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München - LeBron James hievt die Cavs 2007 im Alleingang ins Finale. 2015 wird die Aufgabe gegen Golden State nur etwas leichter, ein Bad Boy Detroits sieht LBJ stärker als Jordan.

Wie sich die Bilder gleichen.

LeBron James ackert wie ein Besessener, legt Zahlen vom anderen Stern auf und hievt seine Cleveland Cavaliers, ein Team von Rollenspielern, fast im Alleingang in die NBA-Finals (ab 5. Juni, 3 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

2007 war das. Von den San Antonio Spurs gibt es seinerzeit eine 0:4-Klatsche. 2015 musste der selbsternannte "King" wieder Unmenschliches leisten, um die Cavs in die Finals zu wuchten - dort wartet mit den Golden State Warriros das beste Team der NBA.

Die Monsterleistung von James in den bisherigen Playoffs war zugleich grandios und nötig - letztlich könnte sie aber auch der Grund für eine bittere Niederlage Clevelands gegen die "Dubs" werden.

NBA Finals Game 3: San Antonio Spurs v Cleveland Cavaliers
Ohne echte Hilfe hatte James 2007 in den NBA-Finals keine Chance gegen die Spurs © Getty Images

Erschreckende Parallelen zu 2007

Daniel Gibson, Sasha Pavlovic, Drew Gooden, Zydrunas Ilgauskas, Anderson Varejao, Larry Hughes - mit diesen Männern an seiner Seite musste sich James 2007 mit den Spurs messen.

Heute sind viele von ihnen vergessen, schon damals ist keiner mehr als ein Rollenspieler, so mancher rückblickend nicht einmal das. Nur Gibson (10,8 Punkte) und Gooden (12,8) punkteten überhaupt zweistellig.

Und James? Ackerte als Alleinunterhalter 42,6 Minuten pro Partie und wurde von den Spurs zu eiskalten 35,6 Prozent aus dem Feld gezwungen.

2015 zeigen sich erschreckende Parallelen zu damals.

Ochsentour für James

Wieder schuftet James Abend für Abend über 40 Minuten für seine Teamkollegen, musste schon in der ersten Runde gegen die letztlich chancenlosen Boston Celtics 43 Minuten im Schnitt abreißen.

Dabei sollte mit der groß inszenierten Rückkehr nach Cleveland doch alles besser werden. James übergibt nach seiner Rückkehr ins Königreich langsam aber sicher das Zepter - so der Plan. (Alles zur NBA im Free-TV auf SPORT1: Do., 23.30 Uhr: Inside US Sports)

Aber nachdem sich Kevin Love gegen die Celtics die Schulter ausgerenkt hat und Kyrie Irving wegen seiner Knie- und Knöchelprobleme immer wieder aussetzen muss und in den Ost-Finals zwei Partien komplett verpasste, bleibt nun doch wieder alles an James hängen.

"Als ich hierher zurückkam, war mir klar, dass es nicht leicht wird", sagte James nach dem Sieg in den Eastern-Conference-Finals gegen die Hawks: "Ich wusste, dass es ein hartes Stück Arbeit wird, dieses Team in die Finals zu führen."

Laimbeer hebt James über Jordan

Trotz der unfassbaren Last, die James trägt, legt der viermalige MVP mit 27,6 Punkte, 10,4 Rebounds und 8,3 Assists im Schnitt Zahlen vom anderen Stern auf und untermauert, warum er nach wie vor der beste Basketballer des Planeten ist.

Bill Laimbeer, einst Mitglied der legendären "Bad Boys" der Detroit Pistons, hob James gar über "His Airness" Michael Jordan.

"Es ist überhaupt keine Frage, dass LeBron James besser ist, weil er einfach vielseitiger ist", verkündete Laimbeer in der Dan Patrick Show: "Michael Jordan konnte punkten, wichtige Würfe treffen und manchmal bei seinen wilden Dunks spektakulär aussehen. Aber LeBron holt dir 18 Rebounds oder legt 15 Assists auf, wenn er das will. Oder er macht halt 50 Punkte, wenn er will. Er dominiert schon alleine physisch."

Auch James' Trainer David Blatt schwärmte: "Wir haben einen Champion, der das Team perfekt anführt. Er ist nicht nur ein fantastischer Basketballer, sondern auch ein Gewinner mit einer Menge Erfahrung, der die richtigen Dinge sagt und die Jungs stärkt und verbessert."

Zahlreiche Warriors warten auf den geschlauchten König

Doch die grandiosen Auftritte von James in den Playoffs haben auch eine Schattenseite: Die Belastung verlangt selbst dem Überathleten eine Menge ab, und auch der "King" ist nicht unverwundbar.

Auf dem Weg in seine fünften Finals hintereinander musste auch James mit Knöchel- und Rückenproblemen kämpfen. In den letztjährigen Finals setzten ihn Krämpfe außer Gefecht - ebenfalls ein Anzeichen für Überbelastung.

Zwar stehen die Cavs nun in den Finals und lassen die Stadt Cleveland vom ersten Titel in den vier Majorsportarten seit 1964 träumen - aber hat James nach diesem Hardcore-Trip noch genug im Tank, um sein Team auch noch zur Meisterschaft zu schleppen?

Im ausgeklügelten Defensiv-System der "Dubs" können Kletten wie Andre Iguoudala, Draymond Green, Klay Thompson oder Harrison Barnes James durchaus eindämmen - und gleichzeitig muss der "King" selbst ja auch noch hinten gegen die furiose Offense der Warriors schuften.

Irving und bessere Unterstützung als Mutmacher

Trotzdem gibt es einige Mutmacher für James. Zwar sind auch 2015 seine Teamkollegen J.R. Smith, Iman Shumpert, Tristan Thompson, Timofey Mozgov keine NBA-Elite - verglichen mit der Truppe von 2007 ist sein Supportingcast aber doch deutlich fähiger.

Alle vier nutzen die Nischen, die sich die Konzentration der Gegner auf James ergeben, und geben den Cavs so trotz allem eine reelle Chance.

Dazu meldete sich mit Irving LeBrons Co-Star rechtzeitig zum Showdown wieder fit. Der Point Guard ist neben James der einzige Cavalier, der überhaupt verlässlich und dauerhaft seinen eigenen Wurf kreieren oder die Teamkollegen freispielen kann. Entlastung durch Irving könnte somit zu einem wichtigen Schlüssel in den Finals werden.

Nicht zu stoppen?

Der "King" hat sich jedenfalls in Stellung gebracht. Seine Saisonbestleistung von 42 Punkten erzielte James ausgerechnet gegen die Warriors und strotzt vor den Finals vor Selbstvertrauen.

Auf die Frage, wie Cleveland denn MVP Stephen Curry stoppen könne, erklärte "The Chosen One" nur: "Genau wie mich - nämlich gar nicht."

Klar ist: Aus der Not geboren hat James als Alles-Macher der Cavs noch einmal ein neues Level erreicht.

"Sein Selbstvertrauen und seine Fähigkeiten als Anführer sind unglaublich", zollte nicht zuletzt Hawks-Coach Mike Budenholzer James nach dem Aus Respekt: "Er ist meisterhaft darin, seine Mitspieler zu führen und hat dazu noch das Selbstvertrauen, im richtigen Moment immer die richtige Entscheidung zu treffen, ob es der Wurf ist oder der Pass."

Im Duell Superteam gegen Superspieler kann James nun beweisen, ob der die Cavs schon ein Jahr nach seiner Rückkehr zum Champion machen kann.

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