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Die Dallas Mavericks stehen vor einer ungewissen Zukunft © SPORT1 Grafik: Philipp Heinemann/Agentur

München - Nach der Jordan-Farce blicken die Dallas Mavericks schweren Zeiten entgegen. Statt Großangriff im Westen wird ein weiteres von Dirk Nowitzkis goldenen Jahren verschenkt.

"Wenn wir Jordan nicht bekommen hätten, wäre es an der Zeit gewesen, einen Schritt zurückzugehen."

Am 3. Juli sprach Mark Cuban, Besitzer der Dallas Mavericks, öffentlich über Tanking-Gedanken. Also darüber, dass sich die Mavs ohne Jordan im Tabellenkeller wiederfinden und einen Neuaufbau starten würden, statt um Meisterschaften zu kämpfen.

Cuban sprach im Konjunktiv. Denn DeAndre Jordan hatte an diesem Freitag den Verantwortlichen der Mavericks mitgeteilt, dass er bei den Texanern einen Vierjahresvertrag über 80 Millionen unterschreiben wird. Es sollte nach mehreren Enttäuschungen der ersehnte Coup in der Free Agency werden.

Dallas' Dilemma

Doch aus dem Konjunktiv wurde ein böses Erwachen. Jordan entschied sich trotz vorheriger Zusage gegen den Meister von 2011 und für einen neuen Vertrag bei seinem bisherigen Klub, den Los Angeles Clippers. Für Dallas ist seine Rolle rückwärts ein Desaster.

Die Mavericks konzentrierten ihre Planungen auf den 26-Jährigen und erhielten seine Zusage. Dementsprechend beschäftigten sich die Mavs kaum mit anderen Free Agents und ließen ihren eigenen Ringbeschützer Tyson Chandler nach Phoenix ziehen.

Nun steht das Team von Dirk Nowitzki mit leeren Händen da - und vor einem Scherbenhaufen.

Schwere Zeiten drohen

Mit Jordan hätten die Mavs um die oberen Plätze im Westen spielen können; mit ihm, Neuzugang Wesley Matthews und Chandler Parsons hätte Dallas auch nach einem Karriereende von Nowitzki einen starken Kern für eine erfolgreiche Zukunft beisammen gehabt.

Jetzt droht der Fall in den Tabellenkeller der NBA. Statt noch ein letztes Mal um den Titel mitzukämpfen, geht es im Spätherbst von Nowitzkis Karriere wohl eher darum, möglichst viele Niederlagen zu sammeln, um sich im Draft einen begehrten Youngster zu sichern.

Cuban sprach schon in Anlehnung an die Spurs von einer "David-Robinson-Saison". In der Saison 1988/89 gewann San Antonio ganze 21 Spiele, bekam aber im Draft den späteren Superstar und startete durch. Zudem würden die Mavs nur als eines der sieben schlechtesten Teams (würde in der Lotterie gelost) ihren Erstrundenpick im Draft 2016 behalten - sonst geht er als Teil des Rondo-Deals nach Boston.

Karriereende im Niemandsland?

Das Problem dabei: wieder wird eines von Dirk Nowitzkis goldenen Jahren in der NBA verschwendet, um im kommenden Sommer richtig zuzuschlagen. Diese Taktik geht seit dem Titel 2011 immer wieder in die Hose, weil die Superstars einen Bogen um Dallas machen.

Das aktuelle Team bräuchte im starken Westen ein mittleres Wunder, um die Playoffs zu erreichen.

Vor allem auf der Centerposition klafft nach Jordans Rückzug und Chandlers Abgang ein riesengroßes Loch, das nicht mehr mit der nötigen Qualität gestopft werden kann. Adäquate Alternativen sind auf dem Markt nicht mehr zu haben. Der aus Milwaukee geholte Zaza Pachulia ist nur ein Lückenbüßer. Die Resterampe ist wie mit Chris Kaman 2012 wieder eröffnet.

D-Will vor Wechsel nach Dallas

Auch die Spielmacherposition ist mit Devin Harris, J.J. Barea und Raymond Felton unterdurchschnittlich besetzt. Nun soll es Deron Williams richten. Wenn seine Vertragsauflösung in Brooklyn klappt, wird der ehemalige All-Star wohl in seine Heimat wechseln.

Angesichts seiner stark nachlassenden Leistungen wäre das die pure Ironie, schließlich war er 2012 einer der ersten dicken Fische, die den Mavericks einen Korb gaben und damit diese bittere Spirale einleiteten.

Die Mavericks wollten mit DeAndre Jordan einen Schritt nach vorne gehen - und gehen dank ihm mehr als einen Schritt zurück.

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