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Detroit Pistons v Chicago Bulls
Derrick Rose könnte seinen Trainer und Mentor Tom Thibodeau (l.) bei den Bulls verlieren © Getty Images

München - Der K.o. gegen Cleveland löst in Chicago ein Beben aus. Bulls-Coach Thibodeau ist zum Abschuss freigegeben, der Kader muss dringend überholt werden.

Der Schweiß nach dem bitteren Playoff-Aus in Spiel 6 gegen die Cleveland Cavaliers war noch nicht mal getrocknet, und schon ging es wieder los.

Chicagos Head Coach Tom Thibodeau wurde umgehend nach seinem Job bei den Bulls gefragt. Behält er seinen Posten? Ist er schon weg? Wann glaubt er, wird er gefeuert?

"Thibs" übte sich einmal mehr in Gleichmut und formulierte seine Gedanken so diplomatisch wie möglich (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Thibodeau bleibt stur

"Solange ich nichts Gegenteiliges höre, gehe ich davon aus, dass ich hier bleibe. So handhabe ich die Sachlage", erklärte Thibodeau nach dem bitteren Aus im Halbfinale der Eastern Conference.

Die NBA-Playoffs 2015 © @SPORT1

Chicago lieferte in der Serie gegen Cleveland eine desolate Offensiv-Leistung ab und gerade diese Schwächen dürften dem Assistenztrainer des US-Weltmeisterteams 2014 das Genick brechen.

Das Verhältnis zu Chicagos Vize-Präsident John Paxson und General Manager Gar Forman gilt als vergiftet, kommuniziert wird nur noch im Notfall.

Überliefert sind Trainingseinheiten, bei den Paxson das Geschehen vom Mittelkreis auf dem Feld aus beobachtet, nur um Thibodeau zu zeigen, dass er ihn unter Kontrolle hat.

Schon diese Saison war der 57-Jährige nur noch geduldet, vor allem weil er zu den Spielern so ein gutes Verhältnis hat.

Spieler verehren "Thibs"

Derrick Rose sprach auch nach Spiel 6 noch von einer ganz speziellen Beziehung zwischen "Thibs" und ihm, Mike Dunleavy nannte ihn "einen Wunschtrainer für jeden Spieler".  

Jetzt, nach dem wiederholten Scheitern in der Postseason, dürfte den Defensivspezialisten auch das nicht mehr schützen.

Paxson und Forman haben den Finger am Abzug und Bulls-Besitzer Jerry Reinsdorf hat schon einmal bewiesen, dass er gnadenlos sein kann.

Selbst Trainerlegende Phil Jackson war in der "Windy City" vor dem Reinsdorfschen Fallbeil nicht sicher.

Und das obwohl Michael Jordan damals mit seinem Abschied drohte - und letztlich auch wahr machte (Alles zur NBA im Free-TV auf SPORT1: Do., 23.30 Uhr: Inside US Sports).

College-Coach als Nachfolger?

Die Bulls-Oberen haben ihre Skrupellosigkeit also mehr als beeindruckend demonstriert und auch für Thibodeaus Nachfolge wird bereits ein erster Name gehandelt: Fred Hoiberg.

Der College-Trainer der Iowa State Cyclones dürfte nicht so leicht zu haben sein, denn schließlich fühlt sich der Ex-NBA-Profi an seinem alten College pudelwohl.

Ein Trumpf im Ärmel könnte die Freundschaft zwischen Forman und Hoiberg sein, angeblich soll der Bulls-GM sogar Hoibergs altes Haus in Chicago gekauft haben.

Wenn die Bulls aber glauben, dass Thibodeau das Feld kampflos räumt, dann haben sie sich gehörig geschnitten. Schließlich hat er noch einen zwei Jahre gültigen Vertrag, neun Millionen Dollar stehen auf dem Spiel.

Thibodeau stellt sich also stur und wartet auf seinen Rauswurf, Chicago seinerseits hofft auf Thibs' Kapitulation im vergifteten Umfeld.

Zarte Bande nach New Orleans

New Orleans würde als neuer Arbeitgeber nach der Entlassung von Monty Williams schon bereit stehen, auch Orlando soll interessiert sein. Bei den Pelicans könnte "Thibs" wieder mit Superstar Anthony Davis zusammenarbeiten, den er bei der WM in Spanien kennen und schätzen gelernt hat

Die Bulls sollten die Trainerbaustelle schnellstmöglich klären, denn dies ist im Sommer nicht ihre einzige Sorge.

Zu offensichtlich waren die Defizite des aktuellen Kaders, nur MIP Jimmy Butler und Derrick Rose können sich einen eigenen Wurf kreieren.

Der Rest ist auf die Ideen der beiden angewiesen. Sitzen Butler und Rose auf der Bank, oder hat auch das Duo mal einen Durchhänger, dann geht im Angriff nichts zusammen.

"Defense wins Championships" ist eine NBA-Weisheit, die mit Sicherheit ihre Berechtigung hat, aber ganz ohne Offense werden eben nicht mal Spiele gewonnen.

Je früher ein neuer Trainer kommt, desto besser, denn Butler wird zum Beispiel im Sommer Free Agent. Die 3,1 Millionen Dollar Qualifying Offer schrecken sicher kein Team ab.

Es wird ein heißer Sommer für die Bulls und eines ist jetzt schon sicher - ganz billig wird er nicht.

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