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München und Oakland - Auch in Spiel 2 droht der überragende LeBron James zum tragischen Helden zu werden, aber Clevelands Krieger entnerven Steph Curry und feiern das 1:1 im Overtime-Krimi.

Die Überschriften vom tragischen Helden waren schon geschrieben.

Mit viel Herz und einer großen Dosis LeBron James haben die Cleveland Cavaliers aber ihr Schicksal aus Spiel 1 abgewendet und sich in den NBA-Finals eindrucksvoll zurückgemeldet.

Auch ohne den schwer verletzten Kyrie Irving gewannen sie Spiel 2 bei den favorisierten Golden State Warriors mit 95:93 (87:87, 47:45) nach Verlängerung und glichen die Best-of-Seven-Serie zum 1:1 aus (Die NBA-Finals LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

"Unsere Jungs lieben diese Situation. Jeder hat uns nach Kyries Aus abgeschrieben. Das ist eine große Motivationshilfe für das Team. Ich bin stolz auf die Leistung der ganzen Truppe", sagte James.

Mit 39 Punkten, 16 Rebounds und elf Assists legte der "King" ein gigantisches Triple-Double hin. Dabei vergab er vor dem Happy End aber zum zweiten Mal in Folge am Ende der regulären Spielzeit den möglichen Sieg.

James vergibt zunächst wieder den Sieg

Nach einer über weite Strecken beeindruckenden Leistung ihrer Mini-Rotation - Routinier Mike Miller spielte als achter Akteur ganze sechs Minuten - schien den Gästen in der Endphase wieder die Luft auszugehen.

Die Cavs verspielten in den letzten drei Minuten eine 83:72-Führung. Wie schon im ersten Endspiel hatte James dann in den letzten Sekunden den Ball in der Hand. Nach dem verfehlten Distanzwurf in Spiel 1 probierte er es diesmal mit dem Zug zum Korb, setzte aber den Layup vorbei.

"In dieser Serie gibt es keine einfachen Punkte. Wichtig ist, weiter dranzubleiben. LeBron gibt diesem Team eine Allround-Leistung mit einer Führungsqualität, die in der Basketball-Geschichte ihresgleichen sucht. Sein Wille hat uns zum Sieg geführt", lobte Coach David Blatt.

Cavaliers wollen keinen "sexy Basketball"

Zum ersten Mal in der Finals-Geschichte gingen die ersten beiden Partien in die Overtime. Dort bekam James bei zwei klaren Fouls durch Andre Iguodala und Draymond Green keinen Pfiff, aber die Cavaliers setzten sich mit ihrer großen Leidenschaft verdient durch.

"Wir haben als Team diese schmutzige Identität voll angenommen. Bei uns gibt es keinen sexy Basketball. Wir hatten eine Wurfquote von 32 Prozent und haben trotzdem gewonnen. Das zeigt, wie aggressiv wir vor allem in der Defense waren", sagte James.

Iman Shumpert gelang in den fünf zusätzlichen Minuten schnell ein wichtiger Dreier. Zehn Sekunden vor Schluss war es dann Irvings Vertreter Matthew Dellavedova, der von der Freiwurflinie die Nerven bewahrte und die 94:93-Führung besorgte.

Curry liefert schwache Leistung

Steph Curry setzte kurz darauf per Air Ball den Schlusspunkt unter einen ganz schwachen Auftritt der Warriors. Der MVP (19 Zähler) verfehlte 18 seiner 25 Würfe - darunter 13 von 15 Dreiern.

"Bei Würfen, die ich normalerweise treffe, wusste ich sofort, dass sie nicht reingehen würden. Ich habe keine Ahnung, ob die Bewegung irgendwie falsch war. Ich habe nie einen Rhythmus gefunden", haderte Curry.

Dafür war vor allem der giftige Australier Dellavedova verantwortlich, der Curry über das gesamte Feld verfolgte und ihn in einige der sechs Ballverluste zwang (Alles zur NBA im Free-TV auf SPORT1: Do., 23.30 Uhr: Inside US Sports).

"Er war gigantisch für uns. Wir wussten, wir konnten uns auf ihn verlassen. Er hat uns alles gegeben und noch mehr", schwärmte James.

Nur Thompson überzeugt bei Warriors

Lediglich Klay Thompson (34 Punkte) hielt die Warriors lange im Spiel. Die schwache Quote von der Dreierlinie (8 von 35) und 18 Ballverluste konnte das beste Team der regulären Saison aber nicht kompensieren.

"Ihre Verteidigung war wirklich großartig. Sie haben uns nie in einen Rhythmus kommen lassen und die Passwege zugestellt. Wir werden das analysieren und unsere Schlüsse ziehen", sagte Golden States Coach Steve Kerr.

Symptomatisch war ein total verpatzter Dunking von Marreese Speights. Curry verfiel zudem in alte Muster aus seinen Anfangszeit in der Liga. Er überdrehte mit seinem Wurf, statt die Flügel Green (10 Punkte, 10 Rebounds) oder Harrison Barnes (11 Zähler) mehr einzubeziehen.

Erster Finals-Erfolg der Cavs-Geschichte

Cleveland holte sich mit der Trotzreaktion - praktisch jeder hatte sie nach Irvings Kniescheibenbruch abgeschrieben - den ersten Finals-Erfolg der Teamhistorie.

Center Timofei Mosgow (17 Zähler, 11 Rebounds) sprang James, der mit fünf Triple-Doubles in den Finals nur noch hinter Magic Johnson (8) zurückliegt, vor allem vor der Pause wirkungsvoll zur Seite.

In der zweiten Hälfte stellte Blatt als Reaktion auf die Warriors auf eine kleinere Aufstellung um. "Das waren Matchup-Gründe. Mos war richtig gut. Die Aufstellung am Ende hat uns in dieser Saison schon viele Spiele gewonnen", erklärte Blatt.

James ist bereit für Mega-Pensum

Thompson spielte ab dem vierten Viertel Center und schnappte sich 14 Rebounds. James Jones und J.R. Smith steigerten die Bank-Ausbeute von neun in Spiel 1 auf ordentliche 21 Punkte. Die Cavs erwiesen sich diesmal als die wahren Warriors ("Krieger").

Fraglich ist, ob James dieses Pensum durchhalten kann. Nach 38 in Spiel 1 nahm er diesmal in 50 Minuten 35 Würfe und verfehlte zehn seiner letzten zwölf. "Dafür bin ich gebaut (lacht). Es sind ja nur noch maximal fünf Spiele. Ich bin bereit", sagte James.

Spiel 3 steigt in der Nacht auf Mittwoch (ab 3 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM) in Cleveland. Urplötzlich sind die Finals wieder viel heißer geworden.

Der Playoff-Baum der NBA 2015
Der Playoff-Baum der NBA 2015 © SPORT1
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