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Dallas Mavericks v Denver Nuggets
Dirk Nowitzki spielte zuletzt bei der EM 2011 in Litauen für Deutschland © Getty Images

München - Das frühe Playoff-Aus zeigt, dass Dirk Nowitzki bei den Dallas Mavericks mehr Hilfe braucht. Der Superstar bringt ein persönliches Opfer ins Spiel. Die EM bleibt eine Option.

Dirk Nowitzki hat das Schicksal eines jeden Sportlers akzeptiert.

Egal wie groß, dominant oder erfolgreich: auch in der NBA beginnt jeder noch so helle Stern in den 30ern allmählich zu verglühen. Wo er früher eine ganze Arena allein erleuchtete, braucht es heute einige große Scheinwerfer um ihn herum (Die NBA-Playoffs LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Überdeutlich wurde dies für Nowitzki in Spiel 5 seiner Dallas Mavericks bei den Houston Rockets. Noch einmal wollte der fast 37-Jährige in die Rolle des "Dirkules" schlüpfen, aber ohne Chandler Parsons und den ausrangierten Rajon Rondo konnte er das dritte Erstrundenaus seit dem Titelgewinn 2011 nicht abwenden.

"Meine letzten beiden Jahre will ich genießen. Ich will in einem guten Team spielen, in einem Playoff-Team, das weit kommt. Um das zu ermöglichen, werde ich zweifellos alles tun", sagte Nowitzki.

Nowitzki als Sixth Man

Dem Finals-MVP von 2011 ist gegen die athletischen Rockets erneut schmerzlich bewusst geworden, dass er hochkarätige Hilfe braucht, um noch einmal um die Meisterschaft zu spielen.

Würde er nach dem Verzicht auf die Closer-Rolle in der Endphase und dem Schnäppchenvertrag noch ein weiteres Opfer bringen? Würde er 2015/16 sogar als Sechster Mann von der Bank kommen? "Ja, was immer nötig ist", stellte Nowitzki klar.

"Wenn ich das höre und sehe, was er für dieses Team tut, bin ich fast sprachlos. Es ist unglaublich, dass er auch diese Pille schlucken würde", sagte Manager Donnie Nelson.

Zwei Vorteile für die Mavericks

Dafür gibt es zwei Hauptgründe. Zum einen ist es ein offenes Geheimnis, dass die Mavericks gern All-Star LaMarcus Aldridge aus Portland in seine Heimatstadt holen würden.

Der Free Agent ist auf Nowitzkis Position des Power Forwards einer der besten in der NBA, der vor allem athletisch und als Rebounder ein gewaltiges Upgrade wäre.

Womit wir auch schon beim zweiten Grund sind. Der offensiv immer noch effiziente Captain der Mavs war noch nie ein herausragender Verteidiger, aber vor allem die Rockets deckten seine kaum noch tragbaren Abwehrschwächen schonungslos auf.

Nowitzki nimmt es mit Humor

Als Sixth Man könnte der siebtbeste Scorer der NBA-Historie den dynamischen Stars zumindest zeitweise aus dem Weg gehen und wäre gegen die Reservisten des Gegners auch offensiv noch wertvoller (SERVICE: Der SPORT1-Nowitzki-Watch).

"Dirks Charakter und Loyalität zeigen, dass er jedes Opfer bringen würde. Ist es möglich? Es ist möglich. Ist es wahrscheinlich? Ich weiß nicht", sagte Coach Rick Carlisle, der ihn zuletzt gegen Houston sogar den Small Forward verteidigen ließ, um die Lücke unter dem Korb zu stopfen.

Nowitzki selbst sieht dabei mit einem Lächeln nur ein Problem: "Das Problem ist, ich wäre von der Bank kommend ziemlich steif. Ich war nie der beweglichste Spieler, aber es gibt ja diese Ergometer."

EM-Entscheidung bis Juni

Bei so viel Opferbereitschaft werden sich die Mavs in eine zweite wichtige Frage wohl nicht einmischen. Kommt Nowitzki zur großen Abschiedsvorstellung nach Deutschland und spielt die EM in Berlin?

"Ich weiß noch nicht, was im Sommer passiert. Ich versuche, mich bis Juni zu entscheiden. Wenn ich nicht spiele, werde ich wahrscheinlich erst im August wieder mit dem Ball arbeiten. Und wenn ich spiele, muss ich damit spätestens im Juli anfangen", sagte Nowitzki.

Am 20. Juli geht das DBB-Team mit dem neuen Bundestrainer Chris Fleming ins erste Trainingslager nach Bonn. Fleming hatte Nowitzki - wie auch Dennis Schröder und Chris Kaman - im Winter in den USA besucht und erste Gespräche geführt.

Chance auf Olympia lockt

Die Chance ist durch das frühe Playoff-Aus sicher nicht kleiner geworden. Schließlich würde Nowitzki den jungen Spielern gern eine Olympia-Erfahrung ermöglichen - wie sie ihm 2008 zu Teil wurde. Die EM ist eine Qualifikationsmöglichkeit für Rio 2016.

Der zweimalige Vater will sich vor einer Entscheidung mit seiner Frau, den Eltern, Eigentümer Mark Cuban und Carlisle beraten.

Für ihn persönlich und die Mavericks steht einer der wichtigsten Sommer der Nowitzki-Ära an. Die verbliebene Leuchtkraft muss sich jeder noch so helle Stern eben einteilen.

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