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Stephen Curry ist derzeit nur ein Schatten seiner selbst © Getty Images

München und Cleveland - Nach seinen überragenden Leistungen in der Regular Season schwächelt Warriors-Star Stephen Curry ausgerechnet in den Finals. Daran sind nicht nur seine Verletzungsprobleme schuld.

Von Matthias Schreiber und Dean Walle

Was hat Stephen Curry in der Regular Season nicht alles für Rekorde aufgestellt: Als erster NBA-Spieler knackte er die magische Grenze von 300 Dreiern in einer Saison, in jedem seiner 79 Partien der Regular Season traf er von der Dreierlinie, insgesamt hatte er einen Punkteschnitt von 30,1 vorzuweisen.

Zahlen, die Curry zurecht den MVP-Titel einbrachten.

Doch spielte der 28-Jährige in der Regular Season fast wie ein Außerirdischer, scheint er ausgerechnet in den Finals zwischen den Golden State Warriors und den Cleveland Cavaliers nur noch ein Normalsterblicher zu sein.

Curry schlecht wie seit 32 Jahren keiner

Die Diskrepanz zwischen seinen zuvor bahnbrechenden Leistungen und den jüngsten Enttäuschungen - trotz zweier Auftaktsiege - in den Finals ist groß.

Kommt Curry in der Regular Season noch in 57 von 79 Einsätzen auf einen Game Score von über starken 20, schaffte er dies nicht ein einziges Mal in der laufenden Finalserie. (Spiel vier der NBA-Finals am Samstag, ab 3 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US)

Sein Durchschnitt liegt sogar bei bei mageren 8,7, damit ist der 28-Jährige gar so schlecht gestartet wie seit 1984 kein MVP mehr in den ersten drei Finalspielen.

Der Game Score ist ein zuverlässiges Kriterium zur Berechnung der Leistungsstärke und setzt sich aus Daten wie Körben, Assists, Rebounds oder Ballverlusten zusammen.

Dazu passt: In den Duellen gegen Cleveland kommt Curry im Schnitt auf 16 Punkte, fünf Rebounds und 4,3 Assists, viel zu wenig für einen Mann seiner Klasse.

Verletzungen ein Grund

Die Nachwehen aus den beiden Verletzungen, die sich der Dubs-Anführer im April zuzog, tragen sicher eine Mitschuld an der Leistungsdelle: Erst machte ihm das Sprunggelenk Probleme, später setzte ihn ein verstauchtes Knie kurzzeitig außer Gefecht.

Im Anschluss sagte Curry sogar die Teilnahme mit der amerikanischen Nationalmannschaft an den Olympischen Spielen in Rio ab.

Ein Indiz dafür, dass sich der Point Guard immer noch mit den Wehwehchen herumschleppt, die seine Leistung offenbar beeinträchtigen.

Er selbst wollte das nicht als Ausrede gelten lassen, sondern nahm nach der Niederlage von Dienstag Abend die Schuld auf sich:

"Ich muss 100 Mal besser spielen, um meinem Team zu helfen. Besonders im ersten Viertel kam es darauf an, die Kontrolle über das Spiel zu übernehmen und ich habe das nicht getan."

Cavs haben das Anti-Curry-Rezept

Und in der Tat hat Currys Krise nicht nur mit dessen jüngsten Verletzungen zu tun. Zudem wäre es unfair, Finalgegner Cleveland nicht in die Curry-Analyse mit einzubeziehen.

Die Cavs haben nämlich ihre als nicht wirklich sattelfest bekannte Defensive zum wichtigsten Zeitpunkt der Saison deutlich stabilisiert und wissen nun, wie sie Curry seiner Stärken berauben können.

Eine schlechtere Wurfquote gab es für Curry nur fünf Mal außerhalb der Playoffs, seine Ballverluste häufen sich gar doppelt so oft. Es ist vor allem der Teamverbund um Superstar LeBron James, Iman Shumpert, Richard Jefferson und Tristan Thompson, der Curry durch aggressives Verteidigen bisher einbremsen können.

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Iguodala: "Wir müssen ihm den Druck nehmen"

Die Warriors stehen nach der jüngsten 90:120-Pleite nun trotz der aktuellen 2:1-Führung in der Best-of-Seven-Serie unter Zugzwang. Kriegt Curry nicht mehr die Kurve, wird es schwer, die Titelverteidigung in Angriff zu nehmen.

Curry-Kollege Andre Iguodala erklärt bei SPORT1, wie die Wende gelingen soll: "Wir müssen das Spiel für ihn etwas vereinfachen, Spielzüge über ihn fahren, ihn in Position bringen. Er hat die meiste Zeit über einen tollen Job gemacht und ist ein intelligenter Spieler, der normalerweise sehr effektiv spielt. Kein Vorwurf an ihn."

Der MVP der letzten Finalserie nimmt das Team in die Pflicht: "Als Sportler gehst du durch Höhen und Tiefen, vor allem auf seiner Position. Es ist jetzt an uns, ihm den Druck zu nehmen und ihm die Arbeit dadurch etwas leichter zu machen."

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