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Adrian Peterson verpasste 2012 mit 2097 Laufyards den NFL-Rekord nur um neun Yards
Adrian Peterson verpasste 2012 mit 2097 Laufyards den NFL-Rekord nur um neun Yards © imago

München - Die Schläge gegen seinen Sohn könnten für Adrian Peterson Konsequenzen haben. Die Vikings holen ihn vorerst zurück in den Kader.

Die Aufregung um Ray Rice hat sich noch nicht gelegt, da sorgt schon der nächste prügelnde NFL-Star für Schlagzeilen:

Vikings-Star Adrian Peterson schlug seinen vierjährigen Sohn mit einem Ast blutig. Die Fotos von den Verletzungen des Kindes schreckten nur wenige Tage nach dem Video mit den K.o.-Schlägen von Rice gegen seine Verlobte die USA auf. 

Der neueste Fall häuslicher Gewalt wurde am Wochenende bekannt: Der 29-jährige Peterson, Running Back bei den Minnesota Vikings und wertvollster Spieler der Saison 2012, wurde wegen Kindesmisshandlung angeklagt und vorerst auf Kaution freigelassen.

Schläge mit einem Zweig

Er hatte bereits im Mai mit einem Zweig auf seinen Sohn eingeschlagen - so hart, dass der Vierjährige an den Beinen, auf dem Rücken, dem Gesäß und an den Hoden Blutergüsse und Schnittwunden erlitt.

Die Vikings reagierten prompt und nahmen ihren Star bei der 7:30-Pleite gegen die New England Patriots am 2. Spieltag aus dem Kader. 

Zurück im Training

In dieser Woche aber wird der Running Back wieder am Training teilnehmen. Am Sonntag im Auswärtsspiel bei den New Orleans Saints mit dem deutschen Rookie Kasim Edebali soll er wieder zum Einsatz kommen.

"Wir stellen klar, dass wir jede Angelegenheit, in der es um das Wohlergehen eines Kindes geht, sehr ernst nehmen", hieß es in dem Statement der Klub-Eigentümer Zygi und Mark Wilf.

Im Falle von Peterson liege ein schwebendes Verfahren vor und das juristische Verfahren müsse nun seinen geordneten Gang gehen: "Wir werden die Situation weiter genau verfolgen und Adrian dabei unterstützen, im Laufe des gesamten Prozesses seiner rechtlichen Verantwortung nachzukommen."

"Alle Optionen sind offen"

Zuvor hatte Rick Spielman, General Manager der Vikings, noch erklärt, keine Maßnahme im Fall Peterson ausschließen.

"Wir wollen nicht überhastet reagieren, alle Optionen sind offen. Wir tragen immer noch Informationen zusammen und wollen die Entscheidung nicht übers Knie brechen", hatte Spielman das Vorgehen der Vikings beschrieben.

Auch die Liga, die wegen ihrer zögerlichen Haltung im Fall Rice unter Beschuss geraten war, kündigte eine Untersuchung an. Direkt nach dem Rice-Skandal könnte die Strafe für den Star der Vikings in der Tat drastisch ausfallen.

Drei Expertinnen eingestellt

Als Reaktion auf die jüngsten Fälle gab NFL-Boss Roger Goodell bekannt, dass die Liga drei Expertinnen zum Thema häusliche Gewalt eingestellt und einen neuen Posten für einen Vize-Präsidenten für soziale Verantwortung geschaffen hat.

In einer Mitteilung auf der Website der Liga teilte Goodell die Einstellung von Lisa Fiel, Jane Rane Randel und Rita Smith mit, die die NFL-Richtlinien in Bezug auf häusliche Gewalt und sexuelle Übergriffe mitgestalten sollen. Die neue Vize-Präsidentin Anna Isaacson wird sich zudem um Belange der sozialen Verantwortung kümmern.

Petersons Verteidiger erklärt

Zum Vorfall selbst schwiegen aber alle - Spieler, GM und Trainer Mike Zimmer.

Rusty Hardin, Petersons Anwalt, versuchte derweil die Erziehung seines Mandanten als Erklärung der Tat ins Feld zu führen.

Peterson habe seinen Sohn "genauso diszipliniert, wie er es selbst als Kind erfahren" habe, erklärte Hardin und betonte, der Football-Star sei "ein liebevoller Vater, der nie die Absicht hatte, seinen Sohn zu verletzen."

Aussage des Sohnes schockiert

Die Fotos und die Aussagen des Kindes bei der Polizei legten allerdings anderes nahe.

Sein Vater habe ihn auch ins Gesicht geschlagen und ihm Laub in den Mund gesteckt, bevor er ihm die Hose heruntergezogen und ihn verprügelt habe.

Er sei auch mit einem Gürtel geschlagen worden. US-Medien berichteten, Peterson habe die Schläge sowohl gegenüber der Polizei, als auch in SMS an die Mutter des Kindes zugegeben.

Auslöser für die Bestrafung sei ein Streit seiner Söhne um ein Videospiel gewesen. Wenn er seine Kinder schlage, sage er ihnen immer, warum er es mache, sagte Peterson aus. Er bedauere es, dass sein Sohn nicht geweint habe. Dann hätte er gemerkt, dass er zu hart zugeschlagen hätte.

Zwei Jahre Gefängnis wären möglich

Peterson drohen bis zu zwei Jahren Gefängnis. Mit einer Gerichtsverhandlung sei aber erst im nächsten Jahr zu rechnen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Vor elf Monaten war Petersons zweiter Sohn im Alter von zwei Jahren an den Folgen von Misshandlungen gestorben, die ihm mutmaßlich der Lebensgefährte der Mutter beigebracht hatte.

Von Peterson selbst war in den letzten 48 Stunden außer einem getwitterten Bibel-Vers, indem es um Vorverurteilung ging, nichts mehr zu hören.

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