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LeBron James ist bei den Cleveland Cavaliers aus seinem Vertrag ausgestiegen © getty images

München - Ohne klare Wechselabsicht steigt LeBron James aus seinem noch 21,6 Millionen Dollar schweren Vertrag aus. SPORT1 erklärt, was das für ihn und die Cavaliers bedeutet.

Und wieder ist die Gallionsfigur der NBA vertragslos. Zum dritten Mal binnen sechs Jahren ist LeBron James Free Agent und kann sich seinen Arbeitgeber aussuchen.

Doch anders als bei seiner Entscheidung für die Miami Heat 2010 und der Heimkehr zu den Cleveland Cavaliers im vorherigen Sommer rechnen die Experten nicht mit einem Wechsel.

Knapp 21,6 Millionen Dollar hätte James 2015/2016 im zweiten und letzten Jahr seines Vertrags verdient. Doch der viermalige MVP informierte die Cavaliers nach übereinstimmenden Medienberichten darüber, dass er seine Spieleroption zur Verlängerung nicht nutzen will. An diesem Montag wäre die Frist dafür abgelaufen. SPORT1 erklärt die Hintergründe und die Folgen dieses Schritts.

Worum geht es James kurzfristig?

LeBron James verzichtet auf sichere 21,6 Millionen Dollar, streicht aber aller Voraussicht nach durch einen neuen Vertrag 22 ein. Schließlich steigt der Salary Cap, also die Gehaltsobergrenze für das gesamte Team, in der kommenden Saison von etwa 63,1 auf 67,4 Millionen Dollar.

Doch kurzfristig geht es weniger um Geld als um Macht. James' übt mit seiner Entscheidung Druck aufs Management aus, das dem Superstar nach den verlorenen Finals das bestmögliche Personal zur Seite stellen soll. James ist offensichtlich sehr daran gelegen, dass die beiden ebenfalls vertraglosen Big Men Kevin Love und Tristan Thompson an Bord bleiben.

All-Star Love war vor der Saison nach Cleveland gekommen, die Cavaliers hatten dafür ihren Nummer-1-Draftpick Andrew Wiggins weggetauscht. James hatte sich damals für den Trade ausgesprochen. Am Sonntag wurden Love und er zusammen in einem Hotel-Pool in Los Angeles gesehen.

Eine Absprache, wie vor der Vereinigung der "Superfreunde" James, Dwyane Wade und Chris Bosh in Miami, soll es aber nicht gegeben haben. Dennoch ist das Treffen ein Anzeichen für eine weitere Zusammenarbeit. Ein Maximalvertrag für Love scheint wahrscheinlich.

Wie viel Spielraum haben die Cavaliers ?

Die Personalie Thompson ist aus zwei Gründen besonders interessant. Zum einen werden Thompson und James beide vom selben Agenten, Rich Paul, vertreten. Zum anderen dürfte auch Thompson ziemlich teuer werden.

Denn der Nummer-4-Pick des Draft 2011 lehnte im vergangenen Jahr eine Vertragsverlängerung über vier Jahre und 52 Millionen ab. Logischerweise wird er mindestens 13 Millionen fordern, nach seinen bärenstarken Playoffs winkt sogar ebenfalls ein Maximalvertrag.

Drei Maximalverträge - wäre das überhaupt möglich? Die Höhe der Maximalverträge richtet sich nach den gespielten Jahren in der Liga. Spieler mit bis zu sechs Spielzeiten - wie in dem Fall Thompson - würden im ersten Vertragsjahr knapp 16 Millionen Dollar erhalten. Bei sieben bis zehn Jahren (Love) liegt das Maximum für die erste Saison des Vertrags bei etwa 19, bei Veteranen mit über zehn Jahren Erfahrung (James) bei 20.

Weitere 30 Millionen kämen bei Cleveland durch die laufenden Verträge von Kyrie Irving, Anderson Varejao und Timofey Mozgov dazu.

Die Cavs wären damit klar über dem Cap. Bei Vertragsverlängerungen der bisherigen Profis ist das aber möglich. Dementsprechend könnte Cleveland auch die ebenfalls vertragslosen Matthew Dellavedova, Imam Shumpert oder J.R. Smith halten. Allerdings wäre eine Luxussteuer fällig, und im Rennen um andere (große) Free Agents wären Cleveland die Hände gebunden.

Im Gehaltspoker spielt auch Brandan Haywood, 2011 noch Meister-Center der Dallas Mavericks, eine Rolle. Die Cavs müssen ihn vor dem 2. August entlassen, damit sein Vertrag über 10,5 Millionen nicht garantiert ist.

Was folgt im nächsten Sommer?

Ab dem 1. Juli können Teams mit Free Agents verhandeln, Verträge können ab dem 9. Juli unterschrieben werden.

Es ist zu erwarten, dass sich James mit keinem anderen Team trifft und wie im Vorjahr einen Vertrag über ein Jahr mit der Spieleroption auf ein weiteres abschließt. Diese Variante ist sinnvoll wie selten: Zur Saison 2016/2017 gibt es einen neuen Fernsehvertrag, der der Liga - und damit auch den Klubs - viel mehr Geld in die Kasse spült. Der Salary Cap wird voraussichtlich um weitere 30 Prozent steigen. Ein neuer Vertrag zu diesem Zeitpunkt würde in James' Fall bei etwa 30 Millionen pro Jahr beginnen. 

James würde in neue Sphären aufsteigen und sich dem Rekordgehalt von 33,1 Millionen annähern, das Michael Jordan 1997/98 bei den Chicago Bulls einstrich.

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