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München und Oakland - Der erste NBA-Titel könnte für die Warriors ein goldenes Zeitalter einläuten. Stephen Curry löst ein altes Versprechen ein. Nur der Tarifvertrag könnte dazwischen funken.

Stephen Curry hat sein Versprechen gehalten.

Wir schreiben den 11. November 2009: Ein schmächtiger Point Guard kassiert mit dahin dümpelnden Golden State Warriors in seinem siebten NBA-Spiel bei den Indiana Pacers die fünfte Niederlage.

Per Twitter gibt der junge Curry den Fans daraufhin ein Versprechen: "Wir werden das hinkriegen. Wenn es das letzte ist, was wir tun. Wir werden das hinkriegen."

Keine fünfeinhalb Jahre später ist Curry der MVP der NBA, und die Warriors sind nach dem 105:97-Triumph in Cleveland der NBA-Champion. Sind sie gar die neue Dynastie der NBA?

Warriors sind logischer Meister

Fakt ist: die Warriors sind der logische Meister. Inklusive Playoffs gewannen sie 83 ihrer 103 Partien, verloren ganze vier Heimspiele, stellten mit 110 Punkten im Schnitt die beste Offensive.

Das Vorurteil, Sprungwurf-Teams könnten den Titel nicht gewinnen, traf ohnehin nie auf sie zu. Diese Mannschaft war mehrdimensional, gehörte in der regulären Saison bei der defensiven Effzienz zu den Top Ten.

"Es wurde viel über unsere Dreier diskutiert. Unser Erfolg resultiert aber aus der Balance zwischen großartiger Offensive und Verteidigung. Wir waren Nummer eins bei Assists und Wurfquote des Gegners", betont Coach Steve Kerr.

Kerr als letztes Puzzleteil

In der Tat war der Trainerneuling das entscheidende Puzzelteil eines kompletten Meisterportraits. Mit seiner lockeren Art und der reichhaltigen Titelerfahrung als Spieler formte er eine verschworene Gemeinschaft.

Da wird im Training Musik gehört und um die Wette von der Mittellinie gezockt, aber auch mit modernsten wissenschaftlichen Methoden hart gearbeitet (Alles zur NBA im Free-TV auf SPORT1: Do., 23.30 Uhr: Inside US Sports).

"Unser Erfolg zeigt, wie wichtig Charakter und Teamchemie in der NBA sein können", sagt David Lee, der genau wie Finals-MVP Andre Iguodala sein Ego überwand und für das große Ganze auf der Bank Platz nahm.

Dank an D'Antonis ICE-Stil

Mit großem Teamgeist war es schon 2011 Dirk Nowitzki und seinen Dallas Mavericks gelungen, dem besten Einzelspieler LeBron James den Titel wegzuschnappen.

Während die Mavs ihr Meisterteam ohne Not sprengten, könnten die sowieso viel talentierteren Warriors eine Ära wie zuletzt die San Antonio Spurs prägen.

Mehr noch: Sie revolutionierten die NBA mit ihren vielseitigen Flügeln wie Draymond Green, ihrem ständigen Switchen in der Abwehr und ihrem auf Freiräume für die Schützen ausgelegten ICE-Angriff.

"Sagt Mike D'Antoni, dass er rehabilitiert ist. Wir haben mit seinem Stil allen in den Hintern getreten", sagt Co-Trainer Alvin Gentry. Er war einst D'Antonis Assistent in Phoenix, als Steve Nash und Co. diesen Tempostil prägten, aber nie die Finals erreichten.

Noch viel Potenzial

Die perfekte Mischung mit noch mehr individueller Klasse und Dynamik brachte Golden State nun den Erfolg. Zudem ist das Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft.

Von den Leistungsträgern ist nur Iguodala über 27 Jahre alt. Andrew Bogut (30) und Shaun Livingston (29) wären ersetzbar, Lee (32) hat dieses Schicksal bereits ereilt.

Curry, Klay Thompson, Draymond Green, Harrison Barnes, Festus Ezeli und Marreese Speights dagegen - sie alle stehen erst noch vor ihrem Zenit.

Salaray Cap als große Hürde

Vor allem der aktuelle Tarifvertrag könnte jedoch dazwischenfunken. Green ist Free Agent und wird im Sommer einen Maximalvertrag bekommen.

Um ihn zu halten, müssten die Warriors in den Bereich der Luxussteuer eintauchen. "Dieses Team wird so nie wieder zusammenspielen. So ist das Geschäft", hatte Green schon vor den Playoffs geunkt.

Andererseits fällt 2016 der große Lee-Vertrag weg - und das frische TV-Geld fließt. 2018 soll die neue Arena bezogen werden.

Das Fundament für ein Goldenes Zeitalter in der Bay Area ist also gelegt.

Der Playoff-Baum der NBA 2015
Der Playoff-Baum der NBA 2015 © SPORT1
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