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Kirk Hinrich (r.) macht Dennis Schröder bei den Atlanta Hawks Konkurrenz, Channing Frye soll den freien Platz neben LeBron James nutzen © SPORT1-Grafik: Gabriel Fehlandt/Getty Images

München - Die Hawks holen einen Guard, statt Platz für Schröder zu schaffen. Mehrere Titelkandidaten legen nach, Memphis spielt mit dem Feuer. SPORT1 analysiert die Deadline-Trades der NBA.

Die Trade-Deadline ist vorbei, nichts geht mehr in der NBA: Nach dem offiziellen Ende der Transferperiode können die Teams jetzt nur noch vertragsfreie Spieler holen.

Zeit also, Bilanz zu ziehen: Welches Team hat sich sinnvoll verstärkt? Wer hat in der Hektik den falschen Move gemacht?

Und was bedeutet das Agieren zur Trade-Deadline für die deutschen NBA-Profis Dennis Schröder, Dirk Nowitzki und Tibor Pleiß?

SPORT1 macht den Check zur Trade-Deadline. (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM)

ATLANTA HAKWS

Im Vorfeld der Deadline gab es Gerüchte, die Hawks könnten Jeff Teague verschiffen, um Spielzeit für Schröder freizumachen und dem 22-Jährigen komplett die Zügel in die Hand zu geben. Auch Al Horford und sogar Kyle Kover wurden in Trade-Szenarien genannt.

Atlanta hat den Laden aber nicht abgerissen und den Neuaufbau um Schröder gestartet, sondern sich sogar noch verstärkt.

Mit Kirk Hinrich kommt ein ausgebuffter Veteran von den Chicago Bulls, der hart verteidigen und den Dreier versenken kann (40 Prozent Trefferquote).

Abgeben mussten die Hawks dafür nur ihren dritten Point Guard Shelvin Mack, der ohnehin keine Rolle gespielt hatte (7,5 Minuten im Schnitt).

Gut für die Hakws, die mit Hinrich ordentlich Playoff-Erfahrung und mehr Tiefe auf den Guard-Positionen bekommen - aber schlecht für Schröder. Zwar kann und wird er auch neben Hinrich zum Einsatz kommen.

 Aber "Captain Kirk" ist eben auch noch ein Konkurrent mehr für den Deutschen.

SPORT1-Note: 2

CLEVELAND CAVALIERS

Fast schon traditionell wurde auch zur Deadline wieder über einen Trade von Kevin Love spekuliert, erneut sollen die Boston Celtics nachgefragt haben.

Aber der Co-Star von LeBron James blieb auch dieses Mal in Cleveland, stattdessen sicherten sich die Cavs ein weiteres Puzzleteil zum Titel im Osten. (Alles zum US-Sport auch am Mi., 23.30 Uhr im Free-TV auf SPORT1 in Inside US Sports)

Channing Frye wechselt von den Orlando Magic nach Cleveland
Channing Frye dürfte bei den Cavs neben LeBron James reichlich Platz für seine Dreier haben © Getty Images

Scharfschütze Channing Frye kam quasi zum Nulltarif von den Orlando Magic und passt mit seinen fast 40 Prozent Trefferquote von der Dreierlinie perfekt zum Spiel von LeBron James, weil der schießende Big Man das Feld breit und damit Platz für den Güterzug auf zwei Beinen macht.

Zwar gibt Cleveland LeBrons Kumpel Anderson Varejao im Trade mit den Magic ab - der Brasilianer war aber a) wegen seines 9-Millionen-Vertrags auch fürs nächste Jahr ohnehin eher eine Last und b) mit gerade zehn Minuten Spielzeit im Schnitt absolut ersetzbar.

Zumal die Cavs mit Tristan Thompson und Timofey Mozgov zwei ähnliche Spieler mit größerem Wert haben.

Und noch ein Plus: Cleveland schnappt den Clippers Frye weg, nachdem sein Umzug nach L.A. fast schon sicher zu sein schien.

