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Holger Geschwindner ist der sportliche Ziehvater von NBA-Superstar Dirk Nowitzki © SPORT1-Grafik: Getty Images/ dpa picture alliance

München - Dirk Nowitzkis Trainer-Guru Holger Geschwindner spricht bei SPORT1 über seinen Schützling, den heißen Transfersommer, was Dennis Schröder erwartet und mögliche Warriors-Probleme.

Kaum jemand kennt Dirk Nowitzki so gut wie er.

Wie in all den Jahren zuvor bereitete sich der NBA-Superstar auch in diesem Jahr größtenteils mit seinem Mentor Holger Geschwindner vor (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US ).

Der frühere Nationalspieler hat den ersten deutschen NBA-Champion groß rausgebracht. Seit dem Teenager-Alter arbeitet Nowitzki mit ihm zusammen.

Im SPORT1-Interview spricht Geschwindner über seinen Schützling, den heißen Transfersommer, was Dennis Schröder und Paul Zipser erwartet und Probleme, die den Warriors drohen könnten.

SPORT1: Herr Geschwindner, vor gut einem Jahr haben Sie erklärt, dass Dirk gesund ist, laufen kann und kein Rentner ist, wie er gerne jammert. Wie sehen seine Lauffähigkeiten im Oktober 2016 aus - und wie oft hat er sich beklagt?

Holger Geschwindner: Das gehört dazu, Jammern gehört zu Dirks Handwerk (lacht).

SPORT1: Wie bewerten Sie die Offseason bei den Mavericks? Die Mannschaft ist nach einem verkorksten Sommer doch relativ ordentlich besetzt.

Geschwindner: Die Truppe, die jetzt zusammensteht, ist keine Superstar-Mannschaft. Aber vermutlich besser, als alle glauben. Es wird sich in den ersten Spielen zeigen, wie gut sie schon zusammenpasst. Die Preseason darf man nicht so ernst nehmen.

SPORT1: Aber wahrscheinlich geht es 'nur' um einen Playoffplatz, und nicht um den Titel...

Geschwindner: Das weiß man nicht so genau. Letztes Jahr hat jeder auf die Golden State Warriors gesetzt. Eine Verletzung, die Sperre von Draymond Green - und der Käse war gegessen. Es ist ja noch nie vorgekommen, dass jemand 3:1 führt und noch verliert. Da steckt man nicht drin. Bis Februar kann ja noch nachgeladen werden, je nachdem wie sich die Saison entwickelt. (Spielplan der NBA).

SPORT1: Für Nowitzki wird das familiäre Umfeld aber schon langsam wichtiger als noch eine letzte Titelchance, oder?

Geschwindner: Das kann man nicht sagen. Allein die Vertragsverhandlung im Sommer war wichtig. Er hat eine Familie, die hat natürlich Priorität. Aber er hat auch einen Beruf und den führt er so gut er es kann aus. Im November kommt der dritte Nachwuchs. Dann müssen wir gucken.

Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US

SPORT1: Sind die Warriors mit Kevin Durant und Stephen Curry in Normalform überhaupt zu schlagen?

Geschwindner: Es stehen nur fünf Leute auf dem Platz. Real Madrid hatte im Fußball damals alle Superstars zusammengekauft, das klang auf dem Papier alles ganz gut. Dann hat der eine dem anderen den Ball nicht gegönnt und ähnliches. Aber ich hoffe, es funktioniert. Dann könnte man mit der Überlegung spielen, was im Prinzip unsere Vorstellung seit über 30 Jahren ist: Dass man fünf Leute auf den Platz stellen kann, von denen jeder die Sportart kann. Da kann der Basketball strategisch vorangebracht werden. Das ist bei den meisten Trainern in Deutschland auch das Problem: Was mache ich am schlausten, damit die individuellen Unfähigkeiten der Spieler am besten getarnt werden? (Tabelle der NBA).

SPORT1: Im Sommer gab es angeblich ein Interesse der Warriors an Nowitzki. Was war da dran?

Geschwindner: Es gab von verschiedenen Teams Interesse. Sie haben ja gesehen, wie riesig das Hin- und Herrücken geworden ist am Schluss. Der Durant geht zu den Warriors (lacht). Da gab es tausende Kombinationen. In der ersten Woche ging es da richtig wild zu.

SPORT1: Aber Nowitzki selbst war mit den Gedanken immer bei Dallas, oder?

Geschwindner: Nein, das ist nicht richtig. Wir haben im Prinzip immer ein paar Euro auf der Straße gelassen, um eine bessere Mannschaft zusammen zu kriegen. Das hat in den Jahren nach der Meisterschaft nicht so richtig geklappt. Nächstes Jahr gibt es wegen der Fernsehgelder wieder höhere Beträge. Deswegen hat er in seiner Altersklasse einen sehr ordentlichen Deal bekommen.

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SPORT1: Was trauen Sie Dennis Schröder und Paul Zipser zu?

Geschwindner: Schröder muss jetzt zeigen, dass er eine Mannschaft führen kann. Bei Zipser in Chicago muss man gucken. Das erste Jahr ist immer heftig, das hat Dirk auch mitgemacht. Bis man sich an den ganzen Kram gewöhnt hat - die Umstellung ist schon riesig. Ich hoffe, dass es ein paar Kerle schaffen, dass wir mal unseren 83 Millionen Leuten entsprechend in der Sportart etwas haben. Andere wie Frankreich haben elf NBA-Spieler oder noch mehr. Wir haben ein, zwei (lacht). Ich wünsche ihnen das Beste.

SPORT1: Nowitzki hat jahrelang die Knochen für das Nationalteam hingehalten. Dennis Schröder hat in diesem Sommer zurückzogen, Tibor Pleiß mit seinem kurzfristigen Abschied für Unmut gesorgt. Beinahe hätte man sogar die EM-Qualifikation verpasst. Haben Sie dafür Verständnis?

Geschwindner: Das tut mir auch ein bisschen in der Seele weh. Es ist offensichtlich nicht gelungen, dass die Nationalmannschaft attraktiv ist und es eine Ehre ist, für sie zu spielen. Von außen betrachtet sieht das nicht sehr hübsch aus. Die Einstellung muss sich gewaltig ändern.

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