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Los Angeles Clippers v Houston Rockets - Game Seven
Bezeichnend: Chris Paul holte sich im letzten Viertel im entscheidenden Spiel gegen die Rockets ein technisches Foul ab © Getty Images

München - Die L.A. Clippers vollenden ihren epischen Kollaps mit dem Aus in Houston - samt Twitter-Spott von Magic Johnson. Chris Paul personifiziert den Fluch des Versagens. Doc Rivers schreibt ungewollt Geschichte.

Da waren sie wieder, die alten Los Angeles Clippers.

Jahrzehntelang das US-Synonym für Verlierer, haben sie ihre größte Chance verpasst, das Loser-Image endgültig abzustreifen. Der epische Einbruch in den NBA-Playoffs gegen die Houston Rockets gipfelte in der mutlosen 100:113-Schlappe im entscheidenden siebten Spiel (Die NBA-Playoffs LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Statt ihre Lieblingsfeinde, die Golden State Warriors, herauszufordern, ist für die Clippers Urlaub angesagt. Wieder wurde es nichts mit den ersten Conference Finals der an Tiefpunkten reichen Teamgeschichte.

"Es ist enttäuschend. Wir waren nah dran, aber das zählt eben nicht. Wir haben es wieder nicht gepackt", sagte ein zerknirschter Blake Griffin. Magic Johnson formulierte auf Twitter, was jeder Beobachter dachte: "Die Clippers bleiben die Clippers."

Verspielte Führung in L.A. als Wendepunkt

Dabei sah es doch 2015 so gut aus. In einer fantastischen Serie hatten sie Titelverteidiger San Antonio Spurs niedergerungen und sich gegen Houston dann einen 3:1-Vorsprung erspielt.

Mehr noch: Die drei Siege wurden mit 16, 25 und 33 Punkten Unterschied förmlich zelebriert, endlich schienen die Geister des Versagens aus dem Staples Center vertrieben zu sein.

Dann kam aber jenes Spiel 6. Mit 19 Zählern führte L.A. bereits, ehe in den Schlussminuten ein selten gesehener Kollaps den Rockets neues Leben einhauchte.

Plötzlich saßen Chris Paul und Co. die Geister wieder wie ein bleischwerer Rucksack auf dem Rücken. In Spiel 7 führte die entnervte Truppe nicht ein einziges Mal.

Wieder reicht es für die Clippers nicht

Jede Menge Starpower, der schillernde neue Eigentümer Steve Ballmer und der Niedergang des Stadtrivalen Lakers: alles sprach für die Clippers, einmal mehr fehlte aber das letzte Quäntchen. 2014 setzte es in Runde 2 nach 2:2 noch ein 2:4 gegen die Oklahoma City Thunder.

"So knapp, so knapp. Ich weiß schon gar nicht mehr, was das überhaupt bedeuten soll. Ich sehe keinen Nutzen in einer Niederlage. Es dauert bis zu den nächsten Playoffs sehr lange. Wie Ricky Bobby sagt: 'Bist du nicht Erster, bist du Letzter'", sagte Paul.

Vor lauter Verzweiflung musste der Point Guard sogar Will Ferrells Charakter aus dem gleichnamigen Rennfahrer-Klamauk zitieren (Alles zur NBA im Free-TV auf SPORT1: Do., 23.30 Uhr: Inside US Sports).

Paul beispielhaft für das erneute Drama

Der 30-Jährige personifiziert das Clippers-Drama perfekt. Sein von der NBA verordneter Wechsel - die Liga kippte den Trade zwischen New Orleans und den Lakers - machte die Clippers relevant.

Parallel zum Absturz der Lakers machte Paul das Team auf einmal cool. Plötzlich war "Lob City" mit den spektakulären Griffin und DeAndre Jordan in. Vergessen die Zeiten als Ron Harper seinen Trade zu den Clippers mit einer Gefängnisstrafe verglich.

Paul steht aber auch für die fehlende Weiterentwicklung. Nur zwei Spieler haben in der NBA-Geschichte mehr als seine 65 Playoff-Spiele auf dem Konto, ohne einmal ein Halbfinale gespielt zu haben. Thurl Bailey (69) und Kiki Vandeweghe (68) liegen noch vor "CP3".

Rivers hadert mit Spiel 6

Vor sieben Jahren hatte der aktuell beste Spielmacher mit New Orleans ein 2:0 verspielt. Nun war er der Anführer des neunten Teams der Liga-Historie, dem ein 3:1 nicht reichte.

Im gesamten Kader hat nur Glen Davis ein Meisterring vorzuweisen - von 2008 mit den Boston Celtics. Damals wie heute war sein Coach Doc Rivers.

Doch auch ihn holten seine Dämonen in dieser Nacht von Houston ein. Ihm wurde nach 2003 mit den Orlando Magic (gegen Detroit) zum zweiten Mal die Ehre zu teil, als Trainer ein 3:1 aus der Hand zu geben - NBA-Rekord.

"Ich habe den Jungs gesagt, dass mir in 13 Jahren als Spieler 13 Mal das Herz gebrochen wurde. Ich wollte nur diese eine Meisterschaft, es gibt aber immer nur einen Gewinner. Was in Spiel 6 passiert ist, wird mich noch lange beschäftigen", sagte Rivers.

Der Fluch der Clippers hat wieder zugeschlagen.

Der Playoff-Baum der NBA 2015
Der Playoff-Baum der NBA 2015 © SPORT1
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