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Die Hauptfiguren im Knicks-Chaos: Charles Oakley (l.), Phil Jackson (m.) und Carmelo Anthony (r.) © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/ Getty Images/ dpa picture alliance

München - Die Knicks überraschen gegen San Antonio. Der Coup spielt im aktuellen Chaos rund um Carmelo Anthony, Phil Jackson und Charles Oakley aber nur eine Nebenrolle.

Es war ein bizarrer Anblick.

Latrell Sprewell, viermaliger NBA-All-Star und langjähriger Spieler in New York, saß beim Spiel gegen die San Antonio Spurs friedlich neben Besitzer James Dolan.

Wohlgemerkt jener Sprewell, der New York 2003 im Unfrieden verließ und sich als Spieler der Minnesota Timberwolves im selben Jahr mit Dolan anlegte, was ihm eine Strafe einbrachte (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US ).

Wohlgemerkt neben jenem Dolan, der am Donnerstag in eine Auseinandersetzung mit Charles Oakley geraten war, was den Rausschmiss der Knicks-Legende mitsamt Hausverbot zur Folge hatte und Dolan dazu hinreißen ließ, Oakley als Alkoholiker zu bezeichnen. Das wiederum rief Kritik der Fans hervor, die sich gegen San Antonio lautstark für ihren früheren Liebling einsetzten.

Insgesamt neun ehemalige Knicks hatte Dolan offenbar dazu verdonnert, demonstrativ neben ihm Platz zu nehmen. In der seltsamen Atmosphäre fühlten sich Larry Johnson und Co. mehr oder weniger peinlich berührt.

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Wenige Kilometer vom legendären Broadway entfernt entwickelt sich im und um den Madison Square Garden ein bizarres Schauspiel, das nach der Posse um Superstar Carmelo Anthony und Präsident Phil Jackson einen weiteren Höhepunkt erreichte.

Lee würde Jackson vom Hof jagen

Im Schauspiel nicht fehlen darf Filmregisseur Spike Lee, der im MSG am Spielfeldrand seit Jahren die Rolle des Edelfans einnimmt. Der 59-Jährige zeigte sich gegen die Spurs im Oakley-Trikot und geizte nicht mit klaren Worten. "Wie kann man sagen, dass jemand ein Alkoholiker ist? Alles was ich tun kann, ist das Trikot zu tragen", sagte Lee, der zudem aussprach, was viele denken.

Regisseur Spike Lee trug ein Trikot von Charles Oakley
Regisseur Spike Lee trug ein Trikot von Charles Oakley © Getty Images

"Wer würde hier herkommen?", sagte Lee angesprochen auf eine mögliche Verpflichtung von Superstars mit Blick auf Jacksons Umgang mit Anthony: "Ich würde Jackson helfen, seine Koffer zu packen." (Spielplan und Ergebnisse der NBA)

Allerdings stehen nicht mehr alle Fans hinter Anthony. Der Superstar, 2012/2013 noch Dritter der MVP-Wahl, fand sich zuletzt mehr denn je in Trade-Gerüchten wieder – und wurde sogar vom eigenen Publikum ausgepfiffen. Dabei gibt er nach wie vor alles für sein Team (23,2 Punkte im Schnitt), der Erfolg bleib allerdings aus – ein bekanntes Muster in Melos Karriere.

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Jacksons Eigentor

Jackson, dessen Leistung als Präsident längst nicht mit seinem Vermächtnis als Trainer mithalten kann, ist nicht Anthonys größter Fan. Seine bisherigen Versuche, Anthony aus der Stadt zu schaffen, schlugen allerdings fehl. Die Macht ist ohnehin auf Anthonys Seite. Denn der dreimalige Olympiasieger besitzt in seinem Vertrag eine Klausel, die es ihm ermöglicht, jeden Trade abzulehnen. Wer ihm diese Klausel in den Kontrakt geschrieben hat? Jackson, genau.

"Wenn sie das Gefühl haben, dass meine Zeit in New York zu Ende ist, denke ich, dass wir darüber reden müssen", öffnete Anthony zuletzt zumindest eine kleinen Spalt.

Aktuell wäre für beide Seiten eine Trennung vor der Trade Deadline am 23. Februar wohl die beste Lösung. Die Knicks, die 20 der letzten 27 Spiele verloren haben, hinken ihren Erwartungen hinterher. Die Entwicklung von Supertalent Kristaps Porzingis gerät in den Hintergrund - und Anthony verschwendet ein weiteres Jahr seines Talents ohne Titelchance.

Dass sich am Sonntag im Duell der bestgeführten Franchise mit der wohl chaotischsten ausgerechnet die Knicks durchsetzten, und das auch noch aufgrund starker Defense, passte unwillkürlich zum aktuell bizarren Bild. Sollte es mehr als ein Silberstreif am Horizont sein, würde das Schauspiel eine unerwartete Wendung erfahren.

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