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München - Matthew Dellavedova zeigt als Irvings Ersatz, dass er mehr als ein Störenfried ist. Steph Curry nimmt er den Rhythmus und haucht den Cavs Leben ein. Kumpel LeBron adelt ihn.

Matthew Dellavedova gehört zu einer seltenen Spezies.

Nicht besonders groß, nicht besonders schnell, aber ein Kämpfer mit viel Feuer und Leidenschaft. Von den Mitspielern geliebt, von den Gegnern gehasst.

Der giftige Australier arbeitet sich vom Nobody aus Down Under zum erklärten Lieblingskollegen von Superstar LeBron James hoch und steht urplötzlich in den NBA-Finals als X-Faktor im Rampenlicht (Die NBA-Finals LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

"Er ist ein mutiger Junge, der auf die richtige Weise spielt. Es kursiert viel Schwachsinn über seinen Stil. Jeder, der ihn fair beurteilt, muss zugeben, dass er einfach hart arbeitet und mit viel Herz Basketball spielt", lobt Clevelands Coach David Blatt.

Playoff-Kontroversen um Dellavedova

In den Playoffs klangen die Storys über "Delly" noch ganz anders. Chicagos Taj Gibson sowie Atlantas Kyle Korver und Al Horford verpassten ihm nach Auseinandersetzungen das Etikett eines dreckigen Spielers, der Kontrahenten absichtlich verletzen wolle.

Der große "King" James sprang ihm damals zur Seite und verteidigte den "härtesten Typen" der Cavaliers.

Tatsächlich ist der Point Guard ein äußerst giftiger und emotionaler Gegenspieler. Er musste sich jede NBA-Minute hart erkämpfen und lässt sich von niemandem etwas gefallen. Damit hat er sich in der Kabine der Cavs viel Respekt verschafft.

Curry wirkungsvoll verteidigt

In Spiel 2 der Finals bei den Golden State Warriors zeigte er nun auch seine sportlichen Qualitäten. Durch die schwere Knieverletzung Kyrie Irvings in die Startformation gerutscht, trieb er MVP Steph Curry in seine schwächste Vorstellung seit Monaten.

Nur fünf von 23 Würfen traf Curry - darunter 13 Fahrkarten von jenseits der Dreierlinie - und leistete sich auch noch sechs Ballverluste - meist im Duell mit Dellavedova.

Wie groß war sein Anteil an Currys Problemen? "Es lag nur an Delly. Er hat an Steph geklebt und ihn ordentlich arbeiten lassen. Defensiv war er spektakulär", sagte James.

Sogar Curry musste zugeben, dass Dellavedova "sehr hart gespielt" und "ihren Plan gut umgesetzt" habe. Bei der letzten Aktion trieb er Curry in den entscheidenden Air Ball.

"Delly" haucht Cavaliers Leben ein

Der 24-Jährige selbst sah seine Vorstellung wesentlich nüchterner: "Ich denke, es war eine Teamleistung. Du kannst Steph Curry nicht allein stoppen. Wir müssen alle immer auf der Hut sein. Ich bin froh, dass es heute geklappt hat."

Dellavedova hat dem ersatzgeschwächten Außenseiter auch emotional neues Leben eingehaucht und den Glauben an die erste NBA-Meisterschaft in Cleveland wiedererweckt. Nach Spiel 1 hatte ihn der Teambus noch vergessen.

Dass er im Duell mit Curry nun in den Vordergrund rückte, ist symptomatisch. Schließlich ist er so etwas wie Currys böser Zwilling.

Parallelen zu Curry

Genau wie der MVP brillierte Dellavedova an einem kleinen College (St. Mary's in Kalifornien), musste sich aber immer wieder mit Kritikern herumschlagen, die ihn für zu klein, schmächtig und schlicht nicht talentiert genug für die NBA hielten (Alles zur NBA im Free-TV auf SPORT1: Do., 23.30 Uhr: Inside US Sports).

2012 und 2013 stand er gemeinsam mit dem deutschen Nationalspieler Elias Harris im All-Conference Team der West Coast Conference, musste sich aber über die Summer League in den Kader der Cavaliers spielen.

"Er ist ein Mann für die großen Spiele, die großen Momente. Das hat er am College und im Nationalteam schon gezeigt. Die Zweifel treiben ihn an", sagt Landsmann Andrew Bogut, der ihn nun als Gegenspieler in den Finals erlebt.

Nervenstärke schon oft bewiesen

Diese Nervenstärke zeigte Dellavedova nun auch in der Endphase von Spiel 2. Nach einem Fehlwurf von J.R. Smith schnappte er sich zehn Sekunden vor Ende der Verlängerung den Offensiv-Rebound, wurde gefoult und verwandelte eiskalt die Freiwürfe zur 94:93-Führung.

"Diese Situation spielst du als Kind immer wieder durch: ein Punkt hinten, du musst beide machen. Deshalb war ich nicht nervös, schließlich hatte ich das Gefühl, das schon eine Million Mal gemacht zu haben", erklärte der Olympia-Teilnehmer von 2012.

Ab jetzt wartet der Bus

Bei aller Galligkeit wird oft vergessen, dass Dellavedova auch ein verdammt guter Dreierschütze ist. In dieser Saison traf er über 40 Prozent von draußen.

Ohne Irving braucht Kumpel James auch in Spiel 3 (Do., ab 3 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM) und den weiteren Finals jede offensive Unterstützung, die er kriegen kann.

Ohne Delly werde er in Zukunft ohnehin nirgends mehr hin gehen, versichert der viermalige MVP nach dem 1:1-Serienausgleich im Spaß. Den Bus wird Dellavedova so nicht mehr verpassen.

Der Playoff-Baum der NBA 2015
Der Playoff-Baum der NBA 2015 © SPORT1
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