vergrößernverkleinern
New York Knicks
Carmelo Anthony ist der Star der New York Knicks © Getty Images

Carmelo Anthony ist einer der Topstars der NBA. Sein Verein, die New York Knicks, dümpeln jedoch in den Niederungen der Liga umher. Jetzt ist seine Geduld aufgebraucht.

Wegen Draftpick Porzingis legt sich Carmelo Anthony mit Knicks-Chef Phil Jackson an. Den Absprung zu einem Titelkandidaten hat Melo verpasst. Oder erzwingt er erneut einen Trade?

Immerhin erkannte Carmelo Anthony seinen Fehler und ruderte nach seiner entlarvenden Motz-Attacke über Kristaps Porzingis brav zurück.

Der 19 Jahre alte Lette sei "ein Steal", schrieb Anthony bei Instagram, er könne "es kaum erwarten, ihn spielen zu sehen", schmeichelte der Superstar der New York Knicks dem Youngster, über dessen Wahl an 4. Stelle im NBA-Draft er zuvor noch im Telefonat mit Ex-Teamkollege Tim Hardawy jr. gewütet hatte.

"Er fühlt sich durch Phil Jackson angelogen und betrogen", berichtete ESPN-Experte Stephen A. Smith im SiriusXM Mad Dog Sports Radio und bezog sich auf seine Quellen: "Er kann nicht glauben, dass einer Saison entgegen sieht, die noch schlechter wird als die letzte."

In seiner offiziellen Reaktion ging Anthony dagegen auf Schmusekurs. "Er hat Kristaps nach all dem angerufen", berichtete Porzingis' älterer Bruder Janis bei in der "The Hahn and Humpty Show" auf ESPN 98.7 FM und schwärmte: "Es war wundervoll, dass ein Spieler von seinem Format so etwas tut. Es ist großartig."

Dennoch: Mehr als ein Lippenbekenntnis dürfte Melos Anruf nicht sein, denn die Causa Porzingis zeigt eindrucksvoll, in welchem Dilemma Melo bei den Knicks steckt - einem Dilemma, dass er sich selbst eingebrockt hat.

Pick von Porzingis ein Syndrom

Der Pick von Porzingis zeigt, in welcher Verfassung die Knicks 2015 sind. Kein Titelanwärter, wie es Anthony gerne hätte, sondern eines der schlechtesten Teams der NBA.

Nur die Minnesota Timberwolves haben in der abgelaufenen Saison mehr Spiele verloren als die Knicks, auch 2013 hat New York die Playoffs verpasst.

Für einen Kader, in dem es abgesehen von Anthony an allen Ecken und Enden fehlt, ist die Addition eines vielversprechenden Neulings im Draft eigentlich nur logisch. Problem – zumindest wenn man Carmelo Anthony ist und um den Titel spielen will: Porzingis ist zwar hochveranlagt, hat Ballgefühl und einen Touch bis an die Dreierlinie – eine echte Verstärkung wird er aber erst in ein paar Jahren sein.

So lange will der 31-jährige Anthony, der erst im letzten Sommer einen fetten 124-Millionen-Vertrag über fünf Jahre unterschrieben hat, aber nicht warten.

Anthony wählt seine Sackgasse selbst

Dabei hätte dem streitbaren Star schon bei seiner Unterschrift klar sein müssen, dass sich die Knicks nicht von jetzt auf gleich in die NBA-Elite katapultieren können. Zu schlecht waren schon 2014 die Aussichten.

Anthony entschied sich trotzdem gegen die Angebote der Chicago Bulls und Houston Rockets, bei denen er sofort um den Titel mitgespielt hätte.

Stattdessen griff Melo den Fast-Maximalvertrag in New York ab, ließ ganze 5 Millionen auf dem Tisch liegen - ein lächerlich anmutendes Zugeständnis bei einem Gesamtvolumen von 124 Millionen Gehalt.

Er glaube an die Vision von Trainerlegende Phil Jackson, den die Knicks als Heilsbringer auf dem Posten des Teampräsidenten installiert haben, gab Anthony zu Protokoll.

Nach einer ganz miesen Saison, in der auch der elfmalige NBA-Champions Jackson nicht fehlerfrei agiert hat (Tyson Chandler, Iman Shumpert und auch JR Smith ohne großen Gegenwert verramscht), ist Anthonys Geduld aber jetzt schon am Ende.

Schlechte Aussichten im Big Apple

Zumal es nicht wirklich sonniger wird im Big Apple. Landen die Knicks auf dem Free-Agent-Markt nicht ein bis zwei Kracher, wird New York auch dieses Jahr nicht annähernd um den Titel mitspielen.

Je nach Verpflichtungen ist für die Knickerbockers maximal ein tiefer Platz in den Playoffs drin. Wenn überhaupt.

Denn gerade was die dicken Fische im Free-Agent-Teich angeht, stehen die Chancen der Knicks alles andere als gut. LaMarcus Aldrdige? Hat mit San Antonio, Houston, Dallas deutlich bessere Alternativen. Marc Gasol? Bleibt bei den Memphis Grizzlies, trifft sich nicht einmal mit anderen Teams. Und bei Kevin Love gilt es bei einem Abschied aus Cleveland als wahrscheinlicher, dass er nach L.A zurückkehr höher, als dass er nach New York kommt.

Forciert Melo wieder den Trade?

Bleibt die Frage: Wie geht es weiter mit Melo und den Knicks? Selbst wenn Anthonys erste Wut über den Pick von Porzingis verraucht sein mag - der Forward steckt bei den Knicks zumindest vorerst im Mittelmaß fest. Dafür ist sich der Star auf der schlechten Seite der 30 aber zu schade.

Wozu er in solch einer Situation im Stande ist, hat Melo schon einmal eindrucksvoll bewiesen. 2011 hielt der damalige Hoffnungsträger der Denver Nuggets seine Franchise mit Dauernörgelei so lange in Geiselhaft, bis er seinen Trade zu den Knicks forciert hatte. Außerdem pikant: Für Anthony schickte New York mit Raymond Felton, Danilo Gallinari, Wilson Chandler und Timofey Mozgov das halbe Team in die Rocky Mountains - obwohl Anthony im Sommer einfach als Free Agent im Big Apple hätte unterschreiben können.

Damit ist er also gleich doppelt selbst schuld an seiner jetzigen Misere.

Die nächste Runde im Melo-Drama dürfte auch jetzt nicht lange auf sich warten lassen - zumal ein Trade für beide Seiten Sinn macht: Anthony hätte seinen Willen und könnte um den Titel mitspielen, die Knicks könnten mit jüngeren Talenten im Trade für Melo und ohne den Druck eines nörgelnden Superstars in Ruhe das Team der Zukunft aufbauen.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel