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Golden State Warriors v Memphis Grizzlies - Game Six
Steve Kerr (r.) übernahm vor dieser Saison die Rolle des Cheftrainers der Golden State Warriors von Mark Jackson © getty

München - Die längst nicht mehr eindimensionalen Golden State Warriors lassen selbst zweifelnde Legenden verstummen und lernen, was es braucht, um Meister zu werden.

"Teams, die sich auf den Sprungwurf verlassen, werden nicht Meister" - lautet eine NBA-Binsenweisheit.

Selbst den Golden State Warriors, die mit 67:16 Siegen in der regulären Saison die Liga überrannt hatten, wurde vor den Playoffs die nötige Härte abgesprochen. Als Meisterschaftskandidat Nummer eins hatte das Team komischerweise kaum einer auf dem Zettel, trotz der besten Bilanz.

"Ich mag keine Sprungwurf-Teams. Du kannst nicht genügend Würfe von außen treffen, um vier Serien in Folge zu gewinnen", sagte beispielsweise Legende und TV-Experte Charles Barkley vor Beginn der Playoffs.

Zu weich, zu verletzungsanfällig, zu abhängig vom Sprungwurf - diese Zweifel begleiteten viele Warriors schon seit ein paar Jahren.

Beim Run in die NBA-Finals gegen die Cleveland Cavaliers (ab 5. Juni, 3 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM) hat das Team um MVP Stephen Curry und seinen "Splash Brother" Klay Thompson allerdings seine Kritiker eindrucksvoll widerlegt.

Schützen um Curry auch in den Playoffs elitär

Mit Curry und Thompson hat Golden State das wahrscheinlich beste Schützen-Duo, dass in der NBA-Geschichte jemals in einem Backcourt gespielt hat.

Curry trifft in den Playoffs brandheiße 43,7 Prozent von der Dreierlinie und ist dank seiner Technik und Reichweite eine Gefahr, sobald er die Mittellinie überquert. Thompson ist zwar etwas abgekühlt, 42,5 Prozent von Downtown sind aber immer noch ein Deluxe-Wert.

Beide Top-Shooter beweisen, dass sich auch in den Playoffs, wo sich Defensiven länger und intensiver auf den Gegner vorbereiten können, ihre Gefährlichkeit nicht nur behalten, sondern in Currys Fall sogar noch eine Schippe drauflegen können. Irrwitzige 58,1 Prozent traf der MVP in den ersten vier Conference-Finals gegen die Rockets.

Der grandiose Wurf täuscht bei beiden "Splash Brothers" aber darüber hinweg, dass sie auch als Spielmacher (Curry) und Verteidiger (Thompson) herausragende Qualitäten besitzen.

Defensive der Warriors auf Top-Niveau

Überhaupt werden die Warriors wegen ihrer Macht in der Offensive verkannt.

Die beste Defense der regulären Saison gestattet dem Gegner auch in den Playoffs nur 43,1 Prozent Trefferquote aus dem Feld, beim Dreier sind es gar nur 31.

In beiden Kategorien liegen die Warriors nur knapp hinter den Cavs - deren Gegner Boston, Chicago und Atlanta offensiv aber ganz eigene Probleme hatten (Alles zur NBA im Free-TV auf SPORT1: Do., 23.30 Uhr: Inside US Sports).

Zahlreiche Bewacher für James

Mit ihrer erstickenden Abwehrarbeit zogen die Warriors nicht nur den Rockets und Bart-Ikone James Harden den Zahn - auch LeBron James dürfte mit Golden State Probleme bekommen.

Draymond Green, Harrison Barnes oder Klay Thompson - allein in der Starting Five der Warriors stehen drei überdurchschnittliche bis elitäre Verteidiger, die sich um Alleinunterhalter James kümmern können und werden. Dahinter wartet mit Andrew Bogut einer der besten Ringbeschützer der NBA.

Dazu kann Trainer Steve Kerr mit Sixth Man Andre Iguodala jederzeit einen weiteren Kettenhund von der Bank auf den "King" loslassen.

Der eigentliche Clou ist aber die Teamdefense. Golden State kann durch die Kombination aus langen Guards und mobilen Big Man permanent switchen, also den Gegenspieler bei einem Block an den Teamkollegen übergeben und so den Weg zum Korb zustellen. Gegen James, der in den Playoffs unterirdische 16 Prozent von der Dreierlinie trifft, können die Warriors damit den Finger ganz tief in die Wunde legen.

Gestählt durch die Playoffs

Auch im Punkt Playoff-Erfahrung haben die Warriors, bei denen vor der Saison kein Spieler über die 2. Runde hinausgekommen war, aufgeholt.

"Wir lernen, wie wir Spiele in den Playoffs gewinnen, wie wir Teams entschlüsseln können", sagt Backup-Point Guard Shaun Livingston.

Was dem Team an Erfahrung fehlt, macht Trainer Kerr mehr als wett. Fünf NBA-Titel holte er als Spieler bei den Chicago Bulls und San Antonio Spurs, spielte und lernte dabei unter den Trainerlegenden Phil Jackson und Gregg Popovich.

"Es hilft, dass wir Steve haben", sagt Livingston daher: "Er war in Meisterteams, er kennt sich aus. Du gewinnst eine Serie nicht in einem Spiel - aber du kannst in einem Spiel herausfinden, wo du Vorteile hast."

Vor allem gegen die defensivstarken Memphis Grizzlies wurden Curry und Co. geprüft, behielten aber mit 4:2 die Oberhand. Auch gegen die Rockets war es zweimal eng.

Zu grün? Zu soft? Die Warriors strafen ihre Kritiker Lügen und brauchen noch vier Siege gegen den "King", um die NBA als Meister endgültig zu revolutionieren.

Der Playoff-Baum der NBA 2015
Der Playoff-Baum der NBA 2015 © SPORT1
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