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Oklahoma City und München - Russell Westbrook spielt sich mit seinem vierten Triple-Double am Stück in neue Sphären. In Abwesenheit von Kevin Durant dreht er auf und wird so selbst ein MVP-Kandidat.

So richtig konnte niemand die Gala des Russell Westbrook fassen.

"Man ist auf der einen Seite frustriert, auf der anderen wird man ein Fan", sagte Brett Brown: "Man schaut sich das an und kratzt sich am Kopf."

Gerade ist der Coach der Philadelphia 76ers Zeuge von Westbrooks viertem Triple-Double in Folge geworden. Etwas, das es in der NBA seit 26 Jahren nicht gegeben hat. Letztmals gelang das Michael Jordan im Jahr 1989.

Höchstwerte für Westbrook

Es war ein Triple-Double mit Knalleffekt: 49 Punkte bedeuteten Westbrooks Karrierehöchstwert. Auch eine solche Zahl bei einem Triple-Double war in den letzten 30 Jahren mit Larry Bird nur einer NBA-Legende vorbehalten. In der Scorerliste der laufenden NBA-Saison hat Westbrook mit seinem Galaabend nun auch James Harden von der Spitze verdrängt.

Dazu kamen 16 Rebounds, ebenfalls Karrierebestwert, und zehn Assists. Dabei musste sich der 26-Jährige erst vier Tage zuvor einer Gesichts-OP unterziehen und lief nach seinem Wangenknochenbruch vom vergangenen Freitag gegen die Portland Trail Blazers mit einer Gesichtsmaske auf.

Auch Maske kein Hindernis

Doch Westbrook ließ sich davon nicht irritieren. "An alle, inklusive mir, die geglaubt haben, dass sich Russell ein paar Spiele an die Maske gewöhnen müsse. Wir lagen falsch", war selbst Thunder-Coach Scott Brooks verblüfft.

Für OKC ist Westbrook derzeit die Lebensversicherung. In Abwesenheit des verletzten Kevin Durant hängt OKC im engen Playoff-Rennen der Western Conference am Tropf. Westbrook spielt derzeit für zwei, und das belegen nicht nur die Zahlen.

Westbrook glänzt als Leader

Als sein Team gegen die Sixers mit 16 Punkten hinten lag, war es Westbrook, der die Mitspieler aufbaute und mit guten Aktionen zurück in die Partie brachte. "Sie brauchen das, wir alle brauchen das. Und ich finde, er hat als Anführer einen großartigen Job gemacht", lobte Brook seinen Point Guard, der sich in den letzten Wochen in MVP-Form präsentierte.

Westbrook selbst ist sich seiner Verantwortung bewusst, ob mit oder ohne Maske: "Sie hält mich nicht auf. Mein Job ist es rauszugehen und mein Team anzuführen."

Mit insgesamt 33 Versuchen aus dem Feld und 20 Freiwürfen gab er erfolgreich den Alleinunterhalter. Doch das ging zuletzt nicht immer gut. In der Vorwoche setzte es trotz Triple-Doubles gegen die West-Konkurrenz aus Phoenix und Portland Niederlagen. Selbst gegen die unterirdischen Sixers stand OKC kurz vor der nächsten Pleite. Als Achter müssen die Thunder weiter um die Playoffs zittern.

Ohne Durant einziger Hoffnungsträger

Kein Wunder: Die vier Starter um Westbrook herum kamen gegen Philadelphia auf insgesamt mickrige 12 Punkte, 13 Rebounds und kein Assist. Während die bisherige Nummer zwei aus dem großen Schatten von Kevin Durant heraustritt, scheint sich sein Team ein wenig zu sehr auf den Hoffnungsträger zu verlassen

"Wir wollen es nicht als Selbstverständlichkeit ansehen, aber wir erwarten, dass er gut spielt und wissen, wozu er fähig ist", sagte Teamkollege Nick Collison.

Das muss Westbrook auch in den kommenden Partien abrufen. Erst am kommenden Dienstag soll es neue Informationen über ein Comeback von Kevin Durant geben. Zu mehr als leichtem Wurftraining reichte es bei ihm bislang jedoch nicht.

So wird Westbrook wohl noch länger die Playoff-Last auf seinen Schultern tragen und auf Triple-Double-Jagd gehen. Um Michael Jordans Serie von 1989 zu toppen ist es jedoch noch ein weiter Weg. "His Airness" gelangen damals gleich sieben hintereinander.

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