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Tony Romo spielt seit 2003 für die Dallas Cowboys. Die Bilder der Wildcard Games ZUM DURCHKLICKEN
Tony Romo spielt seit 2003 für die Dallas Cowboys. Die Bilder der Wildcard Games ZUM DURCHKLICKEN © getty

München - Tony Romo bezwingt nicht nur die Lions, sondern auch seine schwarze Playoff-Vergangenheit mit Dallas. Nun soll der Titel her.

Tony Romo hat es allen gezeigt.

Als sich der Quarterback der Dallas Cowboys und sein Head Coach Jason Garrett nach dem nervenaufreibenden 24:20-Sieg gegen die Detroit Lions in den Armen lagen war klar, dass dieser Sieg etwas Besonderes war.

Mit seinem zweiten Sieg im insgesamt fünften Playoff-Spiel vertrieb Romo die bösen Geister der Vergangenheit. Denn bis Sonntag galt: NFL-Playoffs und Romo, das verträgt sich trotz seiner Klasse einfach nicht.

Ärger mit Jessica Simpson

So etwa im Divisional Game 2008, als Romos entscheidender Pass zum Sieg Sekunden vor Schluss nicht bei einem Cowboy landete, sondern in den Armen von R. W. McQuarters im Dress der New York Giants. Dallas war raus, die Giants stemmten Wochen später die Vince Lobardi Trophy.

Dazu verärgerte Romo die Fans, als kurz vor der Partie Bilder des Quarterbacks mit seiner damaligen Freundin Jessica Simpson in einem Vergnügungspark auftauchten. Freizeit statt Vorbereitung vor den Playoffs? Romo war unten durch. Doch sein Head Coach hielt zu ihm (Alles zur NFL auch bei SPORT1 im Free TV - Do. 18 Uhr "Inside US Sports").

Fiasko gegen die Vikings

Zwei Jahre später verabschiedeten sich die Cowboys in der Divisional Round mit einem peinlichen 3:34 gegen die Minnesota Vikings. Auch, weil bei Romo nach einem frühen Rückstand nichts mehr klappte: Katastrophale drei Fumbles, eine Interception und sechs Sacks standen für ihn am Ende zu Buche.

"Ich habe damals einfach nicht verstanden, dass ein Spiel nach einem verpatzten Start noch nicht entschieden ist", blickte Romo selbstkritisch zurück.

Im Quarterback, der in der Regular Season noch reihenweise Franchise-Rekorde pulverisierte, war der Schuldige am Playoff-Aus erneut schnell gefunden (So spricht die NFL: Die wichtigsten Begriffe).

Jones: "Das begleitet dich für immer"

Zweimal scheiterten die ambitionierten Texaner früh, zweimal haftete das Pech an Romos Händen. So hing das Versagen in den Playoffs wie ein Schatten über der Karriere des gebürtigen Kaliforniers.

"Wenn du nicht in die großen Spiele reinkommst und sie nicht gewinnst, begleitet dich das für immer", beschrieb Cowboys-Besitzer Jerry Jones das Dilemma. Er schenkte Romo trotz des Playoff-Fluchs im April 2013 mit einem Sechsjahresvertrag über 108 Millionen Dollar das Vertrauen.

Von den sechs statistisch stärksten Quarterbacks dieser NFL-Saison ist Romo der einzige, der noch keinen Super Bowl gewonnen hat. Ein schwarzer Fleck, der den mittlerweile 34-Jährigen antreibt: "Ich weiß, dass das mein Ziel ist. Alle anderen Erfolge sind im Vergleich nur Peanuts."

Lions-Spiel als Wendepunkt?

Romo will seine Geschichte neu schreiben. Und das Wildcard Game gegen Detroit war ein erster Schritt dazu. Denn der viermalige Pro-Bowl-Quarterback bewies eindrucksvoll, dass er seine Lehren aus den Niederlagen der Vergangenheit gezogen hat.

Dabei taten die Lions alles, um Romos alte Wunden wieder aufzureißen: Wie schon 2010 gegen die Vikings lagen die Cowboys früh zurück (0:14 im ersten Viertel). Wieder musste Romo sechs Sacks einstecken - Saisonhöchstwert.

Und wie schon 2008 gegen die Giants war Romo kurz vor Schluss das Zünglein an der Waage: Gut zwei Minuten vor Schluss war es sein Pass auf Terrance Williams, der zum entscheidenden Touchdown führte.

Vertrauen von Garrett

Dass es überhaupt dazu kam, hatte Romo zum einen einer umstrittenen Schiedsrichterentscheidung (Bericht), aber auch dem unerschütterlichen Vertrauen von Head Coach Jason Garrett zu verdanken. Der nahm Romo in die Verantwortung, als der Cowboys-Drive, der letztlich zum finalen Touchdown führte, bei einem vierten Versuch im Niemandsland schon vorbei zu sein schien.

Statt zu Punten setzte Garrett auf einen Spielzug über seinen Quarterback. Ein Scheitern hätte das Playoff-Aus bedeutet. Wieder wäre Tony Romo der Sündenbock gewesen. Wieder hätten sich seine Kritiker bestätigt gefühlt.

So war es vielleicht der wichtigste Wurf in Romos Karriere. Und diesmal hielt er dem gigantischen Druck Stand: Sein 21-Yards-Pass fand Tight End Jason Witten - ein neues First Down, und am Ende der Sieg. Es war Romos 28. spielentscheidender Drive seit 2006. Das schaffte sonst nur Eli Manning.

Packers als nächste Hürde

"Tony hat einen fantastischen Job gemacht. Er ist der physisch und mental stärkste Kerl, den ich kenne. Und das hat er heute bewiesen", adelte Garrett seinen Quarterback nach dem Spiel.

Romo hat den Sprung vom ewigen Playoff-Versager zum Hoffnungsträger geschafft. Nun wartet mit den Green Bay Packers in den Divisional Playoffs ein harter Brocken (So., ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Für Jerry Jones ist das nur eine Zwischenstation auf dem Weg seines Schützlings: "Die Anerkennung, die er wirklich verdient, bekommt er erst, wenn er in einem großes Spiel aufläuft. In dem großen Spiel. Dem Super Bowl."

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