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Rajon Rondo und Monta Ellis
Rajon Rondo (l.) hat bei den Dallas Mavericks Anpassungsschwierigkeiten © Getty

München und Dallas - Rajon Rondo und die Dallas Mavericks - das passt bislang weder menschlich noch spielerisch. Dabei trägt der exzentrische Point Guard längst nicht die Alleinschuld.

Mark Cuban hatte sich alles so gut zurechtgelegt.

Der Monster-Trade für den vielleicht besten Point Guard der NBA sollte seine Dallas Mavericks ins Titelrennen katapultieren.

Rajon Rondo sollte sich in die effizienteste Offensive integrieren und mit Blick auf die Playoffs seine Abwehrstärke gegen die Russell Westbrooks, Damian Lillards oder Chris Pauls ausspielen.

Nach gut zwei Monaten fällt das Zwischenfazit eher ernüchternd aus. 20 Siege aus den 33 Spielen seit dem Trade sind nicht schlecht, aber im Westen auch nicht überragend.

"Das alles ist nicht optimal. Wir haben hohe Ziele. Wenn wir in den Playoffs weit kommen wollen, müssen alle an einem Strang ziehen. Mal sehen, wie es weitergeht", sagte Dirk Nowitzki nach der Pleite in Atlanta.

Stimmung als Erfolgsrezept 

Fakt ist: das Experiment Rajon Rondo schadet den Mavericks bisher mehr als es nützt. Dabei haben sich die Bedenken in sportlicher und nun auch in charakterlicher Hinsicht bestätigt.

Der lautstarke Disput zwischen dem Point Guard und Coach Rick Carlisle in Toronto ist nur die Spitze des Eisbergs, wirklich integriert wirkt Rondo auch menschlich noch nicht.

Über Jahre waren die Stimmung und der Zusammenhalt eine der Stärken der Mavericks - nicht zuletzt beim Titelgewinn 2011. So wurden immer wieder auch als schwierig geltende Charaktere wie Monta Ellis problemlos in das Kollektiv aufgenommen.

Rondo fremdelt noch

Rondo ist dagegen recht häufig allein auf der Bank zu sehen, Chandler Parsons macht dagegen den Eindruck, als wäre er schon jahrelang mit Nowitzki oder Tyson Chandler unterwegs.

"Rondo hat das alles schon durchgemacht und auf einer großen Bühne Erfahrung. Ich erwarte, dass er gestärkt zurückkommt und diese Geschichte ihm Feuer macht", sagt der emotionale Mavs-Anführer Tyson Chandler.

Rondo ist ein unbequemer Typ, der Sachen hinterfragt und auch in Boston häufig aneckte. Verbürgt ist eine Episode mit Doc Rivers. Der damalige Celtics-Coach zitierte Rondo in sein Büro und fragte seinen Spielmacher ob ihm denn klar sei, dass ihn keiner seiner Teamkollegen leiden könne.

Auch mit den heiligen Kühen Paul Pierce, Kevin Garnett und Ray Allen geriet der viermalige All-Star aus Kentucky in Sachen Führungsanspruch mehrfach aneinander.

Carlisle: "Ich bin der Coach"

Dazu kommt, dass Carlisle mit seinen Point Guards auch nicht gerade zimperlich umspringt. Frag nach bei Darren Collison, der nach einem Jahr entnervt nach L.A. zu Lehrmeister Chris Paul flüchtete.

Selbst der große Jason Kidd lag in seiner ersten Saison unter Carlisle mit dem ehemaligen Spieler wegen der Kontrolle über die Spielzüge im Clinch. Damals gab Carlisle nach und übertrug J-Kidd die Verantwortung. Rondo hat dieses Vertrauen noch nicht.

"Ich möchte eines ganz klarstellen: Rajon ist ein extrem wichtiger Spieler, aber ich bin der Coach. Er muss mit uns gut zusammenarbeiten. Der Vorfall resultierte aus schlechter Kommunikation, da nehme ich mich nicht aus. Wir haben uns ausgesprochen und wollen in Zukunft mehr miteinander sprechen", glättet Carlisle die Wogen.

Zahlen sprechen gegen Rondo

Während das Zwischenmenschliche noch als Kennenlernphase wie im Ferienlager durchgeht, sind die sportlichen Probleme nicht wegdiskutierbar.

Vor seiner Verpflichtung spielten die Mavericks mit 113,6 Punkten pro 100 Angriffsmöglichkeiten eine historisch effiziente Saison, die Starter lagen mit Jameer Nelson sogar bei 116,4.

In den Partien mit Rondo fiel dieser Wert auf 106 - immer noch gut, aber nicht mehr glänzend. Rondo ist statistisch sogar der ineffizienteste Spieler der NBA. Nur 0,65 Punkte springen pro Spielzug heraus, wenn er beteiligt ist. Lance Stephenson, Kendrick Perkins und Michael Carter-Williams sind unwesentlich besser. Der Gewinn in der Verteidigung hält sich zudem in Grenzen.

"Ich bin immer noch dabei, die Jungs kennenzulernen, wo sie den Ball haben wollen, was ihre bevorzugten Bewegungen sind. Es kann Jahre dauern, eine perfekte Chemie zu entwickeln", verteidigt sich Rondo.

Zusammenprall zweier Welten 

Damit hat er recht, aber sein Spielstil passt nicht optimal zu den Mavericks. Rondo ist ein klassischer Point Guard, der den Ball lange hält, Chancen für andere kreiert und sich selbst durch Verkehr zum Korb schlängelt.

Die sogenannte "Flow Offense" der Mavs ist aber darauf ausgerichtet, schnell den Ball zu bewegen, die Verteidigung auseinanderzuziehen und den freien Schützen zu finden.

Mit Nowitzki, Ellis oder Parsons sind immer mehrere Spieler auf dem Feld, die Angriffe einleiten können. Außerdem wird Rondo als bestenfalls unterdurchschnittlicher Schütze oftmals vom Gegner zum Werfen eingeladen und bindet so keinen Verteidiger.

Die bisher eher enttäuschende Verbindung ist also mitnichten Rondos Fehler. Die Mavericks wussten, wen sie sich ins Haus holen. Bisher hat Carlisle die beiden Welten nicht gewinnbringend kombiniert - Blitz-Scheidung im Sommer nicht ausgeschlossen.

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