SPORT1-Note: 1-

LOS ANGELES CLIPPERS

Nach der Absage bei Frye greifen die Clippers in Memphis zu und holen mit Jeff Green einen durchaus fähigen Scorer und (wenn motiviert) ebenso brauchbaren Verteidiger.

Gerade bis Hobby-Boxer Blake Griffin nach seinem Handbruch wieder fit ist, wird Green noch wichtiger für die Clippers, die im Westen an Boden zu verlieren drohen.

Green hat schon in Boston unter Trainer Doc Rivers gespielt, das Umfeld mit Veteranen wie Chris Paul und Paul Pierce dürfte dem bisweilen lethargischen Forward auch die nötige Ernsthaftigkeit einimpfen.

Zwar müssen die Clippers für Green einen Erstrundenpick opfern, werden dafür aber Problemfall Lance Stephenson los.

SPORT1-Note: 2+

MEMPHIS GRIZZLIES

"Born Ready" hat jetzt Memphis an der Backe - und mit Stephenson, Matt Barnes, Zach Randolph, "Birdman" Chris Andersen, P.J. Hairston und Tony Allen eine explosive Mischung mit reichlich schwierigen Charakteren beisammen.

Los Angeles Lakers v Los Angeles Clippers
Lance Stephenson hat schon bei den Indiana Pacers für Trouble gesorgt © Getty Images

Ein Spiel mit dem Feuer.

Zwar wäre Green im Sommer Free Agent geworden und hätte die Grizzlies dann womöglich ohne Gegenwert verlassen.

Memphis staubt immerhin einen Erstrundenpick ab - dafür schwächt man sich mit dem Trade Green für Stephenson im Playoffrennen aber massiv, nachdem schon Star-Center Marc Gasol mit seinem Fußbruch für die komplette Saison ausfällt.

Noch liegen die Grizzlies im Westen auf Platz 5 - mit Stephenson dürfte das nicht mehr lange so sein.

Der Troubelmaker hat jetzt über zwei Jahre nicht annähernd produktiv Basketball gespielt und selbst in Indiana am Ende eher mit Trainingsprügeleien und Ohrpustern auf sich aufmerksam gemacht.

Dazu wird der Pick der Clippers mit großer Wahrscheinlichkeit erst spät in der ersten Runde sein - einen wirklich guten Spieler bekommt man dort in aller Regel nicht mehr…

SPORT1-Note: 4

DALLAS MAVERICKS

Manchmal sind die besten Moves die, die man nicht macht. Wer wüsste das besser als die Mavs, denen das Rondo-Desaster vergangenes Jahr die Saison ruiniert hat und unter anderem den jetzt furios aufspielenden Jae Crowder kostete?

Dieses Mal hält Dallas still, wohl auch aus Mangel an Interessenten an den eigenen Spielern. Auf Platz sechs liegen die Mavs aber ohnehin ganz gut im Rennen, schlagen sich besser als von einigen Experten erwartet.

Nach der Ruhe auf dem Trade-Markt wollen GM Donnie Nelson und Co. dafür auf dem Buyout-Markt zuschlagen.

Sobald Spieler wie Kevin Martin, David Lee oder Roy Hibbert aus ihren Verträgen herausgekauft werden, dürften die Mavs bei so manchem anklopfen. 2011 holte Dallas so mit Peja Stojakovic ein Puzzleteil zum Titel.

SPORT1-Note: 3

UTAH JAZZ

Tibor Pleiß zahlt in seiner ersten NBA-Saison einiges an Lehrgeld und pendelt zwischen der D-League und Eliteliga hin und her, um genug Spielpraxis zu sammeln.

Die Jazz setzen aber weiter auf die Entwicklung ihres deutschen Centers, geben ihn zur Deadline nicht ab und setzten ihm auch keinen neuen Konkurrenten vor die Nase.

Stattdessen kommt mit Mack ein fähiger Point Guard aus Atlanta, dafür muss Utah nur einen Zweitrundenpick abgeben.

SPORT1-Note: 3+

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