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München - Dennis Schröder startet im zweiten NBA-Jahr durch und bekommt auch in den Playoffs das Vertrauen. Gegen LeBron James' Cavs hat er eine wichtige Rolle.

Für Dennis Schröder und die Atlanta Hawks ist es im Ost-Finale der erwartete Kracher: Gegen LeBron James und seine Cleveland Cavaliers kämpfen die Hawks um den Einzug in die NBA-Finals (Spiel 1 am Do., ab 2.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Vor einem Jahr hätte Schröder den Showdown nur als Handtuchschwenker von der Bank verfolgen dürfen. Spielzeit? Fehlanzeige.

Heute sieht das völlig anders aus. Nach einer schweren Rookie-Saison mit Ausflug in die D-League ist der 21-Jährige mittlerweile nicht nur der wichtigste Bankspieler Atlantas - gegen "King James" und Kyrie Irving könnte Schröder zum X-Faktor der Hawks werden.

"Für seine Entwicklung verdient er große Anerkennung. Er hat hart gearbeitet und ist gereift - auch außerhalb des Courts. Er ist ein großartiger junger Spieler, der ein großer Teil unseres Erfolges ist", sagt Coach Mike Budenholzer, der Schröder mit viel Fingerspitzengefühl fördert.

Schuften im Sommer

Um sich bewusst zu machen, welch beeindruckende Fortschritte Schröder gemacht hat, reicht eine Zahl: sieben. Genau so viele Minuten durfte der Rookie nämlich vergangenes Jahr in den Playoffs ran. Insgesamt. In sieben Spielen.

Seine Fehlerquote war Budenholzer in der engen Erstrundenserie gegen die Indiana Pacers einfach zu hoch. Verständlich, dass er den Rookie daher kaum mal aufs Feld ließ. Trotzdem scheiterte Atlanta mit 3:4 an Indiana - und Schröder ging mit Hausaufgaben in den Sommer.

Schon bei der EM-Qualifikation überzeugte der Aufbauspieler als Leistungsträger in der deutschen Nationalmannschaft.

Doch damit nicht genug: Die Hawks schickten Chefscout Jeff Peterson nach Deutschland, um mit Schröder an seinem wackeligen Sprungwurf zu arbeiten. "Ich habe brutal trainiert", blickte der Point Guard im März in der "Welt" zurück. Neben dem Wurf habe er auch "das Finishen am Korb bis zu Schmerzgrenze geübt."

Der Playoff-Baum der NBA 2015
Der Playoff-Baum der NBA 2015 © SPORT1

Blitzschnell und immer treffsicherer

Die Schinderei im Sommer zahlte sich jetzt aus. Schon in der regulären Saison avancierte Schröder bei den Hawks - dem besten Team der Eastern Conference - zum wichtigsten Bankspieler. Fast 20 Minuten kam er im Schnitt zum Einsatz, legte dabei starke 10 Punkte und 4,1 Assists pro Partie auf

Die schwache Dreierquote von 23,8 Prozent als Rookie verbesserte Schröder im Saisonverlauf kontinuierlich, im Januar und Februar traf er aus der Distanz mit 41,7 bzw. 47,8 Prozent schon unglaublich sicher, im März waren es immer noch gute 38,3 Prozent. (Die NBA-Playoffs LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Schröders größte Stärke ist und bleibt aber die Schnelligkeit. Selbst in der NBA können nicht viele Guards den flinken Aufbauspieler vor sich halten. Seinen Vorteil nutzt Schröder mittlerweile immer besser, um entweder selbst den Abschluss zu suchen oder seine Mitspieler in Szene zu setzten.

Nicht umsonst nutzt ihn Budenholzer nicht nur als Ersatzmann für Starter Jeff Teague ("Dennis ist wie mein kleiner Bruder"), sonder schickt die beiden oft auch gleichzeitig aufs Feld, um den Gegner mit zwei Regisseuren vor noch mehr Probleme zu stellen.

Folgerichtig wurde Schröder als Außenseiterkandidat für die Wahl zum meistverbesserten Spieler der Saison (Most Improved Player) gehandelt, bekam beim Journalistenvoting immerhin vier Stimmen.

Schröder als Schlüssel gegen LeBrons Cavs?

Auch wenn "The Umlaut" nach wie vor etwas mit der Effektivität kämpft (2 Ballverluste pro Spiel in 20 Minuten) und auch in der Defense noch konzentrierter werden muss, kommt ihm jetzt im Conference-Finale gegen die Cavs eine wichtige Rolle zu.

Von der Bank muss der Point Guard attackieren und Clevelands Guards in der Defensive ackern lassen. (Alles zur NBA im Free-TV auf SPORT1: Do., 23.30 Uhr: Inside US Sports).

Kyrie Irving ist bei aller Verbesserung bei weitem kein Stopper, ist zudem angeschlagen und muss vorne neben LeBron James eigentlich eine große Last tragen.

J.R. Smith leistet sich hinten gerne mal einen Aussetzer, Defensiv-Ass Iman Shumpert werden die Cavs auf andere Hawks ansetzen, und Clevelands Ersatz-Aufbau Matthew Dellavedova ist Schröder athletisch haushoch überlegen.

Gerade gegen die Cavs, die defensiv nicht unantastbar sind, könnte Schröder mit seiner Schnelligkeit auch vorne ein Schlüssel sein. Nicht nur gegen die Wizards hat der Deutsche gezeigt, dass er Atlanta auch zurück in ein Spiel führen kann.

Vertrauensbeweis gegen Washington

Welches Vertrauen die Hawks mittlerweile in Schröder haben, zeigte Spiel 5 in der Serie gegen die Washington Wizards:

In der Schlussphase der wichtigen Partie setzte Budenholzer nicht etwa auf Teague, sonder auf Schröder - Teague selbst schlug sogar vor, den Deutschen auf dem Feld zu lassen.

Die Zeiten des Handtuchschwenkens, sie wirken schon jetzt ganz fern.

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