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Nick Young von den Los Angeles Lakers gibt ein Interview
Nick Young spielte bereits am College in Los Angeles für die USC Trojans © Getty Images

München und Los Angeles - Für Nick Young ist das Leben eine Riesenparty. Verpatzter Dreierjubel oder Delfin-Fehde: Er steht auch für den Niedergang der Lakers. Den Coach treibt er zur Weißglut.

Er sticht selbst in der Liga der Egos heraus.

Nick Young ist, was Amerikaner schlicht als einen "Character" beschreiben. Der deutsche Begriff Typ wird dem Exzentriker der Los Angeles Lakers bei weitem nicht gerecht.

Modisch irgendwo zwischen Prince und Michael Jackson, ständig plappernder Scherzkeks, stolzer Besitzer eines weißen Ferrari, eines eigenen Hauses für seine Schuhe, weltbekannte Rapper-Freundin und so weiter und so weiter: Young ist ein Gottesgeschenk für die Medien, Albtraum jedes Coaches und schlicht die größte Nervensäge der NBA, seit Metta World Peace sich nach China verabschiedete.

"Ich will gar nicht erst anfangen, darüber zu sprechen, was in Nicks Kopf los ist. Ich will es auch gar nicht wissen. Ich will, dass er Basketball spielt", sagt Coach Byron Scott.

Young mit den zwei Gesichtern

Die Qualitäten des Shooting Guards auf dem Court sind unbestritten. Young ist ein exzellenter Scorer. Vor allem von jenseits der Dreierlinie kann er jedem Gegner jederzeit die Lichter ausknipsen.

Berüchtigt sind jedoch auch die an Schizophrenie grenzenden Aussetzer des Erstrunden-Draftpicks von 2007, die ihm regelmäßig eine Hauptrolle in Shaquille O'Neals Pannenshow "Shaqtin' a fool" einbringen.

Inzwischen legendär ist sein Dreierjubel im März 2014 gegen die New York Knicks. Die coole Geste war perfekt. Dumm nur, dass der Ball nicht im Korb landete - ein typischer Nick Young eben.

"Er hat einfach diese natürliche Fröhlichkeit, die viele Leute suchen. Bei so viel Kritik in unserem Geschäft, hilft dir diese Einstellung. Spaß zu haben, ist wichtig", sagt Teamkollege Ronnie Price.

Nick Young von den Los Angeles Lakers in einem Flugzeug
© Instagram/swaggyp1

Lakers verkommen zur Lachnummer

Damit steht Young aber auch beispielhaft für den Niedergang der Lakers. Weil Kobe Bryant seit Jahren mehr Zeit im Krankenstand als auf dem Court verbringt, quält sich das einst so ruhmreiche Team als Vorletzter der Western Conference durch die Saison.

Die sportlichen Highlights beim 16-maligen NBA-Champion sind selten geworden. Stattdessen stehen die Abenteuer des Klassenclowns Young im Mittelpunkt, der neben Swaggy P. auch als IDM für I don't miss ("Ich werfe nicht daneben") bekannt ist.

"Mich kann niemand verteidigen. Ich bringe den Swag (am ehesten mit Coolness zu beschreiben, Anm. der Red.). Das steckt die anderen Jungs an. Wenn wir unser Ding machen und trashtalken, werde ich Dreier versenken und rumspringen. Das ist doch cool, oder?", fragt Young.

Fehde mit einem Delfin

Sein neuster Geniestreich ist die Fehde mit einem schlechtgelaunten Delfin. Mit todernster Miene erzählte der 29-Jährige unlängst den verdutzten Medienvertretern, wie ihn der Meeressäuger bei einem Urlaub in Mexiko umbringen wollte.

"Er hat mit allen anderen gespielt, als ich dann dran war, mit ihm zu schwimmen, hat er mich sofort auf den Grund gezogen. Er wollte mich ertränken. Ich sage euch, der wollte mich umbringen, weil er scharf auf Iggy war", beschrieb Young seine Nahtoderfahrung.

Iggy ist übrigens die australische Rapperin Iggy Azalea. Die beiden sind seit eineinhalb Jahren ein Paar. Sie hatte die Delfin-Affäre als Komplizin mit zwei Tweets ins Rollen gebracht.

Unzählige Storys

Einzig der ohnehin sehr zugeknöpfte Coach Scott verstand keinen Spaß und raunzte dem grundsätzlich unpünktlichen Young zu, ob er denn gerne Geldstrafen zahle.

Schlaflose Nächste wird er Swaggy angesichts seines Vertrages über 21,5 Millionen Dollar damit nicht bereiten. Geld nimmt Young ähnlich ernst wie Uhrzeiten oder Tabellenstände.

Als Rookie sollte er einst für Teamkollege Gilbert Arenas Besorgungen machen, leistete sich mit dessen Kreditkarte aber kurzerhand ein Laptop und ein iPhone. Zum Dank schoss ihn Arenas mit einer Paintball-Waffe in den Rücken.

Kaum jemand kann Mitmenschen besser zur Weißglut treiben, trotzdem kann ihm niemand lange böse sein - vielleicht mit Ausnahme von Scott, der in dieser Saison einige Lebensjahre verlieren dürfte.

Young wird dagegen weiter pakistanische Hochzeiten crashen - wie einst in Phoenix -, ein Kamerateam täglich seinen Einmarsch ins Staples Center filmen lassen oder beim Rodeln in China ein Selfie schießen. Den Unterhaltungswert kann dem begnadeten Entertainer niemand absprechen.

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