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München - Das Starensemble der Golden State Warriors erleidet beim Debüt von Kevin Durant gegen die Spurs eine herbe Bauchlandung. SPORT1 analysiert die Baustellen der Super-Warriors.

"Ein Schlag ins Gesicht" - diese Metapher hatten alle Protagonisten des kalt erwischten Superteams auf den Lippen.

Als vielleicht größter Titelfavorit in der Geschichte der NBA angetreten, kassierten die Golden State Warriors eine heftige 100:129-Klatsche gegen die San Antonio Spurs und fühlten sich allesamt geohrfeigt (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US ).

Steph Curry, Draymond Green und Neuzugang Kevin Durant sprachen allesamt davon und demonstrierten im Anschluss jene bemerkenswerte Teamchemie, die auf dem Court so eklatant fehlte.

Trotzdem war es nur das erste von 82 Spielen. Entsprechend ironisch betonte Green die begrenzte Aussagekraft: "Die Story morgen ist bestimmt, KD hat das Team zerstört, mit ihm können wir nicht gewinnen. Darauf freuen wir uns schon."

Trotzdem legten die von Gregg Popovich wie immer hervorragend eingestellten Spurs einige wunde Punkte offen.

SPORT1 analysiert die Baustellen der Super-Warriors.

- Fehlende Abstimmung

Dass Durant und die Warriors nach einer Vorbereitung und ein paar Testspielen noch nicht optimal aufeinander eingestellt sind, ist logisch. Gegen die Spurs, die nur Tim Duncan durch Pau Gasol ersetzen mussten, trat der Unterschied allerdings krass zu Tage.

Durant lieferte keinesfalls schwache Zahlen, aber der gefürchtete Warriors-Hochgeschwindigkeitsstil war es noch nicht. Gleich 16 Ballverluste untermauern die Probleme.

Vor allem das blinde Verständnis der "Splash Brothers" Curry und Klay Thompson litt noch unter Durants Präsenz. Thompson fand nie seinen Rhythmus, verpasste fünf seiner sechs Dreier und ließ auch einen einfachen Layup aus.

- Defensivschwäche

Mit der Abstimmung hatte auch die eklatante Abwehrschwäche zu tun. In jedem Viertel ließen die Warriors über 30 Punkte zu. Die Rotation zu den offenen Schützen der Spurs stimmte ebenso wenig wie die Reboundarbeit (35:55-Nachteil). Das sogenannte "Death Lineup" mit Green als Center wies große Lücken auf, am besten lief es noch mit der großen Aufstellung und Ex-Maverick Zaza Pachulia als Center.

Der Durant-Verpflichtung wurden starke Verteidiger wie Festus Ezeli oder Andrew Bogut geopfert, auch Harrison Barnes war am Flügel defensiv brauchbar. Andre Iguodala verliert durch Durant Spielanteile mit den Startern und erwischte einen gebrauchten Abend (Plus-Minus-Wert von -28).

- Kadertiefe

Ein zweites potenzielles Problem des Durant-Coups trat gegen die Spurs ebenfalls in den Vordergrund. Die Bank ist nicht mehr so tief besetzt.

Akteure wie Leandro Barbosa konnten wegen Durants großem Vertrag nicht gehalten werden, zum Auftakt wurden die erschreckend schwachen Backups defensiv zerlegt und erzielten im Vergleich zu San Antonios Ersatzleuten deutlich weniger Punkte (16:54).

Im zweiten Viertel verlor Golden State so den Anschluss. Jonathon Simmons (20 Zähler) bekamen sie nie in den Griff. Die betagten David West und Anderson Varejao sind kaum noch echte Alternativen. Rookie Patrick McCaw empfahl sich bereits in der Preseason für mehr Einsatzzeit.

- Wurfverteilung

Die große Stärke der vergangenen zwei Jahre wurde zum Auftakt zur Achillesferse. Die Warriors trafen diesmal nur sieben von 33 Dreierversuchen. Speziell Thompson und Curry kamen nicht wie gewohnt zu ihren offenen Distanzwürfen.

Während Durants Vorgänger Harrison Barnes eher im Schatten lauern konnte, steht KD immer im Fokus, das ändert die Rolle der Kollegen - vor allem von Thompson. Aber auch Curry bekommt so weniger eigene Chancen oder muss mehr Abschlüsse aus anderen Situationen nehmen. Die optimale Verteilung braucht noch Zeit.

- Coaching

Die schlimmste Heimpleite seit 2009 ging aber auch auf das Konto von Coach Steve Kerr. Nach zwei Jahren, in denen es praktisch von selbst lief, steht der Ex-Profi nun vor der schwierigen Aufgabe, einen Superstar in ein perfektes Kollektiv zu integrieren.

Seine Rotation hat er noch nicht gefunden. Mit Durant scheint der von Curry und Thompson so geliebte Small Ball noch nicht zu funktionieren.

Auf die Kniffe von Popovich mit Patty Mills, Dewayne Dedmon und Simmons fand er keine Antwort. Nun muss Kerr seine Klasse unter Beweis stellen, denn ein paar Schwachstellen hat sein Superteam noch.

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