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Memphis Grizzlies v Los Angeles Lakers
Jeremy Lin (r., mit Kobe Bryant) debütierte 2010 für die Golden State Warriors in der NBA © Getty Images

Los Angeles - Jeremy Lin spielt seine fünfte NBA-Saison zwischen Höhen und Tiefen. Im SPORT1-Interview spricht er über das bittere Jahr mit den Lakers, Nick Young und erklärt, was von "Linsanity" geblieben ist.

Von Alisha Pälmke

In fast fünf Jahren NBA hat Jeremy Lin schon alles erlebt.

Als Nobody von der akademisch weltbekannten Harvard University musste er sich durch die D-League kämpfen, begründete in New York das Phänomen "Linsanity" und erlebt nun mit den Los Angeles Lakers eine historische Talfahrt (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Dem 16-maligen Meister droht die schwächste Saison seit dem Umzug an die Westküste. Lin überzeugte nur selten und verlor seinen Startplatz an Rookie Jordan Clarkson - sein Vertrag läuft im Sommer aus.

Zu allem Überfluss zogen er und seine Teamkollegen sich unlängst nach einem Sieg bei den Boston Celtics auch den Zorn von Teamlegende Kobe Bryant für eine überschwängliche Jubelarie zu.

Im SPORT1-Interview spricht Lin über das bittere Jahr und die Erwartungen in L.A., den exzentrischen Kollegen Nick Young seine Zukunft und erklärt, was von "Linsanity" geblieben ist (Alles zur NBA im Free-TV auf SPORT1: Do., 23.30 Uhr: Inside US Sports).

SPORT1: Die Saison geht langsam zu Ende. Haben Sie schon Pläne für den Sommer?

Jeremy Lin: Was Free Agency angeht nicht, aber im Sommer möchte ich nur Urlaub machen.

SPORT1: Wo soll es denn hingehen?

Lin: Das weiß ich noch nicht. Ich habe bereits ein paar Leute gefragt, ob sie irgendwelche Ideen haben.

SPORT1: Nach New York haben Sie mit Los Angeles eine weitere Großstadt erlebt. Wie ist es, hier zu spielen?

Lin: Es ist eine große Herausforderung. Es macht sehr viel Spaß, in Hinblick auf die verrückten Fans, aber ich wünschte, wir würden ihnen bessere Resultate liefern.

SPORT1: Wie gehen Sie mit dieser schwierigen Zeit und den negativen Ergebnissen um?

Lin: Es ist sehr hart. Ich versuche, die Fangemeinde und das Ganze drumherum nicht allzu nah an mich herankommen zu lassen. Ich möchte, dass unser Team gewinnt, aber das ganze Rampenlicht von L.A. beeindruckt mich nicht, weil ich daran bereits gewöhnt bin. Es wäre anders, wenn ich vorher in Detroit gespielt hätte.

SPORT1: Wie ist es mit Kobe Bryant zu spielen? Haben Sie etwas von ihm lernen können?

Lin: Ja, das war eine gute Erfahrung. Es war gut zu sehen, wie er Sachen angeht, sich die Spiele auf Video anschaut und auf seinen Körper achtet. Seitdem er verletzt ist, haben wir ihn nicht ganz so oft gesehen.

Memphis Grizzlies v Los Angeles Lakers
Kobe Bryant (l.) absolvierte 2014/15 nur 35 Partien gemeinsam mit Jeremy Lin. © Getty Images

SPORT1: Mit Nick Young haben Sie einen sehr extrovertierten Spieler. Was war die verrückteste Sache, die er bisher gemacht hat?

Lin: Der macht jeden Tag irgendetwas. Er reißt Witze, redet dummes Zeug und macht Späße. Das Verrückteste? Er macht die ganze Zeit verrückte Sachen. Er ist einfach jeden Tag lustig und ziemlich verrückt.

SPORT1: Sie wurden kürzlich stark kritisiert, aufgrund eines Interviews, das sie nach einem Sieg gegen die Celtics gegeben hatten. Trotz der schwachen Saison der Lakers feierten sie überschwänglich mit ihren Teamkollegen. Gab es danach noch Ärger?

