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Paul Zipser wurde von den Chicago Bulls an 48. Stelle ausgewählt
Paul Zipser wurde von den Chicago Bulls an 48. Stelle ausgewählt © SPORT1-Grafik: Paul Hänel/Getty Images/Imago

München - Bayerns Paul Zipser wird als sechster Deutscher in die NBA gedraftet. Bei den Bulls scheint die Situation günstig. Zipser erklärt bei SPORT1, er will sofort nach Chicago.

Der Traum ist Wirklichkeit.

Paul Zipser vom FC Bayern München hat es geschafft. Der sechsmalige NBA-Champion Chicago Bulls hat das deutsche Supertalent im Draft an der 48. Stelle ausgewählt.

Die Situation im Team von Michael Jordans Erben scheint günstig, aber einige Dinge müssen vor seinem NBA-Einstieg noch geregelt werden.

SPORT1 erklärt, wie es für den aktuell fünften Deutschen in der besten Liga der Welt nun weitergeht.

- Was bedeutet Pick 48?

Zunächst einmal ist es eine Auszeichnung. Zipser ist der insgesamt sechste Deutsche, der im Draft ausgewählt wird. Als Zweitrundenpick steht ihm aber nicht automatisch ein garantierter Vertrag zu. Er kann mit den Bulls frei verhandeln.

Die Aussagen der Teamverantwortlichen um General Manager Gar Forman deuten aber darauf hin, dass der 22-Jährige voll eingeplant ist. Im vergangenen Jahr erhielten Pat Connaughton (Pick 41) und Norman Powell (46) Dreijahresverträge für rund 2,5 Millionen Dollar, davon sind rund 1,5 Millionen Dollar garantiert.

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- Kann Zipser sofort zu den Bulls wechseln?

Beim FC Bayern hat der aktuelle beste deutsche Nachwuchsspieler der Beko BBL noch Vertrag bis 2017, sein Berater Misko Raznatovic twitterte kürzlich, dass sein Schützling eine NBA-Ausstiegsklausel besitze. Theoretisch könnten ihn die Bulls noch ein Jahr in Europa parken, wollen ihn aber offenbar sofort in die "Windy City" holen.

"Ich freue mich riesig, bei einem Team wie den Chicago Bulls zu landen. Ich würde am liebsten direkt rübergehen. Man hat einfach so viele Möglichkeiten und die Chance, sich direkt beim Team reinzuspielen. Es stimmt, dass ich einen Buyout für eine bestimmte Summe habe. Aber durch meinen Vertrag beim FC Bayern bin ich sehr entspannt, da ich mich auch in München sehr wohl fühle. Ob es klappt, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden", sagte Zipser bei SPORT1.

- Wann beginnt sein NBA-Abenteuer?

Bereits am Montag soll Zipser in Chicago vorgestellt werden. Die Summer League in Las Vegas vom 8. bis 18 Juli könnte sein erster Auftritt im Trikot der Bulls sein. In der Summer League spielen die Rookies mit den anderen Talenten des NBA-Teams im Rahmen einer Mini-Meisterschaft. Ende September startet dann die Vorbereitung.

"Ich freue mich für ihn, dass er so ein großes Ziel erreicht hat. Auch für den FC Bayern ist das ein großer Erfolg. Er hatte in jungen Jahren große Verletzungsprobleme, aber Paul hat hart an sich gearbeitet, sich nicht nur auf sein Talent verlassen und diese Chance verdient", betonte Bayern-Coach Svetislav Pesic bei SPORT1.

- Kollidiert die Summer League mit der EM-Quali?

Eigentlich nicht. Bundestrainer Chris Fleming lädt sein Team am 21. Juli zum ersten Lehrgang nach Würzburg. Die EM-Qualifikation beginnt sogar erst am 31. August gegen Dänemark. Trotzdem sagte Bulls-GM Forman, Zipser werde wohl nicht in der Summer League zur Verfügung stehen.

Das wäre ein großer Nachteil, denn in Las Vegas könnte der Flügelspieler schon einmal das Spielsystem kennenlernen. Vielleicht wird es aber noch einmal Gespräche geben. Der DBB betonte gegenüber SPORT1, dass die sportliche Leitung um Fleming letztlich entscheiden müsste, ob Zipser später zum Nationalteam stoßen dürfte.

- Wie stehen Zipsers Chancen bei den Bulls?

Das Timing könnte passen. Nachdem zuletzt die Titelanläufe um den ehemaligen MVP Derrick Rose kläglich gescheitert sind, wurde mit dem Rose-Trade nach New York der Umbruch eingeleitet. Auch Joakim Noah und Pau Gasol dürften weg sein. Auf dem Flügel bieten sich Zipser tatsächlich gute Chancen auf Spielzeit.

Tony Snell, Doug McDermott oder Routinier Mike Dunleavy sind alles andere als übermächtig. Erstrundenpick Denzel Valentine bewirbt sich allerdings auch um Minuten neben dem verbliebenen Superstar Jimmy Butler.

Ähnlich wie bei Dennis Schröder oder Tibor Pleiß könnte es im ersten Jahr aber auch erst einmal in die D-League gehen, um Spielpraxis zu sammeln.

"Um in der NBA regelmäßig zu spielen, hat er noch viel Arbeit vor sich. Dazu gehört auch, sich in der Kabine Respekt zu verschaffen. Der Weg zum Erfolg ist nie kurz. Das ist heute für viele junge Spieler das Problem. Nur ein guter Wurf reicht nicht, das weiß Paul aber auch. Das Potenzial für die NBA hat er zweifellos", sagte Pesic.

- Passt er in Hoibergs System?

Die Umstellung auf die mehr auf Athletik und Eins-gegen-Eins ausgerichtete Spielweise in der NBA fällt Europäern häufig schwer. Bei den Bulls hat es Zipser aber gut getroffen.

Coach Fred Hoiberg spielt gerne schnellen Offensiv-Basketball mit viel Bewegung und legt Wert auf gute Schützen wie Zipser (Dreierquote 15/16: 42,9 Prozent).

Defensiv sollte er in der NBA seinen Mann stehen können, das zeigte er nicht zuletzt bei der EM 2015. Er ist durchaus beweglich und sollte sich mit seinen körperlichen Voraussetzungen (2,03 Meter, 95 Kilogramm) wehren können.

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