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Allen Iverson lieferte 2001/02 mit 31,4 Punkten pro Spiel seinen Karrierebestwert ab - und ein unglaubliches Pensum von knapp 44 Minuten
Allen Iverson lieferte 2001/02 mit 31,4 Punkten pro Spiel seinen Karrierebestwert ab - und ein unglaubliches Pensum von knapp 44 Minuten © Getty Images

Allen Iverson, neu in der Basketball-Ruhmeshalle, ist als Kämpfer und Freigeist legendär. 2002 verblüffte er in dunkler Stunde mit einer Tirade - unter Alkoholeinfluss?

Mit Shaquille O'Neal, Yao Ming und Allen Iverson werden am Freitag drei NBA-Ikonen in die Basketball-Ruhmeshalle aufgenommen. "The Answer" Iverson, inzwischen 41 Jahre alt, ist die kontroverseste unter ihnen.

Der wuselige Spielmacher - zugleich Stilikone und Teilzeit-Rapper - war zu aktiven Zeiten bei den Fans ganz hoch im Kurs, da er sich mit unbändigem Kampfgeist gegen weitaus größere und schwerere Spieler durchsetzte.

Und weil er nie ein Blatt vor den Mund nahm. Damit aber stieß er auch oft Vorgesetzten vor den Kopf, nicht zuletzt dem damaligen Commissioner David Stern, mit dem sich Iverson unverblümt anlegte.

Erst der Zenit, dann der Ärger

Seinen größten Erfolg feierte der elfmalige All-Star in der Saison 2000/01, als er zum wertvollsten Spieler der NBA gewählt wurde und mit den Philadelphia 76ers bis in die Finals vorstieß.

Doch in der folgenden Spielzeit stürzten die Sixers ab, schafften es nur mit Ach und Krach in die Playoffs, um da in der ersten Runde zu scheitern.

Unmittelbar danach beklagte Trainer Larry Brown, dass A.I. mehrere Trainings versäumt habe. Iversons Reaktion darauf - in einer vier Tage später einberufenen Pressekonferenz - ist so skurril wie legendär.

"Wir reden hier über Training! Training!"

Binnen rund zwei Minuten benutzte der verletzungsgeplagte Spielmacher 24 Mal das Wort Training, betonte wieder und wieder, dass es bei all dem Ärger lediglich um Training gehe und nicht um ein Spiel, für das er sich stets aufopfere. "Wir reden hier über Training! Training!"

Einige Journalisten staunten schweigend, andere konnten sich das Lachen nicht verkneifen. Manche glaubten, Iverson sei alkoholisiert. Das behauptet auch Kent Babb in der Biographie "Not a Game: The Incredible Rise and Unthinkable Fall of Allen Iverson".

Head Coach Brown deutete gestisch einen Schluck aus der Flasche an und sagte: "Ich nehme an, er ist ausgegangen und hat irgendwo herumgekaspert."

Verlust des besten Freundes belastet Iverson

Iverson hat dem entschieden widersprochen. Und ESPN-Journalist Stephen A. Smith, ein enger Vertrauter Iversons, nennt diese Behauptung "ekelhaft".

Schließlich erlebte Iverson dunkle Monate. Rund ein halbes Jahr zuvor war sein bester Freund, Rahsaan Langeford, erschossen worden. Iverson tat sich schwer, den Verlust zu verkraften. Wenige Tage vor der unvergesslichen Tirade hatte der Mordprozess begonnen.

Während die Youtube-Videos sich auf seine Wutrede beschränken, offenbart er gleich danach, wie sehr ihn die persönliche Tragödie und die sportliche Enttäuschung erschüttern: "Ich bin aus einem Grund erregt: weil ich hier sitze. Verloren habe. Meinen besten Freund verloren habe. Ihn und dieses Jahr. Es geht alles den Bach runter für mich. Mein Leben. Ich muss das verarbeiten... Mein bester Freund ist tot. Tot. Und wir haben verloren."

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