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München und Oakland - Einmal mehr holt LeBron James seine tragische Einsamkeit in den Finals ein. Vermächtnis, Schatten und eigener Druck lasten auf der One-Man-Show der Cleveland Cavaliers.

Das Trauma von 2007 hat LeBron James lange verfolgt.

Damals scheiterte der 23-jährige neue Star in den NBA-Finals mit 0:4 an den San Antonio Spurs - ein Erlebnis, das ihn letztlich, in Verbindung mit anderen Enttäuschungen, weg von den Cleveland Cavaliers ins Exil nach Miami trieb (Die NBA-Finals LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Nach der Rückkehr im Sommer sollte alles anders werden. Mit Kyrie Irving und der Verpflichtung von Kevin Love hatte der neue und alte "King" von Cleveland plötzlich in der Heimat ein neues Superteam versammelt.

Weil Love jedoch verletzt fehlt und ihm jetzt auch noch der am Knie verletzte Irving wegbricht, droht James nach der Pleite im ersten Finale gegen die Golden State Warriors das bittere Deja-vu.

"Mein Team erwartet von mir, dass ich liefere. Das ist unser Plan. Das mache ich schon über die gesamten Playoffs", sagte James im Anschluss fast schon trotzig.

James schon wieder auf sich gestellt

Genau das ist aber das Problem des einsamen Königs. Selbst nach seiner Glanzvorstellung mit 44 Punkten - nie war er in den Finals besser - erinnerte er als tragische Figur mehr an Richard III. oder King Lear statt an den strahlenden König Artus.

Einmal mehr fehlt James im wichtigsten Moment der Hofstaat. Während sich beim 100:108 Tristan Thompson, Iman Shumpert und Co. bis zur Verlängerung die Seele aus dem Leib verteidigten, hat Cleveland offensiv zu wenig Alternativen.

"Er braucht mehr um sich herum", stellte Coach David Blatt fest. Eine Erkenntnis, die James in seiner Karriere immer wieder auf die harte Tour lernen muss.

Cavaliers-Trauma von 2007 wirkt nach

Selbst bei den Miami Heat fehlte ihm in den beiden verlorenen Finalserien gegen Dallas und San Antonio das homogene Gefüge um die Star-Power der Kontrahenten.

Vor acht Jahren waren die Spurs für ein Cavaliers-Team mit Daniel Gibson, Eric Snow oder Larry Hughes eine Nummer zu groß. Obwohl James damals "nur" 22 Punkte im Schnitt markierte, ging kein Spiel höher als mit elf Zählern verloren.

Aus seiner Sicht war das eine Schmach für den besten Spieler der NBA. Entsprechend hat er bei aller Übersicht manchmal die Tendenz, zu überdrehen.

Dieser unbändige Siegeswille steht James so manchmal selbst im Weg. Er ist der Go-to-Guy, der Point Guard und falls nötig auch der Coach (Alles zur NBA im Free-TV auf SPORT1: Do., 23.30 Uhr: Inside US Sports).

Falsche Entscheidung beim letzten Wurf

Ein Beispiel dafür war die letzte Aktion der regulären Spielzeit. Anstatt seiner Physis zu vertrauen und gegen Andre Iguodala zum Korb zu ziehen, abzuschließen oder eventuell abzulegen, wollte er unbedingt den schwierigen Wurf zum Sieg verwandeln.

"Ich wollte genau diesen Wurf, ich bin genau dahin gekommen, wo ich hin wollte. Solche habe ich schon getroffen. Die Chance war da", sagte James. Danach war die Luft beim gesamten Team raus.

Er macht sich diesen Druck, er stellt höchste Erwartungen an sich. Michael Jordans Schatten verfolgt ihn seit jeher. James weiß, diese Serie wird sein Vermächtnis entscheidend prägen.

Antwort gegen Warriors am Korb

Schafft es der viermalige MVP wieder nicht, Cleveland den ersten großen Titel seit der NFL-Meisterschaft 1964 zu bescheren, wird niemand über Loves Verletzung, Irvings Probleme oder J.R. Smiths Fahrkarten sprechen.

Das unfaire Urteil wird lauten: wieder war ein Team zu stark für den besten Einzelspieler. Die Warriors sind talentierter und tiefer besetzt. Aus seiner Sicht kann nur James diesen Nachteil ausgleichen. Gewinnt Cleveland nicht, hat er nicht genug getan.

"Wir müssen alle besser spielen - auch ich. Ich glaube nicht, dass ich großartig war. Ich muss den Jungs helfen, in der Offensive präziser zu sein", erklärte James mit Blick auf Spiel 2 in der Nacht auf Montag (ab 2 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Die Antwort liegt am Brett. James muss ziehen und so sein Team involvieren. In Spiel 1 nahm er nur vier seiner 38 Würfe in unmittelbarer Korbnähe. So spielt er Golden State in die Karten. Allein kann es auch der größte Spieler unserer Zeit nicht richten.

Der Playoff-Baum der NBA 2015
Der Playoff-Baum der NBA 2015 © SPORT1
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