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München - Eine Message in der Kabine treibt die Atlanta Hawks um Dennis Schröder zum entscheidenden Sieg. Ob sie wirklich ein Spitzenteam sind, muss sich noch zeigen.

Die Atlanta Hawks hatten sich richtig schwer getan mit den Brooklyn Nets.

Deutlich schwerer, als es ein Aufeinandertreffen zwischen dem Ersten und dem Achten im Osten im Vorfeld vermuten lässt.

22 Siege lagen zwischen den beiden Teams in der Endabrechnung der regulären Saison. Die vier direkten Duelle hatten die Hawks im Schnitt mit 17 Punkten für sich entschieden (DATENCENTER: NBA-Playoffs).

Doch wie schon in den letzten Saisonwochen stotterte der Motor auch in den ersten Playoffspielen gegen die mit Veteranen gespickten Nets. Nach den wenig überzeugenden Siegen vor heimischem Publikum kassierte Atlanta in Brooklyn den Ausgleich.

Zweifel weggewischt

Die Skepsis an der Nummer eins des Ostens wuchs. Die Titeltauglichkeit war schon zuvor bezweifelt worden, und nach vier Partien drohte tatsächlich das Erstrundenaus.

Doch Atlanta reagierte wie ein Spitzenteam. Dem überzeugenden Sieg in Spiel fünf ließ das Team um Dennis Schröder den Blowout in der Nacht auf Samstag folgen (Conference Semifinals, 1. Spiel: Atlanta Hawks - Washington Wizards, So., ab 18.45 Uhr im LIVETICKER).

"Wir haben nicht gut gespielt in den ersten drei Spielen. Nach Brooklyn zu kommen und zwei Spiele zu verlieren, hat uns aufgeweckt", erklärte Kyle Korver.

Der Scharfschütze war beim 111:87-Erfolg hellwach – vor allem im dritten Viertel. Drei seiner sechs Dreier versenkte Korver während des spielentscheidenden 23:3-Laufs nach der Pause.

Mit Wut zum Erfolg

Schöne Ballstafetten und Fastbreaks brachten freie Würfe und einfache Punkte für Korver und den starken Paul Millsap (25 Punkte und neun Rebounds). 34 Assists standen am Ende für das Team in der Statistik.

Anders gesagt: Die Hawks sahen wieder wie sie selbst aus. Wie die Mannschaft, die im Winter 19 Spiele in Folge gewonnen hatte.

Das lag auch an einer Message. "Bleibt stinksauer" stand am Whiteboard im Locker Room der Gäste, bevor sie in der zweiten Halbzeit zum Seriensieg stürmten.

"Wenn wir wütend sind, spielen wir richtig", sagte DeMarre Caroll: "Wir sollten öfter wütend sein."

Wut ist nicht unbedingt das, was man mit den smarten, geduldigen Hawks verbindet. Doch diese Wut ist in den Playoffs gefragt, solange sie in (positiv) aggressivem Spiel mündet.

Schröder mit Verbesserungsbedarf

Ein paar Zweifel bleiben dennoch. Paul Millsap (verstauchte rechte Schulter) und Al Horford (ausgekugelter Finger) kämpfen trotz guter Leistungen weiterhin mit den Folgen ihrer Blessuren, über weite Phasen der Serie agierte Atlanta nicht wie ein Topteam.

Auch die schwache Bank könnte zum Faktor werden. Mike Budenholzer vertraut in den Playoffs zwar länger seiner Ersten Fünf, die Reservespieler müssen den Startern trotzdem wertvolle Pausen verschaffen, ohne dass der Spielfluss leidet.  

So hat auch Dennis Schröder, der gegen Brooklyn im Schnitt gut neun Punkte und drei Assists auflegte, aber auch mit schwachen Wurfquoten aus dem Feld und der Dreierlinie aufwartete (41,8 Prozent/16,7 Prozent), Steigerungspotenzial.

Gestärkte Wizards warten

Im Viertelfinale sind die Washington Wizards die nächste Prüfung für die Atlanta Hawks.

In der regulären Saison gewann der Ostprimus drei der vier Partien. Bei der Niederlage schonte Trainer des Jahres Mike Budenholzer alle fünf Starter.

Die an fünf gesetzten Wizards zeigten jedoch schon in der ersten Runde gegen die Toronto Raptors, wie wenig sie solche Statistiken interessieren. Den drei Pleiten in der regulären Saison ließ Washington den beeindruckenden Sweep in den Playoffs folgen.

Randy Wittmann griff häufiger auf "Small Ball" zurück. Veteran Paul Pierce agierte auf der Vier und zog damit das Feld auseinander. Diese Umstellung hatte eine um Weiten verbesserte Offense zur Folge, in der Point Guard John Wall mit 17,3 Punkten und 12,5 Assists auftrumpfte.

Alte gegen neue Stärke

So ist es trotz der statistischen Vorteile der Hawks schwer, einen Favoriten auszumachen. Washington kommt durch das 4:0 gegen Toronto mit reichlich Selbstbewusstsein.

"Wir glauben, dass unser Weg noch nicht zu Ende ist", ließ Shooting Guard Bradley Beal verlauten: "Wir glauben, dass wir ein Spitzenteam in dieser Liga sind.

Während die Wizards neue Stärken zeigen, hat Atlanta zu alter zurückgefunden. Das Bewusstsein, wie eine Nummer eins auszusehen, ist wieder da.

Das weiß auch DeMarre Carroll. "Wir glauben an uns", sagte Carroll: "Wenn wir so zusammenspielen wie heute, können wir jeden schlagen."

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