stars.

Denn sollte Whiteside auch nur im Ansatz so weiterspielen wie bisher, dürfte sein im Sommer 2015 auslaufender Vertrag mit 765.000 Dollar Jahresgehalt deutlich aufgestockt werden. 

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