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München - Der Center einigt sich mit den Utah Jazz auf einen Vertrag und soll zehn Millionen Dollar verdienen. Es ist der perfekte Zeitpunkt. Die Spurs-DNS des Coaches wird helfen.

Die deutsche Kolonie in der NBA bekommt Zuwachs.

Im Gegensatz zu Dirk Nowitzki und Dennis Schröder wagt Tibor Pleiß den Sprung aber nicht als blutiger Anfänger. Er wechselt als in der Euroleague gestählter Center zu den Utah Jazz.

Der Zeitpunkt erscheint angesichts seiner enttäuschenden Saison beim FC Barcelona überraschend, ist aber der einzig richtige Schritt. Für den 25-Jährigen heißt es: jetzt oder nie.

Pleiß ohne Chance in Barcelona

Denn beim spanischen Krösus gab es für ihn keine Perspektive. Vor zwei Jahren noch der effizienteste Center der starken spanischen Liga (ACB), sackte Pleiß' Spielzeit 2014/15 als Neuling bei Barca stark ab.

Hinter Starter Ante Tomic kam er im Schnitt nur noch auf 5,7 Punkte und 3,8 Rebounds pro Partie. Ein Wechsel innerhalb Europas - oder gar zurück in die Beko BBL - hätte für den deutschen Nationalspieler einen Rückschritt bedeutet.

Jetzt hat er den optimalen Zeitpunkt aus Erfahrung und Potenzial erreicht, in zwei oder gar drei Jahren wäre die Umstellung auf den völlig anderen Stil der NBA noch schwieriger geworden.

"Es ist eine große Ehre. Die NBA ist im Basketball das Maß aller Dinge. Schon als junger Spieler habe ich davon geträumt in dieser renomierten Liga zu spielen", sagte Pleiß: `Jetzt heißt es: im Team
Fuß fassen und sich so schnell wie möglich einleben."

Jazz glauben an sein Potenzial

Zudem scheinen die Jazz der Überzeugung zu sein, aus Pleiß einen wertvollen Spieler oder sogar Leistungsträger formen zu können. Daran hatte es den Oklahoma City Thunder in den vergangenen Jahren gemangelt.

Sie hatten die NBA-Rechte am Draftabend 2010 erworben, nachdem die damaligen New Jersey Nets den 2,18-Meter-Mann mit dem guten Händchen an Position 31 ausgewählt hatten. Im Februar reichten sie Pleiß' Rechte nach Salt Lake City weiter.

Die Jazz machten schnell Nägel mit Köpfen und statteten Pleiß gleich mit einem Dreijahresvertrag aus, der ihm nach Medienberichten zehn Millionen Dollar einbringen soll.

Zehn Millionen als Vertrauensbeweis

Angesichts anderer NBA-Deals scheint das keine allzu große Summe zu sein, aber für einen Bankdrücker in Europa ist es doch ein bemerkenswerter Vertrauensvorschuss. Dazu kam wegen des Vertrages bis 2016 die Ablösesumme von 625.000 Dollar.

Die Intention der Jazz ist klar. Hinter dem französischen Shooting Star Rudy Gobert und Power Forward Derrick Favors klafft ein großes Loch im Frontcourt.

Trevor Booker oder Rookie Trey Lyles sind auf der großen Flügelposition deutlich besser aufgehoben, Pleiß könnte sofort zu Goberts Backup aufsteigen.

Gute Voraussetzungen in Utah

Die Erwartungshaltung sollte noch nicht durch die Decke schießen, aber die Jazz könnten für Pleiß genau der richtige Ort sein, sich in der NBA zu etablieren.

Im Gegensatz zur Euroleague, wo eher Allrounder gefragt sind, braucht es in der NBA Spezialisten, die genau das tun, was sie am besten können - genau wie der Deutsche. Er hat ein gutes Repertoire in Korbnähe und ist für einen Center ein ausgezeichneter Freiwerfer (14/15: 86,6 Prozent). Beim Rebound und Shotblocken muss er jedoch deutlich zulegen.

Für die NBA und das System von Coach Quin Snyder prädestiniert ihn in erster Linie seine Übersicht. Pleiß ist für einen Big Man ein exzellenter Passer.

Coach aus der Spurs-Schmiede

Snyder stammt aus der Coaching-Schmiede der San Antonio Spurs, arbeitete dort unter Gregg Popovich als Trainer des D-League-Teams, später war er in Atlanta Assistent von Popovichs langjähriger rechter Hand Mike Budenholzer.

Selbstloses Spiel wird hier groß geschrieben. Für Schröder funktionierte dieses Ausbildungskonzept bestens. Zudem gibt es bei den Jazz weitere entwicklungsfähige Talente wie Dante Exum oder Trey Burke. Auch der größte Star Gordon Hayward ist erst 25.

Auch an seiner seit Kölner und Bamberger Tagen größten Schwäche hat Pleiß gearbeitet. Er ist längst kein Strich in der Landschaft mehr, inzwischen bringt er 122 Kilogramm auf die Waage und wird sich auch in der NBA zu wehren wissen. Das Abenteuer kann beginnen.

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