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Houston Rockets v Golden State Warriors - Game Five
Steve Kerr (r.) gewann als Spieler fünf Meisterschaften und übernahm erst vor dieser Saison die Golden State Warriors © Getty Images

München - Musik beim Training, Wissenschaft und Entspannung des "Zen-Meisters": Trainerneuling Steve Kerr impft den Golden State Warriors das Meister-Gen von Michael Jordan ein.

Das hellste Rampenlicht der NBA kann Steve Kerr nicht schocken.

Der Coach der Golden State Warriors mag zwar Trainerneuling sein, aber in den Finals kennt er sich aus. Fünf Titel gewann er als eiskalter wie gefürchteter Scharfschütze an der Seite von Michael Jordan und unter Gregg Popovich.

Diese Meister-DNS hat Kerr seinen bis zu dieser Saison nie über die zweite Runde hinausgekommenen Jungstars erfolgreich eingepflanzt. In der Serie gegen LeBron James und seine Cleveland Cavaliers (LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM) soll nun der erste Titel seit 1975 folgen.

"Wir haben über den Unterschied zwischen Finals und Playoffs kurz geredet. Was ich in meiner Zeit gelernt habe ist, dass nichts von dem Drumherum den Court betrifft. Wenn die Spiele beginnen, ist es immer gleich", sagt Kerr.

Kerr bringt Warriors "Fun and Gun"

Diese Coolness des früher schlicht als "Ice" bekannten Trainers schätzen Steph Curry, Klay Thompson und Co. - aus dem Hochgeschwindigkeitsstil "Run and Gun" wurde so "Fun and Gun".

Zwar war auch Vorgänger Mark Jackson schon ein Player's Coach, aber Kerr verpackt seinen Perfektionismus in eine locker flockige Art, die bei der neuen NBA-Generation extrem gut ankommt. Da läuft im Training ständig Rap- oder Rock-Musik - abgesehen von den Segmenten des Defensiv-Gurus Ron Adams ("Schulstunde mit Professor Adams" genannt).

Statt mit Sprints bringt Kerr sein Team mit kleinen Spielen wie Wettwerfen von der Mittellinie in Form und hält sie ständig in Bewegung.

"Ich habe als Spieler diese Konditionseinheiten gehasst, sie sind auch unnötig. Du musst die Spieler austricksen, dann bewegen sie sich von allein aus Spaß", verrät Kerr.

Siegeswillen von Michael Jordan

Dabei bleibt Kerr aber immer auf das Ziel fokussiert, denn Siegen ist das höchste Gut. Darauf ist alles ausgerichtet. "Das ist sicher von Michael (Jordan, Anm. der Red.) beeinflusst, ich habe nie jemanden mit mehr Siegeswillen erlebt", betont Kerr.

In den Finals 1997 gegen Utah verhalf Kerr dem besten Basketballer aller Zeiten mit seinem legendären Treffer zur fünften von sechs Meisterschaften.

Argumente, die ihm in der Kabine sofort Respekt und Glaubwürdigkeit verschaffen (Alles zur NBA im Free-TV auf SPORT1: Do., 23.30 Uhr: Inside US Sports).

Konsequenz und neue Methoden

Der ehemalige General Manager der Phoenix Suns setzt aber nicht nur auf Fun und alte Geschichten. Mit Hilfe neuester wissenschaftlicher Methoden holt er auch die letzten Prozent raus.

So tragen die Spieler im Training auch ständig Herzfrequenz-Messer. Diese Erkenntnisse beeinflussen auch Spielzeit und seine Rotation. Als er am 13. März vier Starter schonte und sich enttäuschte Fans meldeten, schrieb er ihn persönlich E-Mails und bat um Verständnis.

Auch das macht den Perfektionisten aus. "Das ist für mich selbstverständlich. Ich möchte, dass wir und die Fans im gleichen Boot sind und dass sie verstehen, was wir hier erreichen wollen", sagt Kerr.

Kniff von Phil Jackson übernommen

Auch eine Lektion des "Zen-Meisters" ist in die Kerrsche Trainerphilosophie eingeflossen. Mindestens einmal pro Tag blendet er seinen Job aus und widmet sich einem Buch. Seine Spieler und Co-Trainer bestärkt er, dies auch zu tun.

"Phil Jackson hat das früher so gemacht. Wenn du am Tag eine Stunde deine Gedanken weg vom Spiel bringst, ist das eine nützliche Atempause - speziell in den Playoffs", erklärt der 49-Jährige.

Kerr ist eben kein typischer Coach. Er hat sich auch bewusst einen starken Stab mit Offensiv-Ass Alvin Gentry, Adams, Bruce Fraser und Ex-Spieler Luke Walton gebastelt, dem er viel Verantwortung überträgt.

Warriors von Kerrs Coolness beeindruckt

Vor Spiel 4 gegen Memphis kamen die Assistenten mit einer Idee zu ihm. Man solle doch den offensiv-limitierten Topverteidiger Tony Allen bewusst offen stehenlassen und Gegenspieler Andrew Bogut so als zusätzliche Hilfe gegen Marc Gasol oder Zach Randolph gewinnen.

So kamen die Warriors durch mehr Ballgewinne ins Laufen, zu offenen Dreiern und gewannen die Serie. "Er hat das ganz ruhig erklärt und war trotz des Drucks in den Playoffs eiskalt", erinnert sich Harrison Barnes.

Eine Eigenschaft, die auch Kerrs hochkarätige Mentoren Jordan, Jackson und Popovich auszeichnet. Verfeinert mit seiner Persönlichkeit ist der Prototyp des modernen NBA-Coaches entstanden.

Der Playoff-Baum der NBA 2015
Der Playoff-Baum der NBA 2015 © SPORT1
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