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Rick Carlisle und Rajon Rondo von den Dallas Mavericks
Zwischen Coach Rick Carlisle (l.) und Rajon Rondo stimmt Das Verhältnis nie © Getty

München - Der Transfercoup mit Rajon Rondo wird für die Dallas Mavericks um Dirk Nowitzki zum Boomerang. Sportlich und charakterlich passt es nie. Beide Seiten trifft die Schuld.

Der Transfercoup hat sich als Klotz am Bein entpuppt.

Coach Rick Carlisle ließ am Tag nach dem ernüchternden 0:2 der Dallas Mavericks in der Playoff-Serie gegen die Houston Rockets die Bombe platzen (Die NBA-Playoffs LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Auf die Frage, ob er glaube, dass Point Guard Rajon Rondo noch einmal das Mavs-Trikot tragen werde, antwortete Carlisle lapidar: "Nein, das tue ich nicht."

Es ist ein tiefer Fall für den im Dezember als Heilsbringer geholten viermaligen All-Star. Zum Titelkandidaten sollte Rondo die Mavericks machen, stattdessen zerstörte der anpassungsunfähige Querkopf sie sportlich und letztlich auch charakterlich.

Rondo ist aber nicht der Alleinschuldige an dem Debakel. Vielmehr ist Dallas dem Irrglauben unterlegen, der Ex-Celtic wäre der erhoffte Superstar. Das Team um den bald 37-jährigen Dirk Nowitzki steht vor einem weiteren verschwendeten Jahr.

Mavericks-System deckt Rondos Schwäche auf

Rondo bestätigte in seiner halben Saison in Dallas eindrucksvoll die kritischen Stimmen, die vor seiner Verpflichtung gewarnt hatten.

Im richtigen System ist er auch mit 29 Jahren noch einer der besten Aufbauspieler der NBA, aber Carlisles "Flow"-System deckte von Anfang seine große Achillesferse auf - den Wurf.

Die große Stärke der Mavs ist seit Jahren die Variabilität. Nowitzki, Monta Ellis, Chandler Parsons, Devin Harris, Richard Jefferson: praktisch alle Spieler können mit dem Ball umgehen, passen oder von draußen treffen. Es werden selten Spielzüge angesagt, der Ball läuft so lange, bis ein Schütze frei ist.

Auch schon in Boston Ärger

Rondo ist dagegen der klassische Regisseur, der die Fäden zieht, zum Korb geht und abschließt oder für die Kollegen ablegt. So wurde er in jungen Jahren zum heimlichen Anführer der Boston Celtics auf ihrem Weg zum Titel 2008 (Alles zur NBA im Free-TV auf SPORT1: Do., 23.30 Uhr: Inside US Sports).

Auch dort wurde allerdings schnell klar, dass der alles hinterfragende Einzelgänger charakterlich nicht einfach ist. Die Stars Paul Pierce oder Ray Allen fühlten sich immer wieder auf den Schlips getreten, selbst mit dem äußerst nachsichtigen "Player's Coach" Doc Rivers geriet er häufig aneinander und konnte sich menschlich nie integrieren.

Mit Disziplinfanatiker Carlisle war Ärger programmiert, der gipfelte während der Saison in einer Suspendierung.

Defensivstärke nicht mehr da

Bei allem Talent waren die Celtics die ständigen Querelen leid und verscherbelten ihren großen Namen für Jameer Nelson, Jae Crowder und Brandan Wright nach Dallas - es war ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Der ehemals für seine giftige Defense gepriesene zweimalige Assist-König der NBA sagte nach dem Trade, er habe "die letzten zwei Jahre gar nicht mehr verteidigt".

Der vermeintliche Trumpf gegen die starken Guards im Westen wurde so schnell Makulatur. Seit dem Kreuzbandriss im Januar 2013 fehlt Rondo dafür die nötige Dynamik.

All diese Faktoren sind nicht Rondos Fehler, sondern gewaltige Fehleinschätzungen, die Dallas teuer zu stehen kamen: Rondo ist kein Superstar.

Effizienz geht flöten

Vor seiner Verpflichtung waren Nowitzki und Co. auf Kurs, eine Saison mit nie zuvor gesehener Effizienz abzuliefern, danach stürzten die Zahlen dramatisch ab. Seine unterirdischen Quoten von Dreier- und Freiwurflinie machten Rondo zum Schwachpunkt.

Trotzdem ist der nun offiziell am Rücken verletzte Problemprofi sicher nicht das Opfer in dieser Geschichte, denn die fast schon sprichwörtliche Teamchemie der Mavs zerstörte er im Alleingang.

Während zu Zeiten des Titelgewinns 2011 vermeintliche Problemfälle wie Tyson Chandler oder später Monta Ellis als Leader aufblühten, kam mit Rondo die dicke Luft.

Teamchemie zerstört

Kaum einmal sprach Rondo in der Kabine oder auf der Bank mit Kollegen, Amar'e Stoudemire motzte plötzlich bei den Journalisten, sogar Nowitzki stauchte zuletzt Teamkollegen heftig zusammen.

"Clubhouse Cancer" heißt es in den USA. Frei übersetzt: ein fauler Apfel verdirbt den ganzen Korb. Das Resultat waren in den vergangenen Jahren selten gesehene Undiszipliniertheiten auf dem Court.

Die peinliche Dunking-Show der Rockets in Spiel 2 - samt Rondos Verbannung auf der Bank - geriet zum vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung.

Trennung im Sommer

Das Playoff-Aus kann nur noch ein mittleres Wunder verhindern. Rondo wird dabei nicht helfen - traurig ist darüber in Dallas wohl niemand.

Die Kombination Mavericks/Rondo hatte nie eine Chance. Im Sommer ist er weg und wird möglicherweise bei den L.A. Lakers und seinem Edelfan Kobe Bryant versuchen, den Abwärtstrend seiner Karriere zu stoppen.

Die Mavericks stehen dann erneut ohne Top-Spielmacher da und werden erneut auf die Suche nach dem Superstar gehen, der Nowitzki doch noch einmal ins Titelrennen hievt - Rondo war es nie.

Der Playoff-Baum der NBA 2015
Der Playoff-Baum der NBA 2015 © SPORT1
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