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DeAndre Jordan wechselt nicht wie vereinbart zu den Dallas Mavericks
DeAndre Jordan wechselt nicht wie vereinbart zu den Dallas Mavericks © Getty Images

München - Nach der gebrochenen Zusage des All-Star-Centers steht Dallas vor einer tristen Saison. DeAndre Jordan schlägt die einmalige Chance aus, Superstar zu werden, und trägt nun ein Stigma.

Zumindest kennen die Dallas Mavericks das Gefühl: 2012 entschied sich Meisterregisseur Jason Kidd, auf seine Vereinbarung mit den Mavs zu pfeifen und anderswo anzuheuern.

Damals dauerte der Sinneswandel sechs Stunden, diesmal sind es sechs Tage. Und dennoch trifft der Wortbruch von DeAndre Jordan das Team von Dirk Nowitzki viel schwerer.

Der Star-Center wäre der größte Free-Agent-Coup gewesen, den die Mavs je gelandet hätten. Stattdessen stehen sie vor einer tristen Saison.

Zwar sind unverhofft etwa 20 Millionen Dollar frei, um einen Abräumer nach Dallas zu locken. Doch der Markt ist beinahe leergefegt. Eine Verpflichtung des Pacers-Centers Roy Hibbert per Trade ist unwahrscheinlich, Kevin Seraphin (zuletzt Wizards) wäre nicht mal ein Trostpreis.

Im Glauben, er habe Jordan sicher, hatte Mavs-Besitzer Mark Cuban bekannt, die Texaner wären ansonsten nur bei der Draft 2016 vorne dabei. Da dürfen die schlechtesten Teams sich zuerst aus dem Talentepool bedienen. Und dieses Szenario dürfte nun Realität werden. Das ist schmerzlich für Dirk Nowitzki, der in seiner vielleicht letzten NBA-Saison doch nicht um den Titel spielt. Im nächsten Sommer mit dann 38 Jahren könnte er aus seinem bis 2017 befristeten Vertrag aussteigen.

Aber es ist kein Weltuntergang für die Mavs, die nach Jordans Rolle rückwärts mit viel Trotz die Durststrecke überstehen werden und sich der Treue ihrer Fans sicher sein können. Nicht nur Toni Kroos bekräftigte am schwarzen Donnerstag per Hashtag, MFFL - Mavs Fan For Life - zu sein.

Und vielleicht angelt sich der unverzagte Cuban im nächsten Sommer einen Anführer, der dieses Etikett auch wirklich verdient und Nowitzki ablösen kann.

Jordan will dies nun doch nicht und hat durch gebrochene Vereinbarung nachhaltiger Schaden genommen als die Mavericks. Er hat die Chance ausgeschlagen, ein Superstar zu werden, der sein Team auch im Angriff trägt und Wortführer ist. Eine zweite Chance dazu dürfte er nicht bekommen. Welcher Klub würde seinen Kader für einen Mann umkrempeln, auf dessen Wort kein Verlass ist?

So spielt Jordan weiterhin die dritte Geige bei den Clippers hinter Blake Griffin und Chris Paul. Und muss mit der Kritik leben, sein ohnehin nicht ausgereiftes Offensivspiel sei von einem genialen Spielmacher wie Paul abhängig. Zudem heftet er sich das Stigma der Unreife an. Wie sonst ist es zu erklären, dass er nach sieben Jahren in der NBA erst auf Drängen seines Beraters in Dallas zusagt, dann den plötzlichen Schmeicheleien seiner alten Weggefährten nachgibt?

Zwar hat der 26-Jährige in L.A. kurzfristig die besseren Aussichten auf eine Meisterschaft. Von Buhrufen andernorts ganz zu schweigen, wird er aber auch bei den Clippers - sobald die Tinte unter dem 87-Millionen-Dollar-Vertrag trocken ist - nicht mehr verhätschelt wie in den vergangenen Tagen. Besonders Paul, mit dem er bereits in der vorigen Saison aneinander geraten ist, dürfte keine Schwächen tolerieren von jemandem, der plötzlich in seine Gehaltssphären aufsteigt.

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