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Cleveland Cavaliers v Atlanta Hawks - Game One
Im Verhältnis zwischen LeBron James und David Blatt waren schon mehrfach Risse zu erkennen © Getty Images

David Blatts Aus trotz Finals und Platz 1 zeigt, wer die Cavs regiert: LeBron James. Nowitzkis Coach übt Kritik, aber der "King" hat Cleveland in der Hand.

Es war ein Knall in Cleveland: Die Cavaliers setzten ihren Trainer David Blatt vor die Tür.

Den Mann, der in seiner ersten Saison die NBA-Finals erreicht hat und mit seinem Team aktuell mit einer Bilanz von 30:11 an der Spitze der Eastern Conference steht.

Trotzdem muss Blatt gehen. Warum? Auch wenn es von Cavs-Seite offiziell anders dargestellt wird und fast über seine komplette Amtszeit hinweg Berichte über atmosphärische Störungen zwischen Trainer und Team gab, ist es ein offenes Geheimnis wer die treibende Kraft hinter dem Wechsel auf der Trainerbank ist: Superstar LeBron James.

Denn der "King" hat Cleveland in der Hand und baut sein Reich Stück für Stück um.

Nowitzkis Coach findet Entlassung "peinlich"

Die Kritik aus der Liga nach Blatts Demontage ist deutlich: Rick Carlisle, Dirk Nowitzkis Trainer bei den Mavericks und Präsident der Trainergewerkschaft, fand am Freitag klare Worte.

Cleveland Cavaliers v Phoenix Suns
Nach eineinhalb Jahren ist die gemeinsame Zeit von LeBron James (l.) und David Blatt schon wieder beendet © Getty Images

"Es ist peinlich für unsere Liga, dass so etwas passieren kann", sagte Carlisle zu Blatts Entlassung: "Es ist einfach bizarr. Man bleibt irgendwie mit einem Gefühl der Leere zurück, weil Blatt ein großartiger Typ ist, und er hat hier einen großartigen Job gemacht."

Mit 67,5 Prozent Siegquote liegt er in er in der ewigen Bestenliste der NBA auf dem 7. Platz.

James wusste angeblich von nichts

Es habe einfach nicht gepasst mit Blatt auf der einen und dem Spielermaterial und der Vision der Cavs auf der anderen Seite, versuchte Clevelands General Manager David Griffin zu erklären, was vor allem zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht zu erklären ist: Warum ein Titelanwärter auf Platz 1 stehend seinen Trainer mitten in der Saison rauswirft.

ESPN zufolge hätten sogar die Spieler der Cavs eher mit einem Trade von Kevin Love gerechnet, als sie am Freitag zum Teammeeting zitiert wurden.

Blatt selbst sah seine Demontage wohl schon kommen. "Entweder ich oder Kevin Love...", soll er Freunden in Israel, wo er lange coachte, erst letzte Woche gesagt haben, schreibt der NBA-Kolumnist Peter Vecsey. 

Böse Zungen spotten schon lange, dass James letztlich schon seit eineinhalb Jahren Clevelands eigentlicher Trainer ist.

Da kann Griffin noch so beharren, er habe nicht mit dem Superstar Rücksprache gehalten, um über Blatts Schicksal zu entscheiden: "LeBron spielt für dieses Team. LeBron führt diese Organisation nicht." James als "Coach-Killer" hinzustellen sei "einfach nicht fair".

Auch Quellen aus James' Umfeld geben an, der Superstar habe "nicht gewusst, was passieren wird", berichtet ESPN. Auch sei er "nicht direkt" konsultiert worden.

Von Beginn an ist der Wurm drin

Indizien dafür, dass der "King" in Cleveland das Zepter führt und in Personalfragen seinen Einfluss geltend macht, gibt es aber reichlich.

Da wäre zunächst der Fall Blatt: Der Coach kam im Sommer 2014 mit zahlreichen Titeln dekoriert aus Europa in die NBA - bevor sich ein gewisser LeBron James dazu entschloss, zu den Cavs heimzukehren. Ergo war Blatt nichts LeBrons Mann.

Auch sein mit Maccabi Tel Aviv gespielter Stil, die Princeton-Offense mit zahlreichen Cuts und Fokus auf passende Big Men, passte nicht so recht zu James, der viel den Ball hat und das Spiel mit seiner, zugegeben überragenden, Übersicht lenkt und dominiert.

Nach dem Stotterstart in die letzte Saison schien Blatt dann auch schon kurz vor dem Aus zu stehen - bis Cleveland doch auf "LeBron-Ball" umstellte, die Kurve bekam und sogar in die NBA-Finals einzog.

Der "King" lässt Blatt mehrfach schlecht aussehen

Immer wieder ließ James aber durch Aussagen und Aktionen durchblicken, dass er über dem Trainer steht.

Als Blatt in den Playoffs gegen die Chicago Bulls den letzten Spielzug nicht für James designte, grätschte der Superstar dazwischen und erklärte: "Ich bekomme den Ball." Nachdem er die Cavs zum Sieg geworfen hatte, plauderte James diesen Umstand dann noch fröhlich im Interview aus.

Gegen Phoenix schob der "King" seinen Trainer diese Saison dann fast wie einen Schuljungen zur Seite, während er selbst mit dem Schiedsrichter über einen Foulpfiff diskutierte.

Auch wenn das entsprechende Video vor allem für Belustigung sorgte, zeigte die Aktion doch, dass James und Blatt, gelinde gesagt, nicht das normale Machtverhältnis zwischen Spieler und Trainer hatten.

Übereinstimmenden Berichten zufolge machte sich James gemeinsam mit seinem mächtigen Agenten Rich Paul hinter den Kulissen seit der letzten Saison dafür stark, dass Co-Trainer Tyronn Lue Chef bei den Cavs wird.

Und wer wird jetzt nicht erstmal Interimscoach, sondern bekommt direkt einen Drei-Jahresvertrag als Chef? Richtig, LeBrons Favorit Lue.

James' Agent besorgt Thompson Max-Deal

Schon im Sommer hatte James indirekt einen seiner anderen Favoriten langfristig und lukrativ bei den Cavs untergebracht: Free Agent Tristan Thompson erhielt nach einer langen Posse einen Maximalvertrag über fünf Jahre und 82 Millionen Dollar - womit Thompson  nach einhelliger Meinung überbezahlt ist.

Aber: Thompson ist wie James bei Agent Paul unter Vertrag. Und der "King" hat die Cavs in der Hand, weil er erneut nur einen Einjahresvertrag unterschrieben hat und schon nach dieser Saison wieder mit Abschied drohen könnte - wenn die Dinge bei den Cavs nicht zu seiner Zufriedenheit laufen.

Als Spieler, Trainer und GM in Personalunion hat "King" James sein Königreich Cleveland nun nach seinem Willen geschaffen - damit steigt aber auch der Druck.

Denn: Das Schicksal der Cavs ist nach Blatts Demontage mehr denn je mit LeBron James verknüpft.

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