Lin: Ja, wir haben uns getroffen und vereinbart, in Zukunft professioneller zu sein.

SPORT1: Den Lakers hat Ihr Verhalten also nicht gefallen?

Lin: Nein, sie mochten es nicht, deshalb hatten wir das Meeting.

SPORT1: Die Fans hatten Spaß daran...

Lin: Ja, für uns war es einfach ein sehr menschlicher Moment. Wir haben nicht viele Spiele in letzter Zeit gewonnen, dann hatten wir endlich diesen Sieg und haben unseren Gefühlen freien Lauf gelassen. Ich glaube, es hat die menschliche Seite in uns gezeigt. Es war vielleicht nicht professionell, aber ich fand es schön, dass sich die anderen Spieler für uns gefreut haben. Sogar Jordan Hill hat mitgemacht, obwohl er zeitweise seine Startposition verloren hat. Ich fand das sehr cool.

SPORT1: Rookie Jordan Clarkson hat Ihnen die Startposition weggeschnappt. Wie ist das für Sie?

Lin: In Houston war das genauso, deshalb bin ich es gewohnt.

SPORT1: Also hat es Sie nicht geärgert?

Lin: Doch natürlich hat es mich geärgert, aber man kann nur gewisse Dinge kontrollieren. Es geht darum, zu zeigen, was du drauf hast, wenn du auf dem Spielfeld bist.

SPORT1: 2012 kam der große Linsanity-Hype. Wie war das für Sie und was denken Sie rückblickend darüber?

Lin: Es war sehr cool und eine tolle Erfahrung. Ich sage immer, dass mir Gott gezeigt hat, wie machtvoll er ist. Besonders in Hinblick darauf, wie alles gelaufen ist und wie perfekt diese Zeit war. Das werde ich für immer im Gedächtnis behalten und diese Zeit meines Lebens immer als etwas Besonderes ansehen. Ich bin sehr dankbar dafür.

SPORT1: Fehlt es Ihnen gar nicht?

Lin: Ich hatte zeitweise Angst, gerade weil es immer so verrückt und wild war. Was mir fehlt, ist der Spaß den wir zusammen hatten, das Gewinnen und gut zu spielen.

SPORT1: Bryant ist noch bis 2016 unter Vertrag. Glauben Sie, die Lakers können es nächste Saison wieder in die Playoffs schaffen?

Lin: Das weiß ich nicht. Soweit habe ich noch nicht geplant.

SPORT1: Sie sind einer der wenigen Spieler mit asiatischen Hintergrund und zum großen Idol geworden. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Lin: Ich glaube, früher habe ich mich selbst stark unter Druck gesetzt. Je älter ich geworden bin, desto mehr versuche ich, nur für Gott zu spielen. Eines der Nebenprodukte ist, dass ich nicht mehr allzu großen Wert darauf lege, was Leute über mich sagen - obwohl ich China, Taiwan oder andere asiatische Länder hinter mir habe. Das sind alles Dinge für die ich sehr dankbar bin, aber ich versuche, diesen Dingen nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Ich muss in der Lage sein, mein eigenes Leben zu leben, ohne die ganze Zeit Millionen von Menschen zu repräsentieren.

SPORT1: Fühlen Sie sich Asien verbunden?

Lin: Ja, aber ich möchte mich nicht noch mehr unter Druck setzen lassen. Davon mache ich mir selbst sowieso schon genug.

SPORT1: Sie mussten dreimal zurück in die D-League. Wie war das für Sie?

Lin: Es hat mir sehr viel geholfen und mich gut vorbereitet. Ich habe alle Höhen und Tiefen bereits erfahren. Ich habe das tiefste Tief und höchste Höhen erlebt. Ich habe so ziemlich alles erlebt. Von nicht zu spielen bis zu auf das Titelblatt des TIME Magazine. Es hilft mir sehr, dankbar für Dinge in meinem Leben zu sein. Es hat mich geformt und hat mir geholfen, die Person zu werden, die ich sein wollte.

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