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Russell Wilson möchte mit Seattle die Titelverteidigung
Russell Wilson möchte mit Seattle die Titelverteidigung © getty

Die Seattle Seahawks wollen in der kommenden Saison den Titel in der NFL verteidigen. Dafür nutzt Star Russell Wilson einen Trick.

Von Maximilian Länge

Hamburg - Wer Russell Wilson bei einem seiner so häufig gewordenen Pressetermine in den vergangenen Wochen und Monaten zugehört hat, könnte meinen, die Seattle Seahawks haben den Super Bowl XLVIII gegen die Denver Broncos verloren:

"Ich versuche mir einzureden, dass ich noch nie gewonnen habe", sagt der Quarterback immer wieder, "als wäre der nächste Titel der erste".

Er will nicht mehr zurückblicken, auf das was war. Selbstkontrolle als Mittel zum Zweck. Das Ziel des Spielmachers - die Seahawks zur nächsten großen Dynastie zu machen. Der Saisonstart gegen die Green Bay Packers (ab 2.25 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM) ist der erste Schritt.

Patriots-Dynastie als Vorbild

Das letzte Team, das zwei Jahre in Serie den Super Bowl gewonnen hat, waren die New England Patriots in den Spielzeiten 2003 und 2004. Die Patriots hatten in Bill Belichick schon damals einen Defensiv-Strategen als Head Coach, sie hatten einen jungen Spielmacher namens Tom Brady und eine Defensive gespickt mit Führungspersönlichkeiten.

Sucht man den Vergleich zwischen den damaligen Patriots und den Seahawks von heute, findet man auch in Seattle einen außergewöhnlichen Coach ? Pete Carroll.

Ein Trainer, der in seinem ersten Meeting der Saisonvorbereitung den Super Bowl-Titel nicht mehr erwähnte. Man findet Russell Wilson, einen zielstrebigen Quarterback, der unermüdlich an sich arbeitet, und die beste Defensive der Liga.

Auf dem Papier hervorragende Voraussetzungen für den zweiten Titel in Serie. Doch zehn vergangene Jahre seit dem letzten erfolgreichen Titelverteidiger zeigen eben auch, dass viele Teams nach dem Super Bowl in ein Loch fallen.

Stützen der Verteidigung sind geblieben

Damit genau das nicht passiert, hat General Manager John Schneider in der Offseason die Gehaltsobergrenze ausgereizt, um das Gerüst der Mannschaft zusammenzuhalten.

Cornerback Richard Sherman und Free Safety Earl Thomas bekamen ihre hoch dotierten Vertragsverlängerungen, auch Quarterback-Jäger Michael Bennett wurde längerfristig gebunden.

Somit fehlte Geld für die beiden Routiniers Red Bryant und Chris Clemons, die dem Ruf des ehemaligen Defensive Coordinators Gus Bradley nach Jacksonville folgten.

Dahinter sind die etablierten Linebacker um Super-Bowl-MVP Malcolm Smith nach mehreren Operationen pünktlich zum Saisonstart wieder fit. Smith, Bruce Irvin, K.J. Wright und Bobby Wagner bekommen Zuwachs in Person des ungedrafteten Rookies Brock Coyle. Er ist der Gewinner der Vorbereitung.

Sherman, Thomas, Kam Chancellor und Byron Maxwell, das Stammpersonal der Legion of Boom, bilden weiterhin die wohl beste Passverteidigung der Liga (SHOP: Jetzt Football-Artikel kaufen).

Neue Variabilität

Dazu gesellen sich Hochkaräter in der Offensive, allen voran Receiver Percy Harvin. Er hat seine erste komplette Vorbereitung für die Seahawks absolviert, nachdem er im vergangenen Jahr aufgrund von Verletzungen nur in drei Partien zum Einsatz kam.

"Ich war nie ganz angekommen", sagt Harvin. Deshalb habe er sich bereits zwei bis drei Wochen nach dem Super Bowl wieder an die Arbeit gemacht. "Ich wurde geholt, um während der gesamten Saison für Action auf dem Feld zu sorgen", erklärt Harvin.

Das dominante Laufspiel steht dagegen vor einer richtungsweisenden Saison. Der Vorbereitungs-Boykott von Star-Runner Marshawn Lynch blieb folgenlos. Die Seahawks sind auf eine Zeit nach Lynch ohnehin vorbereitet.

Kader ist nach wie vor breit aufgestellt

Christine Michael wurde vor der vergangenen Saison in der zweiten Runde gedraftet. Robert Turbin 2012 in der dritten Runde. Beide überzeugten in der Vorbereitung und werden um Lynchs Nachfolge kämpfen. Solange der aber im "Beastmode" läuft, bleibt nur das Duell um die Backup-Rolle.

Die Tiefe des jungen Kaders, mit der Seattle schon 2013 beeindruckte, ist weiterhin eine große Stärke, weil sich Manager John Schneider schon lange vor dem Super Bowl-Titel einen Plan für die Zeit danach zurechtgelegt hatte.

Zu diesem gehört Golden Tate (Detroit Lions), der in der Statistik beste Passfänger der vergangenen Saison, nicht mehr. Veteran Sidney Rice beendete seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen. Die Rookie-Receiver Paul Richardson und Kevin Norwood unterstützen nun die immer noch oft unterschätzten Doug Baldwin und Jermaine Kearse.

Starke Konkurrenz in der Division

Auf dem Weg zur Titelverteidigung muss in der starken NFC West jedoch Arizona, San Francisco und St. Louis hinter sich gelassen werden.

Die Hoffnungen, sie ruhen auf Percy Harvin, der eindrucksvollen Defensive und Wilson. "Ich glaube definitiv, dass wir besser sind als vor einem Jahr?, sagt der Spielmacher, getrieben von seiner Championship-Mentalität: ?Besser spielen, besser sein, das ist mein Ziel."

Um herauszufinden, obe er recht behält, hilft letztlich nur der Blick zurück nach der Saison. Den darf Russell Wilson sich dann erlauben.

 (So spricht die NFL: Die wichtigsten Begriffe)

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