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Cleveland und München - Golden State spielt seine Klasse in Cleveland aus und holt die erste Meisterschaft seit 40 Jahren. LeBron James zermürbt die überirdische Serie. Steph Curry hat das Double.

Das beste Team der NBA-Saison hat sich die Krone aufgesetzt.

Die Golden State Warriors gewannen Spiel 6 bei den Cleveland Cavaliers mit 105:97 (43:45) und feierten trotz zittriger Endphase ihre erste Meisterschaft seit 1975.

MVP Steph Curry brachte es auf 25 Punkte, acht Assists und drei Steals. Trotz schwacher Quote traf er im entscheidenden Moment und beendete mit zwei Dreiern die letzten Hoffnungen der Cavaliers.

"World Champs! Das ist einmalig. Wir haben eine besondere Mannschaft. Darauf haben wir vom ersten Tag an bis zur letzten Minute dieses Spiels hingearbeitet. Daran werden wir uns noch lange erinnern", jubelte Curry. Unter anderem gratulierte auch Dirk Nowitzki per Twitter, der die Krönung wegen einer Satellitenstörung verpasste.

James geht das Benzin aus

Auch Superstar LeBron James konnte es letztlich nicht mehr richten. Zum Ende der Serie ging selbst dem "King" das Benzin aus. Von seinen sechs Finals konnte er nur zwei gewinnen.

Seine 32 Zähler, 18 Rebounds und neun Assists waren zwar erneut herausragend, aber 20 Fahrkarten bei 33 Würfen deuteten an, dass ihn die Warriors über sechs Spiele zermürbt hatten.

"Wir haben alles versucht. Am Ende saß bei uns viel Talent in Anzügen hinter der Bank. Ich hab das jetzt viermal erlebt, es ist kein schönes Gefühl. Es tut weh, es nagt an dir. Es war nicht unsere Zeit", sagte ein sichtlich niedergeschlagener James.

Nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte verloren die sehr dünn besetzten Cavaliers im dritten Viertel den Faden - auch weil James nicht so heiß lief, wie es seine Mannschaft benötigt hätte.

Smith sorgt kurz für Angstschweiß

Vor allem dank des hochverdienten Finals-MVP Andre Iguodala (25 Punkte) zog Golden State auf 15 Punkte weg, ehe sich die Cavs im letzten Abschnitt noch einmal aufbäumten (Alles zur NBA im Free-TV auf SPORT1: Do., 23.30 Uhr: Inside US Sports).

Steph und Riley Curry mit der Meistertrophäe
Steph und Riley Curry mit der Meistertrophäe © instagram@nba

Auf 68:75 kamen sie zehn Minuten vor Schluss heran. Dann nahm jedoch wieder einmal Curry Maß. Mit seinen erst zweiten und dritten Dreiern des Spiel stellte Curry wieder auf eine zweistellige Führung.

Als dann auch noch der bis dahin völlig aus der Partie genommene "Splash Brother" Klay Thompson einen Dreier zum 89:75 versenkte, war sechseinhalb Minuten vor Schluss die Sache durch. In der Schlussminute wurde noch ein bisschen gezittert, Cleveland kam durch einen irren Dreier von J.R. Smith kurz noch einmal auf vier Punkte heran.

Taktischer Fehler von Blatt

Clevelands Coach David Blatt ließ sich zur kleinen Aufstellung mit Tristan Thompson (15 Punkte, 13 Rebounds) oder Timofei Mosgow (17, 12) verleiten, statt mit beiden das offensive Brett zu attackieren.

Die Warriors bestraften das mit ihrer Dynamik. In der entscheidenden Phase des dritten Viertels setzten sie sich - mit Mosgow auf der Bank - dank eines 15:4-Laufs ab. Den klaren Rebound-Nachteil glichen sie mit 25 Punkten aus 19 Ballverlusten der Cavs aus.

Letztendlich war die Hypothek selbst für den in der Serie unmenschlichen James ohne die verletzten Co-Stars Kevin Love und Kyrie Irving doch zu groß, die Tiefe der Warriors zu viel.

"Ihr Small Ball war der entscheidende Faktor der Serie. Nach Spiel 3 haben wir unseren Stil nicht wiedergefunden. Die Spielgeschwindigkeit war dann sicher ein Nachteil für uns", gestand Blatt diesen Fehler indirekt ein. Cleveland wartet also weiter seit den Browns aus NFL (1964) auf einen großen Titel.

Kerr auf Rileys Spuren

Die Warriors beendeten unter Rookie Coach Steve Kerr dagegen ihre lange Durststrecke und sind letztlich der logische Champion. Mit 67 Siegen in der regulären Saison spielten sie über die fast acht Monate den besten und für viele Beobachter auch den schönsten Basketball.

"Es ist ein großartiges Gefühl. Das Opfer, dass Andre oder David (Lee, Anm. der Red.) gebracht haben, von der Bank zu kommen. Sie waren alle mit Leib und Seele dabei, um zu gewinnen. Nur das zählt. Das ist eine unglaubliche Truppe", lobte Kerr seine Spieler.

Kerr ist der erste Trainerneuling seit Pat Riley 1982 mit den L.A. Lakers, der gleich in seiner ersten Saison die Meisterschaft gewinnt. Nach fünf Titeln als Spieler holt er sich seinen sechsten Ring. Halten sie dieses Team zusammen, könnte irgendwann auch die zweite Hand voll sein.

Der Playoff-Baum der NBA 2015
Der Playoff-Baum der NBA 2015 © SPORT1
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