Video

München - Anführer oder Held der zweiten Reihe? Dirk Nowitzki will die Fackel in Dallas an die Jüngeren wie Monta Ellis weiter geben, doch die Mavericks wirken noch nicht bereit.

75 Punkte! An guten Tagen bekommen die Dallas Mavericks so etwas fast zur Halbzeit hin.

An schlechten gerade so in 48 Minuten (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Beim 75:94 gegen die Portland Trail Blazers war so ein schlechter Tag für Dirk Nowitzki und sein Team.

Harte Brocken voraus

Es war die mieseste Offensivleistung der Saison - und das zur absoluten Unzeit.

Denn auf die Dallas Mavericks rollen schwere Wochen zu.

Bei den Golden State Warriors gab es mit 89:104 gleich die nächste Klatsche, Cleveland, die Clippers, und Oklahoma City kommen noch.

Die kommenden zehn Tage haben es also in sich.

Und genau jetzt kommt zur defensiven Instabilität auch noch der Blackout in der Offensive - sonst eigentlich der Sahneteil des Mavsspiels.

Mavericks wirken gelähmt

Aus "Entdecke die Möglichkeiten" mit unzähligen Scoring-Optionen wurde eine gelähmt wirkende Truppe, die sich oft auf Monta Ellis fokussiert oder mit Rajon Rondo einen Spielmacher auf dem Feld hat, der phasenweise Löcher ins Paket dribbelt, weil er sich nicht vom Ball trennen kann.

Unter diesen Faktoren leidet auch Nowitzkis Spiel (Alles zur NBA im Free-TV auf SPORT1: Do., 18 Uhr: Inside US Sports).

Der 36-Jährige gab die Chefrolle zwar selbst bereitwillig ab, erklärte jüngst, "dass Monta auf dem Höhepunkt ist und die richtigen Entscheidungen trifft", doch eine ordentlich Balance hat Dallas seit dem Rondo-Trade definitiv noch nicht gefunden.

Dominanz vom Highpost

Ellis ist zwar der beste Scorer der Mavericks, doch angesichts angeschlagener Mitspieler und eines strauchelnden Rondo ist die Last auf Ellis' Schultern drückend schwer.

In der Meistersaison 2011 demonstrierte Nowitzki wie wertvoll er sein kann, wie dominant er ein Spiel am Highpost gestalten kann.

Tyson Chandler halten Nowitzkis Errungenschaften trotzdem nicht davon ab, sich über den Würzburger lustig zu machen.

Spiel läuft an Nowitzki vorbei

Und auch wenn die Leistung mit 3 bis 4 Jahren mehr auf dem Tacho nicht Eins-zu-Eins zu wiederholen ist, so braucht der Routinier mehr Ballbesitze als aktuell.

Phasenweise läuft das Spiel an Nowitzki vorbei, Spielzüge werden nur noch selten für ihn gelaufen.

Vorbei die Zeiten, als der große Blonde die Gegner mit seinem gefürchteten Flamingo-Wurf in allen Varianten rund um die Zone terrorisierte.

Die Anzahl der Würfe (15,9 auf 14,1) geht runter - auch geschuldet durch weniger Spielzeit - aber auch die Quoten sind schlecht wie lange nicht.

Nur am Anfang heiß

34,9 Prozent jenseits der 7,24 Meter unterbot Nowitzki nur in zwei Spielzeiten (98/99 Rookie-Saison und 03/04).

Und schaut man noch etwas genauer hin, dann wird klar: Nowitzki ist nur noch am Anfang einer Partie richtig gefährlich.

Konstant gehen die Quoten nach unten (Tabelle 1), die Bereitschaft - oder vielleicht auch das Vertrauen der Teamkollegen - nehmen zum Ende eines Viertels ab (Tabelle 2)

Tabelle 1 (Statistiken von basketball-reference.com)

FG

FGA

Trefferquote in Prozent

3P

3PA

Trefferquote in Prozent

1. Viertel

99

189

52,4

21

47

44,7

2. Viertel

94

204

46,1

17

41

41,5

3. Viertel

100

226

44,2

20

58

34,5

4. Viertel

77

182

42,3

15

57

26,3

Tabelle 2

Verbleibende Spielzeit

FG

FGA

Trefferquote in Prozent

3P

3PA

Trefferquote in Prozent

unter 3 Minuten

93

197

47,2

19

52

36,5

zwischen 3 und 6 Minuten

31

82

37,8

9

28

32,1

mehr als 6 Minuten

252

537

47,1

46

128

35,9

Betrachtet man dann noch die Art und Weise, wie Nowitzki seine Punkte erzielt, wird klar, das Feuer ist mental vielleicht noch da, aber die Bereitschaft die alten Knochen in die Schlacht zu werfen, nicht mehr so wirklich.

Gut die Hälfte seiner Punkte (8,2) erzielt Nowitzki durch Würfe nach einem "Catch and Shoot", lediglich 3,4 Zähler nach einem Dribbling. Der Zug zum Korb ist mit 0,4 Punkten eigentlich nicht mehr existent.

Wie wird Nowitzkis Rolle aussehen?

Am Ende der Zahlenschubserei stellt sich die Frage: Müssen die Mavericks Nowitzki wieder mehr einbinden? Oder muss sich Nowitzki zu einer weißen Variante von Jamal Crawford - dem Inbergiff des immer heißen Bankspielers - entwickeln?

Beide Denkweisen sind legitim und möglich, die Bereitschaft Nowitzkis Platz für die jungen Wilden wie Ellis, Parsons und Co. zu machen, ist längst da.

"Monta ist fantastisch, unser Vollstrecker. Er macht die schweren Würfe. Wir legen den Ball in seine Hände und lassen ihn machen", bekräftigte er erst kürzlich wieder seine Einstellung.

1986er Celtics als Vorbild

Es könnte vielleicht auch in den Plan von Head Coach Rick Carlilse passen, der 1986 mit den Boston Celtics NBA-Champion wurde und vorgelebt bekam, dass gealterte Stars wie damals Center Bill Walton auch von der Bank gnadenlos effektiv sein können.

Sollte Carlisle doch wieder mehr auf den Flamingo setzen wollen, dann würde sich als kleiner Reminder für die nächste Generation der 103:95-Sieg gegen Memphis als Lehrvideo anbieten.

Nowitzki erzielte die letzten acht Punkte der Mavs, zeigte sein komplettes Arsenal und bescherte den Mavs einen der seltenen Siege gegen ein Top-Team im Westen.

Video
teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel